Römische Revolution

Römische Revolution
Römische Revolution
 
Schon länger war es einsichtigen Politikern klar geworden, dass der Großgrundbesitz zunahm, dass die Eigentumsverhältnisse auf dem Lande in Unordnung geraten waren, dass die Anzahl der freien Bauern immer mehr zurückging, und dass infolgedessen das römische Heer in bedrohlicher Weise geschwächt wurde.
 
Insbesondere der zermürbende spanische Kleinkrieg hatte sowohl materiell als auch psychologisch so verheerend gewirkt, dass einer der Konsuln des Jahres 140 v. Chr., Gaius Laelius, erstmals versuchte, ein Ackergesetz durchzubringen, das eine Landverteilung aus dem römischen Staatsland an Bedürftige vorsah, um den Besitzlosen Land und damit dem Heer wieder mehr wehrfähige Bauern zur Verfügung zu stellen. Der Widerstand gegen diese Reform erschien Laelius jedoch so beträchtlich, dass er von sich aus auf seine Pläne verzichtete. Nicht so eine andere Gruppe innerhalb des Senatorenstandes um Appius Claudius Pulcher, Konsul 143 v. Chr. und sogar princeps senatus (also der Erstgenannte auf der Senatsliste), Publius Licinius Crassus Dives Mucianus, Konsul 131 v. Chr., und den berühmten Juristen Publius Mucius Scaevola, der das Konsulat 133 v. Chr. bekleidete. Als der geeignete Mann, die Dinge durchzusetzen, erschien Tiberius Sempronius Gracchus. Er war der Schwiegersohn des Ap. Claudius Pulcher und entstammte einer hochvornehmen und hochverdienten Familie. Sein gleichnamiger Vater hatte als Statthalter in Spanien dieser Provinz für lange Jahre den Frieden gebracht, und seine Mutter, Cornelia, war eine Tochter des älteren Scipio Africanus, des Hannibalsiegers. Schließlich war er sogar auch mit dem jüngeren Scipio verbunden, weil seine Schwester Sempronia dessen Ehefrau war. Er hatte als Offizier unter diesem im letzten Krieg gegen Karthago gedient und war schließlich 137 v. Chr. Quästor in Spanien. Alles deutete darauf hin, dass sich Tiberius innerhalb des Hergebrachten bewegen und notwendige Veränderungen mit Augenmaß durchsetzen würde.
 
Persönlich motiviert war er, für Eindrücke empfänglich wohl auch. Die Reise nach Spanien hatte ihn durch Etrurien geführt, und dort soll er die ruinierten bäuerlichen Verhältnisse mit Bewusstsein wahrgenommen haben und von ihnen erschüttert gewesen sein. In Spanien war er 137 an dem Zustandekommen des Vertrages mit den Aufständischen beteiligt, den der Konsul C. Hostilius Mancinus mit den Numantinern ausgehandelt hatte, der aber in Rom zu seinem tiefsten Bedauern widerrufen wurde; er hat zudem die Tragödie des Konsuls miterlebt, die oben geschildert wurde. Er wurde zum Volkstribun gewählt und brachte 133 v. Chr. ein Gesetz ein, das den verarmten römischen Bauern Land zur Verfügung stellen sollte: Vom römischen Staatsland, dem ager publicus Romanus, sollte jeder Staatsbürger 500 iugera bewirtschaften können, für einen Sohn kamen 250 iugera hinzu, für zwei Söhne 500 iugera, sodass man höchstens 1000 iugera, das sind 250 Hektar, Staatsland bewirtschaften konnte, denn mehr als zwei Söhne sollten nicht berücksichtigt werden. Falls jemand mehr Land okkupiert hatte, musste er den Überschuss herausgeben, damit es besitzlosen Römern in Einzelparzellen zur Verfügung gestellt werden konnte, aber nicht als Eigentum, sondern in Erbpacht gegen Zahlung eines geringen, symbolischen Pachtzinses; dieses Verfahren sollte verhindern, dass diesen neu geschaffenen Kleinbauern ihr Land, womöglich unter Druck, von Mächtigeren abgekauft wurde.
 
Wie kam es zu dieser Regelung? Mit der Ausdehnung Roms über Italien war den besiegten Kriegsgegnern ja mehr und mehr Land weggenommen worden und römisches Staatsland geworden. Dieses Land war zur Bestellung an römische Bürger freigegeben worden, man konnte es okkupieren; es hieß daher in dieser Eigenschaft auch ager occupatorius. Im Lauf der Zeit wurde der ager occupatorius immer mehr in Besitz genommen, in starkem Maße von Angehörigen des Senatorenstandes. Durch die lex Claudia von 218 v. Chr. waren sie ja geradezu genötigt worden, Großgrundbesitzer zu werden. Neben ihrem Privatland, das sie ohnehin schon hatten, bebauten sie nun zusätzlich dieses okkupierte Land, und daher schien es Tiberius Gracchus und seinen älteren Hintermännern zumutbar, dass das Recht, den ager publicus zu bebauen, begrenzt werden sollte.
 
Diese Absichten stießen aber auf Widerstand, der heftiger war, als sich die Reformer gedacht hatten. Er verlief zunächst in den üblichen Bahnen, indem vorgesehen war, einfach gegen den Gesetzesantrag interzedieren zu lassen; dann galt er rechtlich als nicht gestellt, und man musste weiter Politik betreiben, um zu irgendeinem Ergebnis zu kommen. Der Widerstand, der nur bei einem Teil des ordo senatorius bestand, ist zunächst nicht unverständlich. Erstens wollte man ungern etwas hergeben, was man schon lange hatte; zweitens waren durch die zum Teil sehr lange Nutzung des Staatslandes die Unterschiede zwischen Privat- und Staatsland verwischt, sodass bei einer umständlichen Neuaufnahme des Katasters möglicherweise auch auf Privatland übergegriffen würde; und drittens war römisches Staatsland nicht nur von römischen, sondern auch von bundesgenössischen Grundbesitzern okkupiert worden, und wenn in deren Besitzstand eingegriffen werden würde, hätte das Auswirkungen auf den italischen Zusammenhalt haben können, zumal von der Verteilung nur römische Bürger, keine Bundesgenossen profitieren sollten.
 
Raffgier allein war es daher nicht, als bei der Abstimmung über den Gesetzesantrag des Tiberius Gracchus interzediert wurde. Nun aber setzte eine Entwicklung ein, die im Rückblick als der erste Schritt zu einer Revolutionierung der römischen Politik gewertet werden muss. Tiberius Gracchus nahm diese Interzession nicht hin, sondern er ließ den interzedierenden Volkstribunen Octavius durch die Volksversammlung absetzen und einen Ersatzmann wählen. Der sprach dann kein Veto, sodass das Gesetz angenommen wurde. Tiberius argumentierte so: Ein Volkstribun hat, auch aufgrund der Entstehung und der Geschichte des Amtes, die Interessen des Volkes zu vertreten. Die Ackergesetzgebung liegt im Interesse des Volkes, und daher hat derjenige, der sich ihr widersetzt, dem Sinn des Amtes zuwidergehandelt und kann zugunsten eines neu zu bestellenden Volkstribunen abgesetzt werden.
 
Modernen Ohren klingt das plausibel, für römische war es skandalös. Ein römischer Magistrat war für ein Jahr gewählt und unabsetzbar, und insbesondere ein Volkstribun stand unter besonderem Schutz, er war sakrosankt und durfte auch aus religiösen Gründen nicht beeinträchtigt werden. Hinzu kam etwas Weiteres, der Verdacht nämlich, hier sollten griechisch-demokratische Verfahren eingeführt werden, denn die Absetzung eines Beamten während seiner Amtszeit durch die Volksversammlung war Demokratie reinsten Wassers, daher so unrömisch wie nur möglich; man fragte sich, ob dieses Vorgehen eine Vorstufe zur Tyrannis sein würde. Es kamen zwei weitere Brüskierungen des Senats hinzu. Tiberius Gracchus hatte den Gesetzesantrag ohne die übliche vorherige Zustimmung des Senats (auctoritas senatus) eingebracht, und er hatte in einer weiteren Bestimmung in die traditionelle außenpolitische Kompetenz des Senats eingegriffen. Er ließ durch die Volksversammlung das Testament des Königs Attalos III. von Pergamon annehmen; dadurch wurde der pergamenische Staatsschatz römisches Eigentum und konnte zur Finanzierung der Agrarreform eingesetzt werden.
 
Das Gesetz trat in Kraft. Die Dreimännerkommission, die die Landverteilung vornehmen sollte, fing an zu arbeiten. Sie bestand aus den beiden Brüdern Tiberius und Gaius Gracchus und aus Ap. Claudius Pulcher.
 
Weitere Verfassungsbrüche des Tiberius Sempronius Gracchus
 
Es blieb nicht bei dem einmaligen Verfassungsbruch der Absetzung des Octavius. Die Stimmung muss sehr angespannt gewesen sein, und Tiberius ging dazu über, die Befürchtung in Umlauf zu setzen, dass man ihm nach dem Leben trachte. Dagegen müsse er sich schützen, und deshalb umgab er sich mit einer Leibwache, und nicht nur mit ihr, sondern auch mit einer großen Menge von Gefolgsleuten. So begleitet, erschien er in der Öffentlichkeit, und für seine Gegner wurde der Fall immer klarer. Eine immer größer werdende Klientel musste ohnehin in einer Aristokratie die Befürchtung wecken, dass sich hier jemand über seine Standesgenossen erheben wolle, und die emotionale Bearbeitung der Volksversammlung sowie erst recht die Aufstellung einer Leibwache riefen reflexartig die Assoziation hervor, dass der angeblich Gefährdete die Tyrannis anstrebe; das Beispiel Peisistratos' dürfte nicht wenigen gebildeten Senatoren sofort eingefallen sein. Wir können heute nicht mehr genau Wirkung und Gegenwirkung erkennen; sicherlich dürften, wenn man an das Ergebnis denkt, die Befürchtungen des Tiberius auch nicht grundlos gewesen sein.
 
Das Ende ist anscheinend durch einen Plan des Tiberius herbeigeführt worden, der alle Mutmaßungen seiner Gegner zu bestätigen schien: Denn entgegen allen inneraristokratischen verfassungsmäßigen Sicherungen wollte er sich noch einmal zum Volkstribunen wählen lassen, und das auch noch gleich im Anschluss an seine erste Amtszeit. Auf dem Forum Romanum kam es zu Tumulten, im Senat wurde aufgeregt debattiert, Tiberius' Gönner, der Konsul P. Mucius Scaevola, distanzierte sich vorsichtig von ihm, und dann rief der Konsul von 138 v. Chr. und pontifex maximus, Publius Cornelius Scipio Nasica Serapio, wer den Staat retten wolle, solle ihm folgen; man stürmte aufs Forum, Tiberius Sempronius Gracchus und Hunderte seiner Anhänger wurden erschlagen und in den Tiber geworfen.
 
Es war ein Schock. Vor dreizehn Jahren erst hatte Rom um sich geschlagen und Karthago und Korinth vernichtet; jetzt mordete man sich auf dem Forum untereinander. Scipio Africanus der Jüngere, der noch in Spanien war, äußerte sich zwar abfällig über Tiberius und meinte, er sei zu Recht zu Tode gekommen, aber das römische öffentliche Bewusstsein war auch aufseiten der Gracchen.
 
Der Senatorenstand spaltet sich in zwei Lager
 
Die Gegner des Tiberius Gracchus schienen fest im Sattel zu sitzen. Von den Konsuln des nächsten Jahres 132 v. Chr. war der eine, Publius Rupilius, mit der endgültigen Niederwerfung der Sklaven auf Sizilien beschäftigt, der andere, Publius Popillius Laenas, verfolgte gnadenlos die verbliebenen Anhänger des Tiberius und verurteilte sie in Sonderkommissionen reihenweise zum Tode. Dies war die eine Seite von ihm, seine andere zeigt eine erhaltene Inschrift, in der er sich rühmt, vom ager publicus Hirtensklaven entfernt und Bauern angesiedelt zu haben — er hatte also genau das gracchische Programm durchgeführt. Daraus kann erstens auf eine auch später noch festzustellende Taktik geschlossen werden, dass inhaltlich Programmpunkte vom Senat übernommen wurden, wodurch den Reformern der Wind aus den Segeln genommen werden sollte, und zweitens darauf, dass das Inhaltliche, also die Verteilung des ager publicus, gar nicht der entscheidende Konfliktpunkt war, sondern die Art des Vorgehens. Dieses Vorgehen bestand in einem Übergehen des Senats und einer Aktivierung der Volksversammlung, und das widersprach nun in der Tat der ganzen bisher praktizierten römischen Verfassung.
 
Diese unterschiedliche Art, Politik zu betreiben, begann von jetzt an den Senatorenstand in zwei politische Richtungen aufzuspalten, deren Grenzen zwar fließend waren, die aber doch die Folgezeit bestimmen sollten. Die einen beanspruchten, im Interesse des Volkes zu handeln, und wurden deshalb später populares, die Popularen, genannt; die anderen hielten sich für die einzig guten Staatsbürger, ja, für die besten, optimi, und hießen deshalb später optimates, die Optimaten. Wohlgemerkt: Beide Gruppen gehörten dem Senatorenstand an, waren keine festen Organisationen und vertraten nur unterschiedliche politische Konzeptionen. Und abermals wohlgemerkt: Die Unterschiede in der Politik betrafen Inhaltliches zwar insofern, als die Popularen mehr als die Optimaten dem Volk materielle Wohltaten zukommen lassen wollten, der entscheidende Unterschied lag aber in der Art des Vorgehens, indem die Popularen mehr Angelegenheiten direkt durch die Volksversammlung entscheiden lassen wollten. Sie waren aber beileibe keine Demokraten; auch die Popularen behielten das Initiativrecht der Magistrate bei, auch sie veranstalteten keine Diskussionen in der Volksversammlung. Und vor allem: Auch aus dem Volk kam niemand auf die Idee einer Demokratisierung.
 
Die Reformen des Gaius Sempronius Gracchus
 
Die weitere Entwicklung hatte zunächst ein Doppelgesicht. Vielleicht schon 131 v. Chr. wurde die nochmalige Wahl zum Volkstribunen gestattet. 130 wurden nach dem Tod des Ap. Claudius Pulcher und des P. Licinius Crassus zwei neue Mitglieder der Ackerkommission bestellt, aber 129 wurde der Kommission die Befugnis entzogen, über die Eigentumsfragen von Grundstücken zu urteilen. Das geschah aufgrund von Protesten von wohlhabenden Angehörigen der Bundesgenossen bei Scipio dem Jüngeren, und dieses bundesgenössische Problem scheint auch beim Volk Eindruck gemacht zu haben, denn die Kompetenzbeschneidung geschah immerhin durch Volksbeschluss. Scipio starb im selben Jahr, und es gab Gerüchte, er sei ermordet worden.
 
Allmählich drehte sich aber wieder der Wind, und für das Jahr 125 wurde Marcus Fulvius Flaccus zum Konsul gewählt, ein Anhänger der Gracchen. Er wollte die verzwickte Bundesgenossenfrage dadurch lösen, dass er dafür plädierte, den Italikern das römische Bürgerrecht zu verleihen. Das hätte der Wegnahme von durch Wohlhabende okkupiertem Land die Schärfe genommen, aber Fulvius Flaccus hatte keinen Erfolg, er wurde abgeordnet, um Massilia gegen keltische Angriffe beizustehen. Bei den Bundesgenossen machte sich Unruhe breit — was die Optimaten befürchtet hatten —, und ein bewaffneter Aufstand der in Latium gelegenen Stadt Fregellae musste niedergeschlagen werden.
 
Gaius Gracchus, der Bruder des Tiberius, war die ganzen Jahre hindurch nicht nur Mitglied der Ackerkommission gewesen, er sorgte auch sonst dafür, dass die Erinnerung an seinen ermordeten Bruder dem römischen Volk präsent blieb, und wurde für 123 v. Chr. zum Volkstribunen gewählt. Sein politisches Programm war, die Politik weiterzuführen, an der sein Bruder in so ruchloser Weise gehindert worden war. Tiberius und er waren großartige Redner, ihre Reden sind später viel gelesen worden, und das Leitmotiv der Reden des Gaius war, Genugtuung für den Tod seines Bruders zu erlangen; nach der Ermordung John F. Kennedys 1963 wurde man bei den Reden seines Bruders Robert an dieses Vorbild erinnert.
 
Tiberius Gracchus hatte mit guten Absichten begonnen und war von der Entwicklung überrollt worden. Gaius hatte daraus gelernt und sich ein Konzept erarbeitet, das zwar das Werk seines Bruders fortsetzen, aber auch die allgemeinpolitischen Voraussetzungen für sein Gelingen schaffen sollte; vielleicht hatte er sogar darüber hinausgehende Reformvorstellungen, die sich auf den Staat als Ganzes bezogen. Der Rache, ein Beweggrund, der in der Antike gesellschaftsfähiger war als heute, und gleichzeitig der Vorbeugung diente die lex Sempronia de provocatione. Durch dieses Gesetz wurden die Sonderverfahren gegen die Anhänger des Tiberius Gracchus für illegal erklärt und die daran Beteiligten mit Strafe bedroht, sodass der Konsular P. Popillius Laenas vorsichtshalber ins Exil ging; es wurde aber auch für die Zukunft bestimmt, dass bei jedem Todesurteil über einen römischen Bürger die Berufung (provocatio) an das Volk gegeben sei. Dem Senatorenstand versetzte Gaius dadurch einen schweren Schlag, dass er erreichte, dass die Gerichte in Repetundenverfahren, also in Prozessen gegen römische Amtspersonen, die ihr Amt zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt hatten, nicht mehr von Senatoren, sondern von Rittern besetzt wurden. Damit wurden zwar die senatorischen Statthalter insofern besser kontrolliert, als sie nun nicht mehr von Standesgenossen abgeurteilt wurden, gleichzeitig wurde damit aber ein Bock zum Gärtner gemacht, denn die mächtigsten Angehörigen des Ritterstandes waren die großen Steuerpächter, die ihrerseits die Provinzialen aussaugten und der Aufsicht der Statthalter unterstanden.
 
Eine volksfreundliche Maßnahme war zum einen ein Getreidegesetz, das für die stadtrömische Masse staatlich subventioniertes Getreide zur Verfügung stellte, zum anderen war es die Neuauflage des Ackergesetzes des Tiberius Gracchus. Gaius hatte aber auch gesehen, dass das in Italien zur Verfügung stehende Land doch nicht ausreichte, um alle Ansprüche zu befriedigen. Daher brachte er ein weiteres Gesetz durch, das die Neuanlage von Kolonien vorsah, und nun auch auf außeritalischem Boden, in Karthago. Damit begann sein Scheitern. Inzwischen — Gaius war zum zweiten Mal zum Volkstribunen gewählt worden — hatte der Senatorenstand in seiner optimatischen Mehrheit zu einer bewährten Gegentaktik gefunden. Mit Gaius war auch Marcus Livius Drusus zum Volkstribunen gewählt worden, und er begann, Gaius mit demagogischen Anträgen das Wasser abzugraben. Nicht nur schlug er zwölf neue Kolonien auf einen Schlag vor, sondern er machte auch Stimmung gegen die ungewohnte neue Kolonie Iunonia in Übersee, die dort, wo Karthago gestanden hatte, entstehen sollte: Abgesehen von dieser neuen und vielleicht unheimlichen Dimension, übers Meer gehen zu müssen, kam hinzu, dass in Iunonia die Grenzsteine von Wölfen herausgerissen worden waren, und das war kein Wunder, denn Karthago war ja ein verfluchter Ort. Und ausgerechnet dahin wollte Gaius römische Bürger schicken!
 
Ein weiterer politischer Missgriff bewirkte das Ende von Gaius' Karriere. Er wollte jetzt mit dem Bürgerrecht für die Italiker Ernst machen. Der Antrag, durchaus abgestuft formuliert, kam aber gar nicht erst zur Abstimmung, sondern Livius Drusus interzedierte, und diesmal wurde der antigracchanische Tribun nicht abgesetzt. Ein Versuch wäre wohl auch vergeblich gewesen, denn offenbar hatte Gaius Gracchus seinen Rückhalt beim Volk verloren. Dass er das Bürgerrecht allen Italikern zukommen lassen wollte, scheint ihm die Sympathien der Bürgerrechtsinhaber verscherzt zu haben, die es nicht mit anderen teilen wollten. Das Jahr 121 v. Chr., für das Gaius nicht wieder gewählt worden war, brachte eine weitere Katastrophe. Die Anlage der Kolonie in Karthago wurde als Projekt gestrichen, Gaius Gracchus protestierte dagegen, es kam zu Unruhen, und der neue Konsul Lucius Opimius zögerte nicht, Waffengewalt dagegen einzusetzen.
 
Der Senat hatte nämlich die Konsuln ermächtigt, alles ihnen erforderlich Erscheinende zu tun, um Schaden vom Staat abzuwenden. Zwölf Jahre vorher war Scipio Nasica noch in höchster Erregung losgestürmt, jetzt hatte sich so etwas wie ein geregeltes Notstandsverfahren herausgebildet, indem der Senat in einem förmlichen Beschluss die Konsuln zu summarischem Handeln ermächtigte, also den »äußersten Senatsbeschluss« fasste, das senatus consultum ultimum. Gracchus und seine Leute hatten sich auf dem Aventin verschanzt, die Ritter, von denen Gracchus doch erhofft hatte, sie in Gegnerschaft zum Senat setzen zu können, stellten sich auf dessen Seite, die Soldaten des Senats schlugen die Aufständischen nieder, Gaius Gracchus ließ sich von einem Sklaven den Tod geben.
 
Wieder hatte die Senatsmehrheit oder hatten die Optimaten mit Gewalt den Sieg davongetragen, diesmal gegen einen Gegner, der angesichts seines politischen Scheiterns wohl als Erster Zuflucht bei der Gewalt gesucht hatte. Trotzdem ist auch sein Untergang immer als tragisch angesehen worden, und er war es, der bald zu den großen Gestalten der römischen Geschichte zählte und nicht diejenigen, die ihn besiegt hatten; Plutarch hat die Biographien der Gracchen neben die der ebenfalls nicht ohne eigenes Zutun gescheiterten spartanischen Reformkönige Agis IV. und Kleomenes III. gestellt.
 
 Marius und die Heeresreform
 
Vorerst war die innere Ruhe wieder hergestellt; L. Opimius, der Konsul von 121 v. Chr., ließ unterhalb des Kapitolshügels den Tempel der Concordia, der Eintracht, erneuern als Symbol des anscheinend wieder hergestellten gesellschaftlichen Konsenses. Aber unterschwellig sammelte sich wieder der alte Konfliktstoff an, der diesmal durch äußere Anstöße an die Oberfläche kam. Wie sehr die Landversorgung immer noch ein Problem war, zeigt sich darin, dass nach der Gründung der Provinz Gallia Narbonensis 121 v. Chr. im Jahre 118 v. Chr. im Hauptort Narbo Martius, heute Narbonne, eine Kolonie angelegt wurde, anscheinend noch von einem Mitglied der Ackerkommission, und zwar von Lucius Licinius Crassus. Das ist das letzte Mal, dass wir von dieser Kommission hören, womöglich ist sie aufgelöst worden. Im Jahr 111 ist dann der gesamten gracchischen Ansiedlungspolitik dadurch der Todesstoß versetzt worden, dass das okkupierte Land jetzt in Volleigentum überführt wurde; damit war es verkäuflich, und damit konnte der Prozess der Bodenkonzentration wieder beginnen. Aber um dieselbe Zeit zeigten sich Anzeichen einer Wiederaufnahme der alten Konflikte, und diese Anzeichen traten vorerst in Randgebieten des Imperiums auf. 113 wurde der Konsul Gnaeus Papirius Carbo von den Germanen im Alpengebiet geschlagen, 109 musste ein weiterer Konsul, nun schon in Gallien, ebenfalls eine schwere Niederlage hinnehmen. Das waren verhältnismäßig weit entfernte Ereignisse; in Rom sehr viel spürbarer war das, was sich ab 118 in Nordafrika abspielte.
 
Im vorigen Kapitel wurden die äußeren Aspekte des Jugurthinischen Krieges betrachtet; an dieser Stelle soll deutlicher hervorgehoben werden, wie sehr er mit der römischen Innenpolitik verschränkt war. 118 war der Thronfolgefall in Numidien gegeben, 117 oder 116 bekam der Prätendent Jugurtha bei einer Teilung das bessere Stück, und der Vorsitzende der Teilungskommission, L. Opimius, wurde wegen Bestechlichkeit angeklagt — eben jener bereits oben genannte Opimius, der Gaius Gracchus vernichtet hatte. Als Rom dann nach zahlreichen Provokationen Jugurthas nicht mehr anders konnte und ihm 111 den Krieg erklärte, ließen sich der Konsul Lucius Calpurnius Bestia und sein Legat Marcus Aemilius Scaurus abermals von Jugurtha bestechen und ließen es erst gar nicht zu wirklichen Kampfhandlungen kommen. Ihre Nachfolger versagten derart, dass auch hier der Verdacht der bewussten Unfähigkeit nahe liegt, und erst der Konsul von 109, Quintus Caecilius Metellus, war so altväterisch-anständig, dass er sich für solche Durchstechereien zu gut war und den Krieg endlich mit Energie und Erfolg wieder aufnahm.
 
Das Ausmaß der inneren Verrottung der Sieger von 121 v. Chr. war so groß, dass sich ein Außenseiter Chancen ausrechnete, und das mit Erfolg. Der Ritter und Steuerpächter Gaius Marius aus der Landstadt Arpinum in Latium war mit Scipio dem Jüngeren vor Numantia gewesen, er wurde 119 Volkstribun und brachte in diesem Amt ein die geheime Abstimmung weiter förderndes Gesetz durch, 115 war er Prätor, und jetzt diente er unter Metellus in Afrika gegen Jugurtha. 107 bekam Marius das Kommando in Afrika, und 105 war der Jugurthinische Krieg zu Ende. Inzwischen waren die Germanen näher gerückt, im selben Jahr 105 schlugen sie den Konsul von 106, Quintus Servilius Caepio, und den von 105, Gnaeus Mallius Maximus, vernichtend bei Arausio. Der Grund für die Niederlage wurde im Hochmut des Caepio gegenüber dem homo novus Mallius gesehen, und, damit nicht genug, Caepio wurde dafür verantwortlich gemacht, dass ein in Tolosa (Toulouse) erbeuteter Goldschatz, das Aurum Tolosanum, auf dem Weg nach Massilia unter ungeklärten Umständen verschwunden war. Ihm wurde 104 deshalb der Prozess gemacht, und 103 ging er ins Exil. Es ist daher wahrlich kein Wunder, dass Marius für 104 abermals zum Konsul gewählt wurde, gerade weil er nichts mit dem alten Klüngel zu tun hatte und weil man nur ihm zutraute, die Germanen wirklich und effektiv abwehren zu können; wir wissen, dass ihm das gelungen ist.
 
Die Heeresreform
 
Im Jahr 100 v. Chr. endete die Serie von Marius' Dauerkonsulaten. Das aber tat sie auf eine tief deprimierende Art, und das hängt mit dem Vorgang zusammen, den man üblicherweise die Heeresreform des Marius nennt. Sie hat zwei Aspekte, einen militärischen und einen politischen. Der militärische besteht darin, dass Marius die Kampfesweise des römischen Bürgerheeres neu organisierte. Er gliederte das Heer wieder in größere, feste Verbände unterhalb der Legionseinheit, in die Kohorten. Mit der neuen Kohortengliederung hing auch eine Änderung der römischen Feldzeichen (signa) zusammen. Bisher hatte eine Legion fünf Erkennungszeichen, nämlich Adler, Wolf, Minotaurus, Pferd und Eber. Marius führte einheitlich den Adler ein, der von nun an das Symbol für das römische Heer par excellence war.
 
Diesen Änderungen lagen gut durchdachte Überlegungen im Rahmen eines Konzepts zur Steigerung der Effektivität zugrunde, sodass hier von Reform gesprochen werden kann. Anders ist es mit dem politischen Aspekt der Änderungen, die Marius einführte. Bis dahin galt immer noch die Regelung, dass Soldat nur der wurde, der hinreichend Vermögen hatte, um sich selbst ausrüsten zu können. Zwar wurden die Anforderungen im Lauf der Zeit gesenkt, auch kam es vor, dass im Notfall Nichtbesitzende rekrutiert wurden, aber dass das alte Prinzip weiterbestand und sich strukturell auswirkte, zeigen die Pläne des Tiberius Gracchus. Marius machte es anders. Er stellte einfach nicht Besitzende ein, capite censi, also Leute, bei denen im Zensus mangels sonstigen Vermögens nur ihre Existenz, ihr caput, veranschlagt wurde. Da gab es keine Reformpläne, keine Abstimmungen und Gesetze, sondern der Feldherr nahm, wohl kraft seines imperium, einfach Freiwillige in das Heer auf, die der Staat ausrüsten musste, und damit fertig. Das war einfach, das war effektiv, aber es hatte politische Folgen.
 
Alle Beteiligten, Feldherr und Soldaten, die wegen ihrer zu tragenden Lasten mit dem Spitznamen muli (Maulesel) bezeichnet wurden, dachten in den Kategorien der Klientel. Marius war der Patron, die Soldaten die Klienten. Sie stellten sich zur Verfügung, sie kämpften für ihren General, sie bildeten seine Gefolgschaft, zwischen ihnen und ihm entwickelte sich, auch durch die Kriege und Siege, ein festes emotionales Band — und er hatte für sie zu sorgen. Wodurch? Die Soldaten waren besitzlose ehemalige Bauern und wollten nach ihrer Dienstzeit wieder einen Hof haben und das Land bestellen. Marius sollte sie also versorgen, und er wollte das auch. Weil aber der Senat solchen Aktionen misstrauisch gegenüberstand, gab es dafür nur einen Weg, und das war der über die Volksversammlung, die den Veteranen Land zuweisen sollte. Dafür brauchte Marius Verbündete, und er fand sie in den Popularen. Im Jahre 103 war Lucius Appuleius Saturninus Volkstribun, und ganz im popularen Sinne versuchte er, die Versorgung mit noch billigerem Getreide durchzusetzen; auch erwirkte er ein Gesetz, die lex de maiestate populi Romani, mit dem gegen Feinde der Popularen vorgegangen werden sollte, was aber nicht recht zum Zuge kam. Ein runder Erfolg aber war die Veteranenversorgung im Interesse der soldatischen Klientel des Marius. Jeder entlassene Soldat erhielt 100 iugera Land, und weil in Italien der Boden zu knapp war, wurden sie in Afrika — natürlich nicht in Karthago — zur Verfügung gestellt. Die so gegründeten Kolonien hießen coloniae Marianae.
 
Falls Marius gedacht hatte, in Saturninus einen selbstlosen Menschenfreund gewonnen zu haben, dann verkannte er die Dynamik der damaligen popularen Politik. Zwar erwies Saturninus sich während seines Tribunats zunächst wieder als effizienter Helfer, zusammen mit seinem politischen Kampfgefährten, dem Prätor Gaius Servilius Glaucia. Denn jetzt wurden in großem Stil Kolonien für die Veteranen der Germanenkriege außerhalb Italiens beschlossen, in Gallien, Sizilien, Makedonien und Griechenland. Das politische Klima war aber inzwischen härter geworden, und Saturninus glaubte nicht, dass der Beschluss für sich allein ausreichen würde, um verwirklicht werden zu können. Er zwang daher jeden einzelnen Senator, sich eidlich zur Einhaltung des Gesetzes zu verpflichten; und so viel Hochachtung es einflößt, dass ein Senator, der hochmütige Metellus Numidicus, diese Unterwerfung verweigerte, so bedenklich stimmt es, dass er der Einzige war.
 
Es kam weitaus schlimmer. Glaucia wollte gleich im Anschluss an seine Prätur Konsul werden, und wenn die lange Konsulatsreihe des Marius mit der äußeren Notsituation gerechtfertigt werden konnte, so fehlte für Glaucias Absichten jede Rechtfertigung. Hinzu kam, dass Saturninus und Glaucia dessen Mitbewerber Gaius Memmius, der größere Aussichten hatte, ermorden ließen. Das nun erwies sich aber, wie man heute sagt, als kontraproduktiv. Es brachen wegen dieser Mordtat Unruhen aus, die Anhänger Glaucias und des Saturninus bewaffneten sich, und schließlich erließ der Senat das senatus consultum ultimum. Er beauftragte also die Konsuln, die Ordnung wieder herzustellen, und einer der beiden Konsuln war Marius. Marius handelte, wie der Senat es wollte. Er rief das Volk gegen seine eigenen politischen Verbündeten zu den Waffen, die Aufrührer zogen sich auf das Kapitol zurück, wurden belagert, kapitulierten und wurden dann, gegen den Willen des Marius, erschlagen. Gegen ihre Anhänger wurden anschließend ordentliche Strafverfahren abgehalten. Marius aber hatte sich politisch unmöglich gemacht und zog sich für eine Weile zurück. Die Probleme blieben.
 
 Sulla: Die Wiederherstellung der Republik
 
Nach diesen Turbulenzen trat erst einmal wieder für einige Jahre Ruhe ein, die den Auflösungsprozess des römischen Staats- und Gesellschaftsgefüges unterbrach. Das Regiment der Optimaten schien sich zu stabilisieren. Erst im Jahre 92 v. Chr. gab es ein glattes Fehlurteil gegen einen Senator, das als Rachejustiz der mit Rittern besetzten Repetundengerichte gewertet werden muss. Ein Volkstribun des darauf folgenden Jahres 91 wollte daher die Gerichtshöfe wieder ausschließlich mit Senatoren besetzen lassen. Er hieß Marcus Livius Drusus und war der Sohn des Volkstribunen, der seinerzeit das politische Konzept des Gaius Gracchus zum Scheitern gebracht hatte. Auch der Sohn sollte wie sein Vater seine politische Laufbahn als verlängerter Arm der optimatischen Senatsmehrheit beginnen und die letzten Reste popularer Veränderungen beseitigen, aber anscheinend verließ er, wie Tiberius Gracchus, seine bisher eingeschlagene politische Linie, um eine eigenständige, sich radikalisierende Politik zu betreiben. Schon das Problem der Richter wollte Livius Drusus nicht durch ein simples Rückgängigmachen der gracchischen Regelung lösen, indem er die in Repetundenverfahren eingesetzten Ritter einfach wieder durch Senatoren austauschte, sondern er wollte den Senat um 300 Ritter erweitern, diese also in den Senatorenstand aufnehmen, und aus diesem Reservoir von nun insgesamt 600 Senatsmitgliedern sollten dann die Richter genommen werden.
 
Livius Drusus hatte weitere Maßnahmen im Sinn; dazu gehörten ein Ackergesetz, Koloniegründungen, eine weitere Herabsetzung des Getreidepreises und die Absicht, den Bundesgenossen das römische Bürgerrecht zu verleihen; offenbar war das Bundesgenossenproblem jetzt das brennendste geworden.
 
Der Widerstand in Rom gegen die Bürgerrechtsverleihung war nach wie vor sehr groß; umso dringender und drängender war anscheinend bei den Bundesgenossen der Wunsch, nun endlich gleichberechtigt zu werden. Aber bevor die Auseinandersetzungen zu einem Abschluss gekommen waren, wurde Livius Drusus plötzlich ermordet. Niemand wusste genau, warum, aber auf bundesgenössischer Seite war man davon überzeugt, der Mord sei aus Gegnerschaft zu seinen Plänen der Bürgerrechtsverleihung geschehen. Daraufhin taten die Bundesgenossen etwas, das uns heute anachronistisch und donquichottehaft anmutet, sie erklärten Rom den Krieg. Aber es war ein wirklicher Krieg, der mit großer Erbitterung geführt wurde und von dem keineswegs klar war, ob er mit einem Sieg Roms enden würde.
 
Der Bundesgenossenkrieg (91—89 v. Chr.)
 
Wir hatten schon früher gesehen, dass die Expansion Roms über das Mittelmeergebiet den Unterschied zwischen römischen Bürgern und italischen Bundesgenossen verwischt hatte, sowohl intern als auch in der Außenwahrnehmung. Das Heer, das Roms Herrschaft begründet hatte, bestand aus Soldaten mit und ohne römisches Bürgerrecht. Trotzdem wurden die Italiker ohne römisches Bürgerrecht im Heer deutlich schlechter behandelt; sie bekamen zum Beispiel noch die Prügelstrafe, die für römische Bürger abgeschafft war, und auch bei der Beuteverteilung waren sie schlechter gestellt. Kein Wunder, dass das jeweils eigene Bürgerrecht kein Gut mehr war, sondern nur noch als Zurücksetzung empfunden wurde: Faktisch waren die Italiker ohne römisches Bürgerrecht Römer zweiter Klasse. Der Krieg begann mit der Ermordung sämtlicher römischer Bürger in Asculum in der Landschaft Picenum, heute Ascoli Piceno. Etrurien, Umbrien und die Griechen hielten zu Rom, ebenso die jetzt wieder von Feindesland umgebenen latinischen Kolonien.
 
Nicht ohne ein Empfinden von Tragik sieht man, wie sich die Italiker organisierten. Es wurde eine Parallelhauptstadt zu Rom erfunden, nämlich Corfinium (Corfinio), das in Italia umgetauft wurde und ein Forum wie Rom erhielt. Es gab einen Senat von 500 Mitgliedern, es gab zwei Oberbeamte und zwölf Prätoren. Der Oberbeamte hieß oskisch meddix tuticus, die Amtssprachen waren Oskisch und — Lateinisch.
 
Der Konsul des Jahres 90, Lucius Iulius Caesar, kämpfte im Süden gegen die Samniten, der andere Konsul, Publius Rutilius Lupus, war gegen die Marser gefallen, an seiner Stelle wurde der alte Gaius Marius mit dem Kommando betraut, und ihn unterstützte, fast wie in alten Zeiten in Afrika, Lucius Cornelius Sulla, der 93 v. Chr. Prätor gewesen war. Unter Rutilius hatte auch der in Picenum beheimatete Gnaeus Pompeius gekämpft, der eines Augenfehlers wegen den Beinamen Strabo, der Schielende, bekommen hatte; er focht auch nach dessen Tod weiter, belagerte Asculum und eroberte es im folgenden Jahr wieder zurück, nun als Konsul. Marius war für dieses Jahr 89 v. Chr. das Kommando nicht verlängert worden; wohl aber kämpfte mit besonderer, bis zum Hass gesteigerter Energie sein alter Feind Sulla so erfolgreich, dass er für das Jahr 88 zum Konsul gewählt wurde.
 
Der Bundesgenossenkrieg ging allmählich zu Ende, seine Beendigung erfolgte aber nicht durch einen militärischen Sieg, sondern dadurch, dass den Bundesgenossen in Etappen das römische Bürgerrecht verliehen wurde, und man könnte etwas locker ausgedrückt sagen, dass die Römer dieses Ergebnis auch einfacher hätten haben können. Nur die Marser und vor allem die Samniten kämpften verbissen weiter, zum Teil noch jahrelang.
 
 
Faktisch war der Bundesgenossenkrieg ein Bürgerkrieg, und nachdem die letzten Schlachten ausgefochten worden waren, verlagerten sich Hass und Blutdurst weiter in die römische Altbürgerschaft. Der Anlass dafür waren die Modalitäten, unter denen die Neubürger in die tribus eingeschrieben werden sollten. Die Optimaten waren so kleingeistig, dass sie sie nur in acht der 35 tribus aufnehmen wollten, damit die zahlreichen Neubürger die Stimmverhältnisse möglichst wenig verändern konnten. Das verhinderte aber ein popular gesinnter Volkstribun des Jahres 88 v. Chr., Publius Sulpicius Rufus, der ein Gesetz durchsetzte, das alle Neubürger auf alle tribus gleichmäßig verteilte. Explosiv wurde diese Frage dadurch, dass sich der wegen seines Kommandoentzugs grollende Marius mit Sulpicius verbündete und dass beide die populare Politik gegen die Optimaten wieder aufnehmen wollten. Hinzu kamen persönliche Abneigungen, die in einer so auf Personen abgestellten Staatsform, wie es die aristokratische Römische Republik war, hochpolitische Bedeutung bekommen konnten. Marius war der von unten kommende Soldat, der Rom vor Jugurtha und den Germanen gerettet hatte, politisch hilflos, von der alten Aristokratie verachtet, nur notdürftig gelitten und umso intensiver abgelehnt, als man genau wusste, was man ihm des eigenen Versagens wegen zu verdanken hatte.
 
Sulla dagegen war ein Mann aus uralter patrizischer Familie, die bisher aber kaum hervorgetreten war. Er hatte mit blonden Haaren, scharfen blauen Augen und einem sehr hellen, teilweise rötlich verfärbten Teint ein auffallendes Äußeres, und er muss eine starke persönliche Ausstrahlungskraft gehabt haben — auf das andere Geschlecht, aber auch auf seine Anhängerschaft, insbesondere auf seine Soldaten. Sein Charakter war ambivalent. Einerseits hatte er die große Nonchalance eines Mannes, der seiner gesellschaftlichen und persönlichen Position und Wirkung vollkommen sicher ist — das muss einen angestrengten Aufsteiger wie Marius wohl zur Weißglut gebracht haben —, andererseits war Sulla seinerseits zu großen Hassgefühlen, furchtbarer Grausamkeit und starker Verbissenheit fähig, mit denen er gefährliche Situationen frontal anging und sie mit unglaublicher Kühnheit ausfocht, die alles auf eine Karte setzt und der es gleichgültig zu sein scheint, ob man siegt oder untergeht. Sulla siegte immer und meinte daher, die Göttin Fortuna stehe auf seiner Seite; deshalb legte er sich den zweiten Beinamen Felix zu, »der Glückliche«.
 
Politisch war er Optimat, und zwar einer der unerbittlichsten — freilich auch einer der klügsten, was sich noch zeigen wird. Als er sich schon beim Heer vor Nola in Kampanien befand, um gegen König Mithridates zu marschieren, bekam er die Nachricht, dass die Volksversammlung auf Antrag des Sulpicius ihm das Kommando genommen und es auf Marius übertragen hatte. Seine Offiziere wollten sich dem Volksbeschluss fügen, aber seine Soldaten gewann Sulla mit seinem Charisma dafür, auf dem Absatz kehrt zu machen und auf Rom zu marschieren. Auf Rom zu marschieren! — Das gab es noch nie: Der Konsul Sulla führt ein römisches Bürgerheer auf die Stadt, um seine innenpolitischen Feinde militärisch niederzuwerfen!
 
Seine Truppen besetzten Rom, und nachdem Sulpicius anscheinend schon mit Straßenkämpfen begonnen hatte, ließ Sulla zwölf seiner Gegner zu Staatsfeinden (hostes publici) erklären, darunter Marius, dessen gleichnamigen Sohn und Sulpicius. Einen Staatsfeind durfte man töten: Marius floh nach Afrika zu den Veteranen der coloniae Marianae, Sulpicius wurde ermordet. Nicht nur Gewalt übte Sulla aus, er begann auch Ansätze zu einer optimatischen Reform des Staates zu verwirklichen, und er ließ den für 87 v. Chr. gewählten Konsul Lucius Cornelius Cinna, einen Vertreter der Popularen, schwören, gegen seine Maßnahmen während seiner Abwesenheit nichts zu unternehmen, denn Sulla hatte durchaus vor, den Krieg gegen Mithridates VI. fortzuführen. Das war ein fast noch kühnerer Entschluss als sein Marsch auf Rom. Er kümmerte sich, arrogant, wie er war, nicht darum, was in Rom weiter vorging, sondern ging zum Heer und machte sich auf den Weg in den Osten.
 
Sulla und Gnaeus Pompeius kämpfen gemeinsam gegen die Popularen
 
Und natürlich: Kaum hatte Sulla Rom verlassen, versuchte Cinna, Sullas Maßnahmen wieder rückgängig zu machen. Es gab Straßenkämpfe, in denen zunächst der Mitkonsul Gnaeus Octavius siegte, sodass Cinna Rom verließ, abgesetzt wurde und ein Nachfolger gewählt werden musste. Inzwischen aber war Marius racheschnaubend in Italien gelandet, mit einem Heer, in dem sich Sklaven und Samniten befanden. Er belagerte und eroberte Rom, Cinna wurde wieder eingesetzt, und es wurde doppelt und dreifach Vergeltung geübt. Jetzt kandidierte Marius zum Konsulat; er wurde auch gewählt und trat nun tatsächlich am 1. Januar 86 v. Chr. sein siebentes Konsulat an, das ihm geweissagt worden war, um alsbald endlich seinerseits gegen Mithridates zu ziehen, starb aber schon am 13. Januar. Während der nicht nur amtlose, sondern sogar zum Feind erklärte Sulla Athen eroberte, den Reichsfeind Mithridates besiegte und mit ihm einen Friedensvertrag schloss, regierte in Rom Cinna, Jahr um Jahr Konsul mit wechselnden Kollegen. Was genau in Rom zu dieser Zeit geschah, ist nicht hinreichend bekannt; man hat den Eindruck, dass Cinna, über den man auch als Person merkwürdig wenig weiß, vor allem mit Machterhalt beschäftigt war.
 
Sulla kam wieder. Cinna zog ihm entgegen, wurde aber 84 v. Chr. von Meuterern erschlagen. Ein erprobter Optimat kam mit seiner Klientel, Quintus Caecilius Metellus, der Sohn des früheren Vorgesetzten des Marius; als sein Vater wegen der Verweigerung des Eides für Saturninus ins Exil gegangen war, hatte er sich erfolgreich für seine Rückkehr eingesetzt und daher den ehrenvollen Beinamen Pius, »der Vatertreue«, erhalten.
 
Es erschien auch ein 23-jähriger amtloser junger Mann mit drei kampfstarken Legionen. Sulla verjagte ihn keineswegs wegen dieser unglaublichen Anmaßung, sondern nahm dankbar die beträchtliche Verstärkung seiner Truppen in Empfang, ja, er begrüßte diesen Jüngling sogar mit dem Ehrentitel imperator, der sonst nur alterprobten Feldherren nach einem Sieg über auswärtige Feinde zukam. Dieser junge Mann war der Sohn des Konsuls von 89 v. Chr., des Cn. Pompeius Strabo, und auch er hieß Gnaeus Pompeius, einen Beinamen hatte er noch nicht. Die Veteranen des inzwischen gestorbenen Vaters waren in der Landschaft Picenum angesiedelt worden, hatten sich einige Jahre auf ihren neuen Bauernstellen eingerichtet, aber als der junge Sohn ihres Patrons eines Tages erklärte, er brauche sie, um mit Sulla gegen die Popularen zu kämpfen, ließen sie, seine Klienten, alles stehen und liegen und folgten ihm.
 
Ein Spaziergang war der Krieg jedoch nicht. Es dauerte anderthalb Jahre, bis Sulla in Rom einziehen konnte; Pompeius eroberte für ihn Sizilien und Afrika, er selber musste in Italien unter anderem erst Gaius Marius, den Sohn des siebenfachen Konsuls, besiegen und schließlich am 1. November 82 v. Chr. am Collinischen Tor in Rom den letzten Haufen der Gegner. Es waren samnitische Erzfeinde — so lange hatte dann sogar noch der Bundesgenossenkrieg gedauert. Dann kam die Rache, die alles Bisherige an Grausamkeit in den Schatten stellte. Zuerst wurde regellos gemordet, dann erfolgte ein Schritt in Richtung auf eine, man mag es kaum sagen, Art von Rechtssicherheit. Es gab eine lex Cornelia de proscriptione, die bestimmte, dass diejenigen, die zu strafloser und ertragreicher Tötung bis zum 1. Juni 81 v. Chr. freigegeben waren, auf öffentlich ausgehängte Listen, Proskriptionslisten, geschrieben werden sollten; und obwohl die Absicht dabei die war, den nicht darauf Verzeichneten ein Gefühl von Sicherheit zu geben, gab es doch willkürliche Nachträge.
 
Insgesamt wurden 40 Senatoren und 1600 Ritter, insgesamt 4700 Bürger proskribiert, und den Söhnen und Enkeln der Proskribierten wurde die politische Laufbahn verboten. Vornehmlich in der Sklavenschaft der Proskribierten unternahm Sulla große Freilassungsaktionen, 10000 sollen es gewesen sein; die Freigelassenen erhielten alle den Namen Cornelius, und diese Cornelii waren als Sullas Klienten neben den Soldaten sein persönliches Machtreservoir.
 
Das war die eine Seite Sullas. Die andere war die, dass er, nachdem er seinen Rachedurst gestillt hatte, daran ging, den Staat wieder aufzubauen und neu zu ordnen. Nichts Besonderes war, dass er natürlich seine Veteranen — nicht weniger als 120000 sollen es gewesen sein — in Kolonien ansiedelte, in unsicheren Gebieten wie Samnium und Etrurien, aber auch in Kampanien; auf diese Weise ist das oskische Pompeji römisch geworden. Aber ganz neue Wege beschritt er bei der Staatsreform.
 
Sulla und die Neubegründung des römischen Staates
 
Sulla erinnerte sich daran, dass es in lange zurückliegenden Zeiten das legale Notstandsamt des Diktators gegeben hatte, und in Abwandlung dieser Verfassungsinstitution ließ er sich zum dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae wählen, also zum Diktator, der Gesetze geben und den Staat begründen sollte; an eine Frist war dieses Amt nicht gebunden. Und Sulla gab wirklich Gesetze und begründete den Staat wirklich neu.
 
Aus seinen Maßnahmen können wir erkennen, welche Krankheitsdiagnose er dem römischen Staat stellte. Gesellschaftlich sah er, wie der jüngere Livius Drusus, ein, dass der Senatorenstand auf eine breitere Basis gestellt werden und das Verhältnis zum Ritterstand neu gefasst werden musste. Dieser war durch die Proskriptionen stark geschwächt, wurde aber insofern aufgewertet, als aus ihm (und aus Teilen der Zenturionenschaft, also der Subalternoffiziere) 300 neue Senatoren bestellt wurden, seltsamerweise durch Volkswahl. Dem gesellschaftlichen Bereich ist auch zuzuordnen, dass Sulla die Aufnahme der Bundesgenossen ins römische Bürgerrecht beibehielt, auch ihre Verteilung auf alle tribus. Er schaffte aber die Getreidespenden ab.
 
Im Volkstribunat erkannte er die Institution, die am meisten zum Zerfall des Staates beigetragen hatte, und deshalb nahm er ihm erhebliche Befugnisse. Das Interzessionsrecht behielt er wohl bei, aber er nahm den Volkstribunen das Recht, eigenständig Gesetzesanträge einzubringen. Dass vorher der Senat befragt, also die auctoritas patrum eingeholt werden sollte, war bis 133 v. Chr. üblich gewesen, jetzt wurde es gesetzlich vorgeschrieben. Völlig bedeutungslos aber sollte das Volkstribunat durch eine indirekte Maßnahme werden. Für einen jungen Römer war bisher dieses Amt das Sprungbrett für eine politische Laufbahn gewesen; es war die erste Stufe, die genommen werden musste, und verleitete leicht dazu, allzu sehr über die Stränge zu schlagen. Sulla bestimmte daher, dass ein ehemaliger Volkstribun von allen weiteren staatlichen Ämtern ausgeschlossen werden sollte; damit war dieses Amt, so dachte Sulla, für keinen ernst zu nehmenden und tüchtigen Politiker, sondern nur noch für harmlose Menschenfreunde erstrebenswert.
 
Die Senatoren wurden weiterhin dadurch gestärkt, dass sie wieder allein die Strafrichterbänke besetzen sollten, wenngleich ihr Stand jetzt durch Ritter aufgefüllt worden war, aber diese waren eben keine Ritter mehr. Verstärkt wurde diese Position dadurch, dass Sulla die ständigen Gerichtshöfe erheblich vermehrte. 149 v. Chr. waren diese quaestiones perpetuae für die Repetundenverfahren eingerichtet worden, seit Sulla gab es weitere für zahlreiche schwere Delikte, darunter für bestimmte Mordfälle, für Wahlbestechung und für Unterschlagung im Amt. Diesen Gerichtshöfen saßen jetzt acht Prätoren vor, Quästoren gab es nun 20.
 
Überhaupt wurden Funktion und Zuständigkeit der Magistrate grundlegend neu geregelt, und man würde gerne Sullas Gesicht gesehen haben, als er gesamtstaatliche Konsequenzen aus einem Sachverhalt zog, der durch sein eigenes Verhalten seinen Tiefpunkt gefunden hatte. Das war die Militarisierung der politischen Ämter, die sich im Bürgerkrieg ausdrückte. Sulla verfügte, dass das Konsul- und Prätorenamt ausschließlich in Rom ausgeübt werden durften und keine militärische Befehlsgewalt mehr enthielten; das imperium als prinzipielle auch militärische Kommandogewalt wurde natürlich rechtlich nicht eingeschränkt, wohl aber durch die tatsächliche Kompetenzverteilung. Die Konsuln regierten während ihrer Amtszeit im zivilen Bereich, die Prätoren im Recht sprechenden als praetor urbanus oder praetor peregrinus und als Vorsitzende der quaestiones. Nach dem Ablauf des Amtsjahres gingen alle zehn Magistrate als Statthalter in die zehn Provinzen, als Prokonsuln beziehungsweise als Proprätoren. Dort und nur dort befehligten sie römische Bürgerheere. Schließlich verfügte Sulla, dass den Zensoren das Recht der lectio senatus genommen wurde; alle Magistrate, vom Quästor angefangen, wurden damit automatisch Senatsmitglieder.
 
Wie lassen sich diese Maßnahmen nun charakterisieren? Handelte es sich um ein optimatisches Durchpauken reaktionärer Gesetze? Nein. Schon deshalb nicht, weil eine Generalrevision der Verfassung durch geschriebene Gesetze dem Selbstverständnis einer auf Traditionen und ungeschriebenem Komment beruhenden Adelsrepublik diametral widersprach. Was bisher mos maiorum, geheiligter Brauch der Vorfahren, war, wurde jetzt objektiviertes, nachprüfbares und daher auch der Änderung unterworfenes Gesetz. Hier war ein Geist am Werk, der die römische Verfassung als ein komplettes System sah, in dem alle Teile miteinander zusammenhingen und das wie eine Maschine funktionieren sollte. Natürlich war es kein Produkt theoretischen Nachdenkens, denn wenn einer erfahrungsgesättigt war, dann war es Sulla, und die Erfahrungen, die er, auch mit sich selbst, gemacht hatte, gingen in die Konstruktion der neuen Republik ein. Ebenso natürlich war, dass diese Regelung nicht popular war, aber sie legte wegen des rational Konstruierten doch die Axt an die Wurzel des organisch gewachsenen Adelsstaates.
 
Aber welche Autorität hat ein Gesetzgebungswerk, dem ein zynisches und grausames Blutbad vorausgegangen war? Welches Vertrauen flößt eine angeblich aristokratisch restaurierte Gesellschaft ein, in der windige Gestalten, die sich am Vermögen unschuldig Ermordeter bereichert haben, keine geringe Rolle spielen? Und welche Autorität hat ein Gesetzgeber, der seine Position zum Erlass restriktiver Gesetze der nun wahrlich irregulären Hilfe eines jungen Mannes und dessen Privatarmee mit verdankt? So widersprüchlich das alles ist, so widersprüchlich ging Sullas Laufbahn zu Ende. Keiner hatte dem Diktator mit den unernsten Zügen zugetraut, dass er eines jedenfalls ernst meinte, nämlich seine Neugründung des Staates und dessen Funktionieren, ohne als ein an persönlicher Macht hängender Tyrann darüber zu stehen. Im Jahre 79 v. Chr. erklärte er vor der Volksversammlung seinen Rücktritt. Sulla wurde Privatmann, er zog sich auf seinen Landsitz bei Puteoli, heute Pozzuoli, zurück und hoffte anscheinend, noch recht lange seinen literarischen Neigungen und dem nicht sehr gesellschaftsfähigen Umgang mit lockeren Schauspielerfreunden nachgehen zu können. Aber schon 78 v. Chr. starb er. Er hinterließ Memoiren in 22 Büchern — die würde man gerne lesen, aber leider sind sie verloren.
 
Pompeius strebt nach politischer Macht
 
Wie sehr Sulla die populare Strömung oder Stimmung unterschätzt hatte, zeigte sich gleich in seinem Todesjahr 78 v. Chr.; einer der Konsuln dieses Jahres, Marcus Aemilius Lepidus, revoltierte im folgenden Jahr, der Senat erließ das senatus consultum ultimum — abgekürzt SCU — und erklärte ihn zum hostis, also zum Feind. Lepidus wurde mit Leichtigkeit besiegt und starb auf der Flucht in Sardinien. Das war zwar ein böses Omen, jedoch sollte die tatsächliche Auflösung der sullanischen Ordnung aus ihrem Zentrum selbst erfolgen, nämlich durch Cn. Pompeius.
 
Pompeius wollte nicht einfach ins Glied zurücktreten, sondern in irgendeiner Weise seine gesellschaftliche Position auch staatlich ausgedrückt haben; das ist verständlich bei einem jungen Mann von unter dreißig Jahren, der höchst erfolgreich ein Heer befehligte, das ihm nun schon in der zweiten Generation durch feste und sturmerprobte Klientelbande verbunden war. Die persönliche Autorität Sullas konnte diese Bestrebungen durch gutes Zureden bremsen, aber nicht aufhalten.
 
Nach der Ausschaltung des Lepidus wurde Pompeius vom Senat, wenn auch widerwillig, so doch in der Einsicht, dass es anders nicht gehe, die Aufgabe übertragen, Spanien zurückzugewinnen. Dort gab es noch einen Befehlshaber, der von der Popularenherrschaft übrig geblieben war und sich eine starke Anhängerschaft sichern konnte, Quintus Sertorius. Gegen ihn kämpfte seit 79 Metellus Pius, der als sullanischer Statthalter nach seinem Konsulat nach Spanien gegangen war; aber Verstärkung war nötig. Sertorius war mehr als nur ein lokaler Befehlshaber; er hatte einen popularen Gegensenat gebildet, nahm Verbindung mit Mithridates VI. von Pontos auf, und Metellus Pius und Pompeius konnten seiner Truppen erst 71 v. Chr. Herr werden, und auch das erst, nachdem er im Verlauf innerer Streitigkeiten ermordet worden war. 71 kehrten beide Feldherren zurück und triumphierten gemeinsam; vorher hatte Pompeius noch einige Versprengte des Sklavenaufstandes unter Spartacus hingerichtet.
 
Nach dem Sieg über Sertorius stellte sich wieder die Frage nach dem Platz, den ein solch mächtiger Mann wie Pompeius im Staat haben sollte. An sich hätte er sich nun um die Quästur bewerben müssen, um dann nach dem cursus honorum zu höheren Ämtern aufzusteigen, aber war ihm das zuzumuten und wäre das nicht eine pedantische Prinzipienreiterei gewesen? So dachte jedenfalls Pompeius und erstrebte gleich das Konsulat. Aber zahlreiche Senatoren lehnten Sonderrechte ab und widersetzten sich. Er sah sich daher nach einem Mitkandidaten um, dessen Klientel, der seinen zugerechnet, beide unschlagbar machen würde. Dieser politische Bündnispartner stand parat, es war der Spartacussieger Crassus.
 
Das Konsulat des Pompeius und Crassus und die Beseitigung der sullanischen Gesetze
 
Marcus Licinius Crassus entstammte einer alten und ruhmreichen Senatorenfamilie. Er hatte sich frühzeitig Sulla angeschlossen, musste deswegen zeitweilig nach Spanien fliehen und hatte schließlich während der Proskriptionen und durch geschicktes geschäftliches Verhalten danach über seinen ohnehin bestehenden Reichtum hinaus in den Status des Steinreichen aufsteigen können. Er war darüber hinaus ein liebenswürdiger, leutseliger Mann, der eifrig zur Verfügung stand, wenn es galt, in Schwierigkeiten geratenen Leuten helfen zu können, auch vor Gericht, und der dadurch eine große Klientel gewonnen hatte. Außer ihrem politischen Bündnis trafen Pompeius und Crassus aber noch eine weitere Absprache, um zu Konsuln gewählt zu werden.
 
Alle Jahre kandidierten hinreichend viele junge Leute zum Volkstribunen und wurden gewählt, obwohl ihnen dadurch die weitere Karriere gemäß Sullas Reformen versperrt war. Es gab daher ein nicht geringes Potenzial sowohl unter der Wählerschaft als auch in der Führungsschicht, das daran interessiert war, einen Teil der sullanischen Verfassung rückgängig zu machen. Das versprachen Pompeius und Crassus, sie wurden gewählt und machten ihre Versprechen während ihres Konsulats im Jahre 70 v. Chr. wahr: Die Beschränkungen des Volkstribunats wurden aufgehoben, die Zensoren konnten wieder eine lectio senatus abhalten — sofort wurden 64 Männer aus dem Senat entfernt —, und eine lex Aurelia setzte die Gerichte neu zusammen: Ein Drittel waren nach diesem Gesetz Senatoren, ein Drittel Richter, ein Drittel Ärartribunen (kleinere Magistrate aus den tribus).
 
Aber das Konsulat von Pompeius und Crassus war kein gewöhnliches Konsulat, das diese oder jene Reformen durchsetzte. Es war aus persönlichem Machtstreben gegen die allgemein geltenden Regeln durchgesetzt worden und beruhte auf ungewöhnlich großen und ungewöhnlich aktiven Klientelen. Nicht demagogische Volkstribune bedrohten die Republik, sondern Männer, deren auf riesigen Klientelen beruhende Macht weit über das bisher übliche Maß hinausging.
 
Pompeius, ein zweiter Alexander?
 
Im Konsulatsjahr des Pompeius und Crassus, 70 v. Chr., zeigte der Prozess gegen den Statthalter von Sizilien, Gaius Verres, welch düstere Figuren durch Sulla emporgespült worden waren. In den drei Jahren seiner Statthalterschaft hatte dieser Aufsteiger Verres die Provinz so stark ausgeplündert und war so offensichtlich schuldig, dass er den Prozessausgang gar nicht erst abwartete, sondern ins Exil nach Massilia, das griechische Massalia, ging. Das Verdienst an diesem Ergebnis hatte ein anderer Aufsteiger, Marcus Tullius Cicero, 106 v. Chr. in Arpinum, dem Geburtsort des Marius, geboren. Seine glänzende politische und rhetorische Begabung, die in seinen — heute noch nachzulesenden — Anklagereden zum Ausdruck kommt, ließ ihn die ersten Sporen in der römischen Innenpolitik verdienen.
 
Es gab einen weiteren Missstand. Die mächtigen Piraten, denen die Küsten Kretas und Kilikiens Schutz boten, machten den Verkehr im Ostmittelmeerraum unsicher, außerdem standen sie in Unterhandlungen mit Mithridates, vorher auch mit Sertorius und Spartacus, um sich gegenseitig gegen die Römer beizustehen, und allmählich empfand der Senat in Rom, dass Durchgreifendes geschehen müsse. Nach mehreren Fehlschlägen erhielt der Konsul des Jahres 69 v. Chr., Quintus Caecilius Metellus, das Prokonsulat für Kreta und kämpfte dort mit drei Legionen erfolgreich; später erhielt er zu Recht den Beinamen Creticus. Es kam ihm allerdings jemand in die Quere, und das war Pompeius.
 
Einer von dessen Gefolgsleuten, Aulus Gabinius, beantragte als Volkstribun im Januar 67 v. Chr., dass jemandem wieder ein übergreifendes imperium, 20 Legionen, 500 Schiffe und 36 Millionen Denare mit Aussicht auf mehr übertragen werden solle, das Volk solle dann über die Person entscheiden. Natürlich kam nur Pompeius infrage, und natürlich merkte das der Senat; er versuchte vergeblich, diesen Antrag zu verhindern, aber Gabinius begegnete geschickt allen Interzessionsversuchen. Das Volk verabschiedete den Beschluss, und Pompeius wurde mit der Aufgabe betraut. Nun hatte er drei Jahre Zeit. Er teilte das Mittelmeergebiet in 13 Bezirke ein und durchkämmte es systematisch von West nach Ost. Zum Schluss waren die Seeräuber vor Kilikien zusammengetrieben und wurden in einer Seeschlacht vollständig besiegt. Das Meer war frei. Wie lange hatte Pompeius dafür gebraucht? Musste vielleicht eine Verlängerung beantragt werden? Im Gegenteil. Die ganze Sache dauerte vierzig Tage. Und Pompeius hielt Ausschau nach weiteren Gelegenheiten, sich unentbehrlich zu machen.
 
Das Instrument des Volkstribunats wurde erneut eingesetzt, und auf Antrag des Gaius Manilius beschloss das Volk in allen 35 tribus, Pompeius das Kommando gegen Mithridates zu übertragen. Er bekam die Statthalterschaft der Provinzen Bithynia und Cilicia sowie das Imperium über alle Truppen östlich der Adria, also ein dem imperium aller anderen im Osten stationierten Befehlshaber übergeordnetes imperium maius; außerdem durfte er selbstständig Kriege eröffnen und Frieden schließen, ohne erst rückfragen zu müssen. Pompeius jammerte, als ihm diese Nachricht überbracht wurde, ob man ihm denn nie Ruhe lassen wolle; ein durchsichtiger und täppischer Bemäntelungsversuch seines Ehrgeizes. Er ging sofort ans Werk, löste den mit Recht gekränkten Lucullus ab, und wir haben schon gehört, wie unglaublich gründlich und effektiv Pompeius wieder vorging.
 
Zum Schluss war Mithridates besiegt und dann durch Selbstmord ausgeschieden; das Bosporanische Reich und Armenien waren römische Klientelstaaten geworden, Bithynia und Pontus sowie Syria waren neue Provinzen des Römischen Reiches, die Verhältnisse in Palästina waren neu geordnet, zahlreiche Städte waren neu gegründet worden, von denen einige ihren Namen nach Pompeius erhielten. Unterschied sich Pompeius eigentlich noch von einem hellenistischen Großkönig, kam er seinem Vorbild Alexander nicht schon sehr nahe? Er hatte wie Alexander einen Haarwirbel über der Stirn, und schon früher hatten ihm seine Soldaten den Beinamen »Magnus« (der Große) verliehen. Und vor allem: War seine Stellung in Rom im Jahre 70 v. Chr. schon so übermächtig, dass weder er noch alle anderen so recht wussten, wie er eigentlich in die Adelsrepublik einzuordnen sei, so musste sich dieses Problem jetzt, im Jahre 62 v. Chr., mit geradezu übermächtiger Dringlichkeit stellen. Seine Klientel umspannte das ganze Reich, Königreiche, Landschaften, Städte gehörten dazu, vor allem sein riesiges Heer, mit dem er jetzt nach Italien zog. Was würde nun geschehen?
 
Die Catilinarische Verschwörung
 
In Abwesenheit des Pompeius ging die Politik in Rom weiter, als eine Art Probe aufs Exempel: Rom war frei von übermächtigen Einzelnen, für die wichtigsten auswärtigen Probleme sorgte weit im Osten Pompeius, andere existenzielle Herausforderungen gab es nicht mehr, und somit waren alle Voraussetzungen gegeben, dass sich jetzt die Republik sozusagen ohne systemwidrige Störungen entfalten konnte. Das geschah nun nicht so. Ein politisch gescheiterter Adliger, Lucius Sergius Catilina, versuchte 63 v. Chr. einen Aufstand, der vom Konsul M. Tullius Cicero nur mit Mühe verhindert werden konnte, und obwohl Cicero diese Catilinarische Verschwörung und seine eigene Leistung übertreibend schildert, war es doch kein geringes Ereignis. Das Jahr 63 fing auch sonst hochpolitisch an.
 
Am 1. Januar, bei Amtsantritt der Konsuln, kam etwas zur Sprache, was seit 91 v. Chr., seit Livius Drusus, kein Thema mehr gewesen war. Erstmals stand wieder ein Landverteilungsplan zur Debatte. Der Volkstribun Publius Servilius Rullus hatte ihn seit seinem Amtsantritt ausgearbeitet und progagiert, der neue Konsul Cicero lehnte ihn aber strikt ab. Was konnte man gegen ihn haben? Viele Tausende sollten mit Bauernstellen versorgt werden, das dafür benötigte Land sollte ordnungsgemäß vom Staat gekauft und das dafür wieder nötige Geld sollte ebenfalls ordnungsgemäß durch Verkäufe von Staatseigentum, Eintreiben von Außenständen und andere Transaktionen beschafft werden. Cicero fand mehrere Haken in dem Vorschlag, die er in mehreren Reden enthüllte. Für die ganze Aktion waren fünf Jahre vorgesehen, und es sollte eine Zehnmännerkommission mit außerordentlichen Vollmachten bestellt werden, die die Ausführung in die Hand nehmen sollte; außerdem sollten ihre Mitglieder in einer Art abgekürzten Verfahrens eingesetzt werden. Hier witterte der Konsul Hintermänner, die mit diktatorischen Absichten am Werk seien — und er verhinderte dies; anscheinend kam es gar nicht erst zur Abstimmung.
 
Bei den neuen Konsulwahlen kandidierte der bisher schon mehrfach gescheiterte Catilina, der abermals nicht gewählt wurde, sondern Lucius Licinius Murena und Decimus Iunius Silanus. Jemand anders war auch durchgefallen, nämlich der berühmte Jurist Servius Sulpicius Rufus. Während Catilina nun erst recht den Weg der Verschwörung betrat, wählte Sulpicius den Gerichtsweg und verklagte Murena wegen Wahlbestechung. Cicero verteidigte Murena — eine doppelt kitzelige Sache, denn zum einen beanspruchte ihn inzwischen voll der Kampf gegen Catilina, und zum anderen gehörte Sulpicius zu seiner politischen Richtung; er durfte ihn also auf gar keinen Fall vor den Kopf stoßen — und wenn er den taktischen Ausweg in Witz und Ironie suchte, so war das eine dritte Komplikation, denn wie leicht kann gerade so etwas schief gehen. Ihm ist aber alles gelungen; Cato der Jüngere soll säuerlich-anerkennend gesagt haben: »Was haben wir doch für einen witzigen Konsul!« Und auf Marcus Porcius Cato Uticensis kam es Cicero an.
 
Nun endlich zur eigentlichen Catilinarischen Verschwörung. Für Cicero bestand das taktische Problem darin, eine Verschwörung, die ihrer Natur nach geheim ist, noch vor ihrem Ausbruch als existierend nachzuweisen und vorbeugend diesen Ausbruch zu verhindern. Noch komplizierter ist unsere Lage heute, diese Verschwörung aufgrund der Quellenlage zu rekonstruieren. Zwar besitzen wir die vier Reden, die Cicero gehalten hat, aber sie sind nicht nur parteiisch, sondern auch nachträglich bearbeitet worden; die Darstellung Sallusts und die sonstigen berichtenden Quellen können zwar als Kontrolle dienen, aber sie sind später verfasst worden und beruhen teilweise auf demselben Material, das auch wir haben; Sallust insbesondere verfolgt ebenfalls politische Absichten. Alles in allem lässt sich aber trotzdem das Folgende sagen.
 
Ende Oktober erwirkte Cicero das senatus consultum ultimum, zumal da außerhalb Roms die ersten Truppen der Aufständischen zusammengezogen wurden. Cicero traf die ersten militärischen Gegenmaßnahmen, Catilina aber war immer noch in Rom und bereitete den nächsten Schlag vor, nämlich die Ermordung Ciceros. Dieser erfuhr aber davon, sodass die beiden Mörder, ein Senator und ein Ritter, am Morgen des 7. November das Haus Ciceros scharf bewacht vorfanden und umkehrten. In aller gespielten Harmlosigkeit erschien Catilina an diesem Vormittag im Senat, alles wich entsetzt vor ihm zurück, und Cicero schleuderte ihm in einer improvisierten Rede seine Anklagen entgegen — das ist die berühmte Rede, in der er ihm zurief, wie lange er noch die Geduld der Senatoren missbrauchen wolle und in den Ruf »o tempora, o mores!« (o Zeiten, o Sitten!) ausbrach. Catilina war so überwältigt, dass er nach anfänglichen frechen Zwischenrufen schließlich nichts mehr antwortete, anschließend die Stadt verließ und sich zum aufständischen Heer begab — dass er da die konsularischen Insignien anlegte, das höchste Ziel seines Lebens, das er auf legalem Wege nicht erreichen konnte, lässt einen fast Mitleid mit ihm empfinden.
 
Catilina hatte sich damit demaskiert, die anderen Verschwörer aber waren noch, zum Teil unentdeckt, in der Stadt. Allmählich machte sich im Senat die Stimmung breit, eine so dringende Gefahr, wie Cicero sie dauernd beschwor, bestehe möglicherweise gar nicht, aber den endgültigen Umschwung brachten einige kompromittierende Briefe der Verschwörer, die man abfangen konnte, und aufgrund dieser nun wahrlich authentischen Zeugnisse wurden fünf hochrangige Verschwörer vor dem Senat verhört und dann in Haft genommen.
 
Im Tempel der Concordia beriet der Senat noch den ganzen 4. Dezember darüber, was mit den Verhafteten zu geschehen habe, am 5. fällte er die Entscheidung. Als Erster offerierte der designierte Konsul Silanus sein Urteil und beantragte die »äußerste Strafe«, sein Kollege Murena tat dasselbe, ebenso die anwesenden 14 Konsulare, und für alle war klar, dass damit die Todesstrafe gemeint war. Dann kamen die designierten Prätoren an die Reihe, als erster Gaius Iulius Caesar. Auch er fand starke Worte zu dem Verbrechen der Verschwörer, allerdings erinnerte er daran, dass es das Gesetz de provocatione gebe, das bei jedem Todesurteil noch die Berufung an das Volk vorsehe. Daher schlage er etwas, seinen Worten nach, noch viel Schlimmeres vor, nämlich die lebenslange Internierung der Gefangenen. Wer Gremiensitzungen kennt, in denen kontroverse Fragen debattiert werden, wundert sich nicht über das, was nun folgte. Unsicherheit machte sich bemerkbar, die Teilnehmer fielen der Reihe nach in ihrer Entscheidung um.
 
Denn als der Konsul Cicero nun ein sofortiges Urteil forderte, nachdem er eine Verschiebung bis zum endgültigen Sieg über Catilina abgelehnt hatte, und die Umfrage erneut begann, sagte Silanus jetzt, mit »äußerster Strafe« habe er gar nicht die Todesstrafe, sondern Haft gemeint. Mit einer Ausnahme schlossen sich ihm nun wieder alle folgenden Redner an, bis die Reihe an den jüngeren Cato kam, der als designierter Volkstribun sprach. Es war ein vernichtendes Donnerwetter. Caesar wurde von ihm der Komplizenschaft mit den Verschwörern, die anderen der Charakterlosigkeit beschuldigt, ein durchsichtiges Manöver sei Caesars Vorschlag, um die Catilinarier der gerechten Strafe zu entziehen, und diese gerechte Strafe beantrage er jetzt: die sofortige Hinrichtung. Das rief einen abermaligen Stimmungsumschwung hervor; so stark, dass Cicero sofort abstimmen ließ, und alle Konsulare und die Mehrheit waren dafür. Die Henker wurden benachrichtigt, die Verurteilten wurden aus ihrem Gewahrsam geholt und mit den Senatoren im Gefolge über das Forum in das Staatsgefängnis unterhalb des Kapitols geführt, wo einem nach dem anderen mit dem Strick das Genick gebrochen wurde. In der inzwischen eingetretenen Dunkelheit trat Cicero wieder auf das Forum und verkündete dem wartenden Volk mit lauter Stimme: »Vixerunt!« (Sie haben gelebt!). Die Gefahr für den Staat war beseitigt, die ganze Stadt jubelte befreit. Anfang des nächsten Jahres wurde das Heer Catilinas besiegt, er selber soll tapfer kämpfend gefallen sein.
 
Die Teilnehmerschaft der Verschwörung war gemischt. Trotz der Parteilichkeit der Quellen steht doch fest, dass es Gescheiterte waren; das Heer bestand aus Veteranen, die das Zivilleben nicht bewältigten; die führenden Leute aus dem Senatoren- und Ritterstand hatten ein entsprechendes Programm: Schuldentilgung, Machtergreifung, Rache; Catilina schwang nach Sallusts Darstellung zwar volksfreundliche Reden, aber das war nur ein schwacher Abklatsch der üblichen popularen Thematik. Nein, hinter der Verschwörung stand ein inneraristokratischer Putschversuch, der soziale Probleme für sich selbst instrumentalisierte, aber keine weiter reichenden Ziele hatte.
 
Turbulenzen: Cicero, Pompeius, Crassus, Caesar
 
Pompeius war währenddessen im Osten und vollbrachte dort Taten, denen gegenüber die häuslichen Ereignisse winzig erscheinen mussten. Cicero hatte ihm in einem langen Brief mitgeteilt, was er als Konsul alles für den Staat geleistet habe und dass beide in einer Art korrelativen Verhältnisses zueinander ständen, Cicero innen, Pompeius außen. Pompeius schien aber nicht sehr beeindruckt von diesem Vergleich gewesen zu sein. Jetzt stand seine Rückkehr bevor. Wie würde er sich verhalten?
 
Gemächlich ließ er es angehen; er landete erst im Herbst 62 v. Chr. wieder in Italien und traf im Januar 61 in Rom ein; eine Weile konnten die inneren Querelen in Rom noch ohne ihn weitergehen, zumal er seine Vertrauensleute dort hatte. Für Cicero selbst waren die Auseinandersetzungen zunächst sehr schlimm. Am 5. Dezember 63 waren die fünf Catilinarier hingerichtet worden, am 10. traten die neuen Volkstribunen ihr Amt an, und einer von ihnen, Quintus Caecilius Metellus Nepos, griff Cicero sofort mit der Anschuldigung an, er habe römische Bürger ohne die Möglichkeit der provocatio an das Volk hinrichten lassen. Politisch gefährlich war das weniger deshalb, weil damit die populare Agitation immer noch ihre Lebendigkeit bewies, sondern weil dieser Metellus als Vertrauensmann des Pompeius galt; deshalb hatte sich Cato ebenfalls zum Volkstribunen wählen lassen, um ihm ein Gegengewicht zu bieten. Ciceros Amtsjahr endete mit einer schönen Pointe südländischer Beredsamkeit. Er wollte vor dem Volk in einer letzten Rede die Summe seiner Amtstätigkeit ziehen, wogegen Metellus mit der Begründung interzedierte, jemand, der römischen Bürgern verweigere, sich gegen eine Anklage zu rechtfertigen, dürfe auch selber nicht reden. Den vorgeschriebenen Eid, die Gesetze gewissenhaft geachtet zu haben, konnte Metellus aber nicht verhindern, und diesen Eid schwur Cicero nun so, dass er in ihm alles das sagte, was er zu sagen vorgehabt hatte — große Begeisterung aller, und Cicero wurde im Triumph nach Hause geleitet.
 
Pompeius' Hand begann weiter, sich spürbar zu machen, und die Art und Weise, wie das geschah, war ominös. Es wurde anscheinend geplant, Pompeius zu erlauben, sich in Abwesenheit um das Konsulat für 61 v. Chr. zu bewerben. Der Volkstribun Cato aber war strikt dagegen, weil er das alles mit einer freien Republik für unvereinbar hielt und Pompeius die schlimmsten Absichten zutraute. Er kündigte daher seine Interzession an, und das Ergebnis war folgende schreckliche Szene: Als die Volksversammlung begann, setzte sich Cato zwischen den neuen Prätor Caesar und den Volkstribun Metellus, und als er sein Veto gegen das Verlesen des Gesetzestextes sprach, wurden er und seine Begleitung durch einen unter anderem aus Gladiatoren bestehenden Schlägertrupp angegriffen, den Metellus bereitgestellt hatte. Cato blieb in Lebensgefahr sitzen, nur dem Konsul L. Licinius Murena gelang es, ihn wegzuführen. Immerhin kam dann der Antrag nicht durch. Der Senat erließ das senatus consultum ultimum, und Caesar wurde die Amtsführung verboten; als das Volk stürmisch seine Wiedereinsetzung verlangte, beruhigte er es und wurde vom Senat zum Dank dafür wieder als Prätor bestätigt.
 
Im Spätherbst 62 landete Pompeius in Italien, und zur allgemeinen Überraschung und großen Erleichterung blieb das aus, was viele erwartet hatten: Er rückte nicht mit seinem Heer auf Rom vor, sondern als treuer Staatsbürger und Beauftragter der Republik entließ er seine Soldaten, natürlich in der Erwartung, dass ihnen Land zugewiesen und dass der Senat seine Verfügungen, die er im Osten getroffen hatte, billigen werde. Jetzt zeigte sich, wie engstirnig und konzeptlos die Optimatenpolitik war. Kaum dass sich zeigte, dass Pompeius nicht als Tyrann agieren werde, wurden die Herren wieder mutig und betrieben Obstruktion. Erst nach knapp drei Jahren und nachdem die Optimaten Pompeius in das ihnen feindliche Lager abgedrängt hatten, gelang es seinen politischen Verbündeten, die nun wirklich sachlich berechtigten, ja notwendigen Wünsche zu verwirklichen.
 
Das Jahr 62 endete mit einer Posse, die allerdings Folgen haben sollte. Im Dezember feierten vornehme Damen im Hause von Caesars Gattin Pompeia das Fest der Bona Dea, einer Göttin, die in einem nur Frauen vorbehaltenen Kult verehrt wurde, und dabei stellte sich heraus, dass sich ein junger Tunichtgut in Frauenkleidern eingeschlichen hatte, Publius Clodius Pulcher. Ein großer Skandal! Caesar trennte sich sofort von seiner Frau mit der Begründung, dass die Angehörigen eines Caesar bei aller Schuldlosigkeit auch nicht der geringste Verdacht treffen dürfe. Das war deshalb eine bemerkenswerte Begründung, weil Caesar derjenige römische Politiker war, der der Rekordhalter im Ehebruch gewesen sein soll. Clodius wurde im nächsten Jahr wegen Religionsfrevels vor Gericht gestellt und betrieb seine Verteidigung auf zweierlei Weise. Politisch gebärdete er sich als verfolgter Populare und griff die Optimaten an, insbesondere Cicero und dessen Verhalten gegenüber den Catilinariern; Cicero, der sich ohnehin ständig in dieser Angelegenheit verteidigen musste, griff als Zeuge im Prozess und durch öffentliche Reden Clodius mit einer Fülle von Sarkasmen an und machte ihn sich dadurch zum Todfeind. Clodius betrieb aber noch eine praktischere Art der Verteidigung. Er erhielt von Crassus viel Geld und bestach damit die Richter, sodass er freigesprochen wurde. Der astronomisch verschuldete Caesar war inzwischen als Statthalter nach Spanien gegangen, von wo er im Juli des Jahres 60 v. Chr. schuldenfrei zurückkehrte.
 
Das Triumvirat des Pompeius, Crassus und Caesar
 
Dieses Jahr 60 v. Chr. ist im zeitgenössischen römischen Bewusstsein das Jahr geworden, mit dem der Untergang der Republik begann; der Politiker, Soldat und vielseitige Autor Gaius Asinius Pollio begann seine »Historiae«, die Geschichte des römischen Bürgerkrieges, mit diesem Jahr, in dem Quintus Caecilius Metellus Celer und Lucius Afranius Konsuln waren. Nachdem der Senat immer noch nicht seine Anordnungen im Osten gebilligt hatte und ein Gesetz zur Versorgung der Veteranen unter ähnlich gewalttätigen bis skurrilen Umständen wie das Gesetz von Anfang 62 gescheitert war, musste sich Pompeius nach potenten Verbündeten umsehen. Er fand sie in Crassus und Caesar. Die genaue Chronologie ist umstritten, das Faktum nicht, dass sich diese drei Männer im 1. Triumvirat zusammentaten, um die jeweils eigenen Ziele aufeinander abzustimmen und mittels ihrer Klientelen durchzusetzen. Es waren sehr unterschiedliche Herren unterschiedlichen Charakters, unterschiedlicher politischer Ziele und unterschiedlichen Gewichts: Pompeius bei weitem der Mächtigste, vor allem militärisch und organisatorisch hoch begabt, ungeheuer populär, politisch unklar; Crassus vor allem wirtschaftlich mächtig, mit ziellosem Ehrgeiz, politisch ebenfalls nicht einzuordnen, in diffuser Konkurrenz zu Pompeius stehend; Caesar der Jüngste, mit dem geringsten Prestige, mit großem persönlichem Charme, ebensolcher Rücksichtslosigkeit und trotz seiner Herkunft aus einer uralten patrizischen Familie politisch ein Populare.
 
Als Konsul erwirkte Caesar 59 v. Chr. zwei Ackergesetze, wovon das zweite den ager Campanus verteilte und damit nicht nur die Veteranen des Pompeius befriedigte, sondern auch Caesar einen Klientelzuwachs dankbarer Nutznießer bescherte und Crassus als Mitglied der Verteilungskommission in eine wichtige Position brachte. Auch billigte der Senat endlich die Verfügungen des Pompeius im Osten, und schließlich ist als weitere Errungenschaft ein musterhaftes Gesetz gegen die Erpressungen des Statthalter in den Provinzen zu erwähnen, die lex Iulia de repetundis. Das persönliche Verhältnis zwischen Caesar und Pompeius wurde zudem im Frühling des nächsten Jahres dadurch in unerwarteter Weise gefestigt, dass Pompeius, dessen Frau gestorben war, Caesars Tochter Iulia heiratete und mit ihr eine sehr glückliche Ehe führte.
 
Diese bisher gezogene positive Bilanz hat aber auch eine Negativseite. Der Senat war vor allem gegen die Ackergesetze, aus seiner alten Furcht heraus, sie würden den Initiatoren und Organisatoren zu viel persönliche Macht einbringen. Das zögerliche Verhalten des Pompeius hätte den Optimaten diese Furcht nehmen können, und auch vonseiten des Crassus war nicht zu erkennen, wie etwa er dauerhaft eine übermächtige Position hätte gewinnen sollen. Anders sah es allmählich mit Caesar aus. Natürlich ist seine Ungeduld mit den unschöpferischen Obstruktionspolitikern verständlich, aber die Art und Weise, mit der er diese Obstruktion überwand, konnte nur zu dem Schluss führen, dass man von ihm das Schlimmste zu erwarten hatte. Die Gesetze wurden mit ähnlichem Terror durchgebracht wie die Anfang des Jahres 62 v. Chr., und dass diese Brutalität diesmal zum Erfolg führte, lag an dem geballten Einfluss der drei Mächtigen. Allmächtig waren sie freilich nicht. Sie hatten es trotz allem nicht verhindern können, dass Caesar einen optimatischen Mitkonsul bekommen hatte, Marcus Calpurnius Bibulus, dessen Schicksal es war, immer Caesar zum Kollegen zu haben; auch Caesar dürfte darunter gelitten haben. Als Bibulus gegen das erste Ackergesetz interzedieren wollte, wurde das Forum in der Nacht vorher von Bewaffneten besetzt, er am nächsten Tag mit Unrat beworfen und vom Forum geprügelt. Er zog sich darauf für den Rest des Amtsjahres in sein Haus zurück, verkündete von dort aus religiöse Erlasse, die sämtliche Amtshandlungen Caesars rechtsungültig machten und betrieb auch auf andere Arten Obstruktionspolitik.
 
Wie zügig vonseiten Caesars gehandelt werden konnte, wenn es darauf anzukommen schien, musste der arme Cicero schmerzlich erfahren. Sein geschworener Feind Clodius, der aus einem patrizischen Geschlecht kam, bemühte sich seit geraumer Zeit, zur plebs übertreten zu können, um Volkstribun zu werden und — unter anderem — Cicero zu schaden; er hatte zu diesem Zweck sogar seinen Namen von Claudius in das volkstümlichere Clodius geändert. Bisher war dieses Vorhaben an Caesar und Pompeius gescheitert, die Cicero immer noch zu sich herüberzuziehen hofften und Clodius erst dann einsetzen wollten, wenn es ihnen opportun erschien. Im März 59 war es so weit. Cicero beklagte sich in einer Prozessrede lebhaft über die augenblicklichen Zustände, und drei Stunden später war Clodius Plebejer: Caesar, der 63 pontifex maximus geworden war, ließ die dreißig Liktoren der Kuriatkomitien anrücken, Pompeius besorgte als Augur notwendige religiöse Formalitäten, ein Plebejer war gefunden, der Clodius adoptierte und ihn nach der Adoption sofort wieder aus der Sohnesstellung entließ. Die Schlinge um Ciceros Hals hatte sich weiter zugezogen.
 
Das wichtigste Anliegen Caesars, das er schon im Mai 59 erreicht hatte, war ein außerordentliches Kommando außerhalb Roms. Es sollte ihm dazu dienen, durch auswärtige Erfolge, wie sie Pompeius gehabt hatte, eine solch starke Klientel und so viel Popularität zu gewinnen, dass seine Stellung als erster Mann des Staates unangefochten sein würde. Durch ein Gesetz des Volkstribunen Publius Vatinius erhielt Caesar als Prokonsul Gallia Cisalpina mit Illyricum, ferner durch Senatsbeschluss Gallia Narbonensis. Die außerordentlichen Kommandos waren ursprünglich dadurch entstanden, dass sich Senat und Volk nicht mehr in der Lage sahen, plötzlich auftretende Gefahren durch die ordentlichen Magistrate abwehren zu können, sodass Konsuln außer der Reihe bestellt wurden. Man verfiel so auf die juristische Pfiffigkeit, die Amtsgewalt des imperiums vom Amt zu trennen und separat für einen bestimmten Zweck zu verleihen. So waren die Kommandos des Pompeius in die Verfassung eingepasst worden.
 
Aber schon bei Pompeius traf es nicht mehr zu, dass er sozusagen nolens volens wegen einer anders nicht zu bewältigenden Notlage bestellt worden wäre; und bei Caesar schon ganz und gar nicht: Zuerst war sein Interesse da, durch auswärtige Leistungen an Macht und Prestige zu gewinnen, und dann erst stellte sich, mit viel Interpretationskunst, die Notwendigkeit dafür ein. In seinem Fall war es die Situation in Gallien, die angeblich ein Kommando auf fünf Jahre erforderte, das ihm gegen den Willen des Senats durch Volksgesetz erteilt wurde.
 
Bevor Caesar nach Gallien abmarschierte, musste noch etwas erledigt werden. Clodius hatte es im Zuge seiner popularen Agitation darauf abgesehen, Cicero endgültig zu Fall zu bringen. Den drei mächtigen Männern gefiel dieser Bursche zwar auch nicht, aber die politische Konstellation veranlasste sie, den Schlag, der jetzt erfolgte, jedenfalls zu tolerieren; Caesar blieb auch nichts anderes übrig, weil jetzt schon gegen sein Konsulat heftig agitiert wurde mit der Behauptung, alle getroffenen Akte seien rechtswidrig und daher nichtig. Clodius erreichte ein Gesetz, das denjenigen verbannte, der nach einem Gerichtsverfahren für schuldig befunden wurde, römische Bürger ohne Zustimmung des Volkes getötet zu haben. Das bezog sich natürlich auf Cicero, und dieser wartete den Prozess gar nicht erst ab, sondern ging von sich aus sofort ins Exil, das ihn bis nach Thessalonike (Saloniki) führte; sein Haus auf dem Palatin wurde niedergerissen. Cicero befand sich jetzt am ersten Tiefpunkt seiner politischen und persönlichen Existenz. Nach Caesars Abreise erfolgte noch ein weiterer Schlag des Clodius gegen einen seiner Erzfeinde, der aber auch Caesar gelegen kam. Cato, der unerbittlichste von allen, wurde durch Volksbeschluss gezwungen, nach Cyprus (Zypern) zu gehen, um dieses hellenistische Königreich in eine römische Provinz umzuwandeln. Er gehorchte.
 
 Die Unterwerfung Galliens
 
Wieder brachen Jahre an, in denen der entscheidende Mann nicht in Rom war, sondern einen auswärtigen Krieg führte. Aber welch ein Unterschied zum Aufenthalt des Pompeius im Osten! Einerseits war Caesar viel länger abwesend, nämlich acht ganze Jahre, andererseits konnte er eine viel engere Verbindung mit Rom halten und gleichzeitig mit den Kämpfen in Gallien, Germanien und Britannien Politik in Rom machen, und schließlich war seine führende Stellung in Rom noch keineswegs außer Diskussion, sondern stand immer noch in Konkurrenz zu der des Pompeius.
 
Es ist nahe liegend, die Ereignisse in Gallien vornehmlich anhand von Caesars eigenem Bericht zu schildern, dem »Bellum Gallicum«. Wegen der stilistischen Brillanz und wegen der Tatsache, dass hier die Eroberung eines ganzen Landes und Volkes vom Eroberer selbst mit äußerster Nüchternheit und keineswegs nur beschönigend dargestellt wird, stellt dieser Text ein ungeheuer eindrucksvolles Dokument nicht nur lateinischer Literatur dar. Über die Glaubwürdigkeit im Einzelnen ist viel diskutiert worden, mindestens einmal hat sich jedenfalls Caesar einen Bären aufbinden lassen, als er nämlich behauptet, bei den Germanen gebe es ein Tier namens Elch, dessen Beine keine Gelenke hätten; zum Schlafen lehne es sich an einen Baum, und wenn man solche Bäume vorher ansäge, fielen Baum und Elch um und Letzteren könne man auf diese Weise fangen. Im Jahre 51 v. Chr. wurde das Buch in Rom veröffentlicht in der Absicht, den Lesern die großen Leistungen vor Augen zu führen, die das römische Heer mit seinen Offizieren und seinem Oberkommandierenden erbracht habe.
 
Caesar besiegt die Helvetier und die Sweben. ..
 
Die Lage in Gallien war dadurch bestimmt, dass im Jahr 61 v. Chr. eine Gesandtschaft der keltischen Äduer (auch Häduer) unter ihrem König Diviciacus nach Rom kam, die sich über die Arverner und die Sequaner beschwerte. Die Äduer saßen nördlich von Lugudunum, dem heutigen Lyon, und waren von den Sequanern in Abhängigkeit gebracht worden, die östlich von ihnen mit der Hauptstadt Vesontio saßen, dem heutigen Besançon; die Arverner saßen westlich von ihnen. Hinter den Sequanern standen die germanischen Sweben unter ihrem Herzog Ariovist, die sich im Elsass festgesetzt hatten. Dann trat eine neue Entwicklung ein, als bekannt wurde, dass sich ein weiterer keltischer Stamm, die Helvetier, auf eine Wanderung nach Westen aufgemacht habe.
 
Die Helvetier saßen östlich der Sequaner, also in der heutigen Westschweiz; warum sie ihre Wohnsitze verließen, ist nicht völlig geklärt, wohl aber, dass sie keine Absichten auf römisches Einflussgebiet hatten, sondern ganz nach Westen, an den Atlantik, strebten. Trotzdem kann man es verstehen, dass die Stämme, an denen sie vorbeiziehen oder durch deren Gebiet sie womöglich durchziehen wollten, schwere Bedenken dagegen hatten und Rom um Hilfe baten. Der neue Prokonsul Caesar verließ daraufhin im März Italien und zog in Eilmärschen nach Norden. Nach einem ersten Erfolg seines Legaten Titus Labienus siegte er selber 58 v. Chr. bei Bibracte, dem Hauptort der Äduer, und bewog die Helvetier, wieder zu ihren alten Wohnsitzen zurückzukehren; in schonender Weise geschah das, es wurde sogar ein Bündnis mit ihnen abgeschlossen. Bis zur Überlagerung durch die Alamannen in der Spätantike blieben sie dort, und sie leben weiter in der lateinischen Bezeichnung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Confoederatio Helvetica. Jedem Autofahrer ist sie unter dem Kürzel CH geläufig.
 
Caesars militärische Aktivitäten bewegten sich gänzlich außerhalb der ihm zugewiesenen Provinz, was sich — nach allmählich uralter römischer Tradition — durch den Hilferuf der Äduer rechtfertigte, und als er anschließend noch weiter ausgriff, legte er großen Wert darauf, dass er auch hierzu von den Galliern ersucht worden sei. Vor allem die Äduer machten ihn darauf aufmerksam, dass das Hilfegesuch des Jahres 61 dadurch verursacht worden sei, dass hinter den Sequanern Ariovist mit seinen Sweben stand, und dass die Gefahr inzwischen sogar noch größer geworden sei, dass die Germanen immer tiefer nach Gallien eindrängen und daher auch eine Gefahr für Rom darstellten. Caesar griff das bereitwillig auf und zog nach Norden, um Ariovist in einer Aussprache dazu zu veranlassen, nicht in gallisches Gebiet vorzurücken.
 
Ariovist verweigerte zunächst eine Zusammenkunft, und als sie im Elsass im Jahre 58 v. Chr. dann doch stattfand, führte sie zu keinem Ergebnis. Nach zehn Tagen kam es, vermutlich bei Mülhausen, zur Schlacht, Caesar siegte, Ariovist zog sich über den Rhein zurück, und die Germanengefahr war für gut zwei Jahrhunderte gebannt.
 
Caesar führt von Oberitalien aus Politik
 
Im Herbst desselben Jahres begab sich Caesar in das diesseitige Gallien (Gallia Cisalpina), also nach Oberitalien, um Rom näher zu sein und um sich an der dortigen Politik besser beteiligen zu können. Er hatte eine regelrechte Kanzlei bei sich, die die Korrespondenz und den Besucherverkehr regelte; sprichwörtlich ist ja, dass Caesar mehrere Briefe gleichzeitig diktieren konnte. Unter seinen Heerführern waren Angehörige der führenden römischen Politiker, so die beiden Söhne des Crassus, Publius und Marcus, oder auch Ciceros Bruder Quintus. Auch die Verbindungen seiner barbarischen Verbündeten oder Kontrahenten nach Rom waren eng. Die gallischen Gesandtschaften nach Rom waren nichts Ungewöhnliches, und Ariovist soll sogar lateinisch gesprochen haben. Auf jeden Fall zeigte er sich mit einer Bemerkung über Caesars innenpolitische Gegner über die dortige Situation gut informiert und versuchte, diese innerrömische Zerklüftung für seine Absichten auszunutzen. Damit tat er nichts anderes, als was die Römer im Ausland und jetzt auch in Gallien ständig taten. Caesar nutzte nicht nur die Aufteilung der Gallier in verschiedenste Stämme und Unterstämme aus, indem er nach Möglichkeit einzeln mit ihnen zu tun hatte und einzelne Regelungen mit ihnen traf. Er griff auch in innere Streitigkeiten ein und gewann so immer die Unterstützung einer der beteiligten Gruppen.
 
Caesar war also ständig über die politische Lage in Rom informiert, so auch darüber, dass sich das Verhältnis des Pompeius zu Clodius rapide verschlechtert hatte. Im August unternahm Clodius sogar einen Mordversuch gegen Pompeius und ließ dessen Haus durch eine Schlägerbande belagern, sodass Pompeius für den Rest der Amtszeit des Clodius sein Haus nicht mehr verlassen mochte. Außerdem fiel es Clodius plötzlich ein, wie der verbittertste Optimat die Rechtsgültigkeit von Caesars Maßnahmen des Konsulatsjahres infrage zu stellen. Das hatte zur Folge, dass die Stimmung umzuschlagen begann und die ersten Versuche unternommen wurden, Cicero aus dem Exil wieder zurückzurufen. Acht Volkstribune wollten das beantragen, wurden aber durch Interzession daran gehindert, und ein für das nächste Amtsjahr gewählter Tribun fuhr sogar zu Caesar nach Oberitalien, um ihn für diesen Zweck zu gewinnen, aber Caesar ging zu dieser Zeit noch nicht darauf ein.
 
Es kamen gallische Schwierigkeiten auf. Der Großstamm der Belger — nach denen der 1830 gegründete belgische Staat seinen Namen hat, er ist allerdings kleiner als das Gebiet der Belger — begann im Winter, vorbeugend gegen die Römer zu rüsten, und nach der inneren Mechanik dieser Machtfragen veranlasste das Caesar, seinerseits vorbeugend gegen sie vorzugehen. Die Remer, die um Reims herum siedelten, das damalige Durocortorum, unterwarfen sich ihm freiwillig und blieben die ganze Zeit die verlässlichsten Verbündeten der Römer; ein Sohn des Crassus, Publius, erreichte die Unterwerfung der in der Normandie und in der Bretagne ansässigen Stämme, sodass es nach der Stationierung von sieben Legionen in Nordgallien im Herbst 57 v. Chr. so aussah, als sei Gallien nun römisch geworden.
 
Die politische Situation in Rom
 
Ungeheure Beute war in Gallien gemacht worden, mit der Caesar kräftig in die römische Innenpolitik eingreifen und sich zahlreiche Politiker, sagen wir, verpflichten konnte. Das war auch nötig, denn die Machtbalance fing an, in Unordnung zu geraten. Der amtlose Clodius hatte sich darauf verlegt, als neue Machtbasis Schlägerbanden zu bilden. Die moderne Forschung hat entdeckt, dass er dabei auf urtümliche interne Organisationen der plebs zurückgriff, doch macht das die Sache nicht besser. Die andere Seite antwortete mit Gegenbanden unter Titus Annius Milo und Publius Sestius. Nun gelang auch die Rückberufung Ciceros, sogar auf Betreiben des Pompeius; im August 57 v. Chr. kam der überglückliche Konsular wieder nach Rom, glaubte freilich irrig, nun könne er die entscheidende Rolle in dieser Stadt spielen. Pompeius schien immer noch die Zentralfigur zu sein, und immer noch zerbrachen sich seine Anhänger und er den Kopf, was man ihm denn Herausragendes zu tun geben könne. Soll er die Diktatur erhalten? Wegen der Schwierigkeiten mit der Getreideversorgung — Clodius hatte die Gratisverteilung durchgesetzt, und jetzt fehlte das Staatsland des ager Campanus — kam man auf die Idee, Pompeius damit zu betrauen, und er bekam wieder ein außerordentliches Kommando auf fünf Jahre, durch das er die Getreidebeschaffung organisieren sollte, die cura annonae. Ein geflügeltes Wort stammt aus dieser seiner Tätigkeit. Als er bei Sturm nach Sardinien übersetzen wollte, wollte seine Begleitung ihn davon abhalten, aber er stieg ins Schiff mit dem Ausspruch: »Navigare necesse est!« (Seefahrt tut Not!). Etwas banal, aber anscheinend wirkte es.
 
Die Gallier proben den Aufstand und Caesar, Pompeius und Crassus erneuern das Triumvirat
 
Die angeblich unterworfenen Gallier merkten inzwischen, was die römische Herrschaft bedeutete, und als römische Offiziere bei den Venetern an der Südküste der Bretagne erschienen, um Getreide zu requirieren, war das der Beginn des ersten weiträumigen Aufstandes von den Pyrenäen bis zum Rhein. Caesar war noch in Oberitalien, wo er einen entscheidenden innenpolitischen Schachzug vorbereitete. Der arme Cicero vergnügte sich noch damit, Caesar in öffentlicher Rede zu tadeln, in dem Glauben, Pompeius sei auf seiner Seite, da traf sich dieser im April im mittelitalischen Luca mit Caesar, nachdem Crassus schon in Ravenna bei Caesar gewesen war. Die diesmaligen Beschlüsse waren noch durchgreifender als die des Jahres 60 v. Chr., und sie wurden auch effizienter ausgeführt. Das Wichtigste war, dass Pompeius und Crassus im darauf folgenden Jahr Konsuln werden sollten und jeder im Jahr darauf ein außerordentliches Kommando erhalten sollte, um Caesars gallische Position auszugleichen, Pompeius Spanien und Crassus Syrien, jeweils auf fünf Jahre befristet.
 
In Rom, besonders auch bei Cicero, herrschte Fassungslosigkeit, aber Caesar war schon längst wieder mit Gallien beschäftigt. Er hatte noch von Oberitalien aus befohlen, dass auf der Loire gegen die seefahrenden Veneter eine Flotte gebaut werden solle. In großem Bogen gingen die Römer gegen die Aufständischen vor, siegten, und im Winter konnte Caesar wieder im diesseitigen Gallien sein.
 
Turbulentes passierte dann in Rom. Erst Anfang 55 v. Chr. konnten die Konsulwahlen stattfinden, und die beiden Machthaber Pompeius und Crassus wurden unter Einsatz physischer Gewalt gewählt. Auch als anschließend die Sonderkommandos durch Volksbeschluss erteilt wurden, kam es zu Gewaltakten, an denen sich sogar Crassus selbst beteiligte. Es gab Tote.
 
Caesar gegen Germanen, in Britannien und gegen die aufständischen Gallier
 
Im Frühjahr 55 musste Caesar an Wichtigeres denken. Die Germanenstämme der Usipeter und Tenkterer hatten den Niederrhein überschritten und zogen nach Süden. Sie erbaten Siedlungsland, einige Gallierstämme wollten sie in ihren Dienst nehmen. Caesar verhandelte mit ihnen und verwies sie an die Ubier auf dem rechten Ufer. Als die Germanenfürsten wieder zu Verhandlungen bei ihm erschienen, nahm er sie unter flagranter Verletzung des Gesandtschaftsrechts fest, griff die Germanenstämme an und vernichtete sie vollständig — die Verhandlungsführer wurden wieder freigelassen. In Rom schämte sich Cato entsetzlich für die Treulosigkeit des römischen Feldherrn und stellte den Antrag, den verräterischen Prokonsul zur religiösen Sühne den Germanen auszuliefern. Natürlich geschah das nicht; Caesar blieb im Gegenteil ausnahmsweise den Winter über in Gallien, um im nächsten Jahr an die Eroberung Britanniens zu gehen; wegen der Verbindungen der dortigen Kelten mit den gallischen hatte er schon einen Erkundungsvorstoß dorthin unternommen.
 
Das Frühjahr 54 verbrachte Caesar gleichwohl in Oberitalien, und auf der Rückreise Ende Mai nach Gallien hatte er die Nervenkraft, ein Buch grammatischen Inhalts zu schreiben, »De analogia«. Die Expedition nach Britannien im August/September brachte allerdings nicht den erhofften Erfolg. Zwar konnte die Themse überschritten werden, und zwar konnte sich Caesar die Hilfe einiger Stämme sichern, aber er musste doch mit dem Anführer der britischen Abwehrkoalition Cassivellaunus verhandeln. Caesar zog sich, unter Mitnahme von Geiseln, wieder zurück, ohne die römische Macht in Britannien etabliert zu haben. Das hinderte ihn nicht, seinen neu gewonnenen Reichtum jetzt in großem Stil in seine politische Zukunft in Rom zu investieren.
 
So wurde Cicero mit Freundlichkeiten überhäuft, bekam sogar ein riesiges Darlehen, natürlich ohne jede auch nur angedeutete Verpflichtung zu irgendeiner Gegenleistung, wie es sich gehört; schon die Schrift »De analogia« hatte Caesar Cicero gewidmet. Cicero selbst wandte sich in seiner politisch machtlosen Situation der staatsphilosophischen Schriftstellerei zu, und so verdanken wir der Lage der untergehenden Republik Werke wie »De oratore« (»Über den Redner«) und »De re publica« (»Über den Staat«), deren Wirkung auf die gesamte europäische Geistesgeschichte gar nicht ermessen werden kann.
 
Nach der Rückkehr aus Britannien wurde die Situation in Gallien so kritisch, dass Caesar den Winter über dort bleiben musste. Im Frühjahr 53 v. Chr. gelang es ihm mit Titus Labienus, den erneuten Aufstand völlig niederzuschlagen. Der beginnende Winter zeigte ein vollständig befriedetes Gallien.
 
Straßenkämpfe in Rom und der letzte große Aufstand der Gallier
 
Anders war die Situation in Rom, oder sagen wir: Was in Rom herrschte, waren Chaos und Terror. Das Bandenwesen nahm immer mehr zu, und teils seinetwegen, teils weil sich die Politiker auf nichts einigen konnten, gelang es nicht, Wahlen für das Jahr 52 v. Chr. abzuhalten. Crassus war am 9. Juni 53 v. Chr. gegen die Parther gefallen, sodass von den drei Mächtigen nur noch zwei übrig waren. Für Pompeius wurde, des allgemeinen staatlichen Zustandes wegen, die Diktatur erwogen. Wie es seiner Art entsprach, lehnte er dieses Angebot heftig ab, und es muss ihm sehr peinlich gewesen sein, dass Cato ihn sofort darauf festlegte; das war natürlich ganz im Interesse Caesars. Pompeius hatte eine bestimmte Vorstellung davon, wer Konsul werden sollte; darunter war nicht Milo, der dafür kandidierte, und diese Kandidatur war umso brisanter, als gleichzeitig Clodius Kandidat für die Prätur war. Da explodierte die Situation. Am 18. Januar 52 stießen die Banden Milos und Clodius' auf der Via Appia aufeinander, in dem Handgemenge wurde Clodius schwer verwundet und dann auf Milos Befehl umgebracht. Das hatte solche Ausschreitungen seiner Anhänger in der Stadt zur Folge, dass die Curia, das Sitzungsgebäude des Senats, abbrannte. Jetzt betraute der Senat Pompeius mit der Wiederherstellung der Ordnung.
 
Wir hatten zu Beginn des Gallischen Krieges schon gehört, dass Ariovist spitze Bemerkungen über Caesars innenpolitische Situation machte, und daher ist es nicht überraschend, dass Caesar sein siebentes Buch damit eröffnen kann, dass die Gallier angesichts der bürgerkriegsartigen Verhältnisse in Rom die letzte Gelegenheit gekommen sahen, ihre Freiheit zurückzugewinnen. Der letzte ganz Gallien erfassende große Aufstand brach los. Gegen den 18. Januar, also dem Tag der Ermordung des Clodius, war Caesar noch von Gallien aus in Ravenna eingetroffen, und das gallische Kalkül ging auf: Caesar wurde wochenlang in Italien festgehalten und musste den Aufstand erst einmal hinnehmen, bevor er wieder zur Bekämpfung der größten bisherigen Herausforderung nach Gallien eilen konnte, wo er Ende Februar eintraf. Pompeius wurde, ohne Beispiel in der römischen Verfassungsgeschichte, vom Senat zum alleinigen Konsul (consul sine collega) bestimmt und begann, mit militärischen Mitteln die Ordnung wieder herzustellen.
 
Im April fand der Prozess gegen Milo auf dem Forum statt, das von den Truppen des Pompeius aus Sicherheitsgründen umstellt war. Diese wirkten auch auf friedliche Beteiligte bedrohlich, so zum Beispiel auf den Verteidiger Milos, den unmilitärisch veranlagten Cicero. Er hatte ohnehin eine schwierige Aufgabe, denn er musste behaupten, Clodius sei in Notwehr erschlagen worden, während er in Wirklichkeit ermordet worden war, als er schon verwundet in einem Gasthaus lag. Hinzu kamen die äußeren Umstände der Verhandlung, sodass Cicero in ausgesprochen schlechter Form war. Das Ergebnis war die Verurteilung Milos; er ging nach Massilia ins Exil, und als er später die sehr viel bessere schriftliche Fassung von Ciceros Rede bekam, dankte er seinem Verteidiger ironisch dafür, dass dieser in Wirklichkeit schlechter geredet und so seinen Freispruch verhindert habe, denn sonst säße er jetzt nicht in Massilia und könnte nicht die vorzüglichen Fische essen, die es nur dort gab.
 
Vercingetorix wird besiegt und Gallien ist unterworfen
 
Gallien hatte sich, im Lauf des Jahres 52 v. Chr. sogar unter Beitritt der Äduer, unter dem Arvernerkönig Vercingetorix vereinigt. Alles, was Caesar seit 58 v. Chr. erreicht hatte, schien verloren zu sein. Vercingetorix, der bisher in einem vertrauten Verhältnis zu Caesar und den Römern gestanden hatte und daher deren strategisches Vorgehen kannte, hatte es darauf abgesehen, den Römern nicht in einer offenen Schlacht entgegenzutreten, sondern sie durch Abschneiden der Versorgungsmöglichkeiten auszumanövrieren. Caesar versuchte, den in der Nähe des heutigen Clermont-Ferrand gelegenen Hauptort der Arvener, Gergovia, zu erobern, was ihm nicht nur nicht gelang, sondern wobei er beim Erstürmungsversuch unter so hohen Verlusten abgeschlagen wurde, dass er abziehen musste. In der Folgezeit vereinigte er sich mit Labienus, und es kam zur entscheidenden Schlacht in demselben Jahr 52 v. Chr.; Vercingetorix hatte einen Angriff auf den Heereszug Caesars verloren und zog sich in die Festung Alesia bei Dijon zurück — und da packte Caesar zu. Er umgab Alesia mit riesigen Belagerungswerken einerseits, die gegen Vercingetorix gerichtet waren, und andererseits mit einem zweiten Ring, einem Verteidigungsring, da ein gallisches Entsatzheer von außen die Römer bedrängte. Nach Wochen kam es zur Entscheidung, das Entsatzheer wurde geschlagen, am nächsten Tag ergab sich Vercingetorix.
 
Das war das Ende. Es gab zwar noch weitere Kämpfe, die sich bis in das Jahr 51/50 v. Chr. hinzogen, aber die Entscheidung war gefallen. Klugerweise beließ Caesar in der politischen Regelung der gallischen Verhältnisse den Arvernern und den Äduern die innere Selbstbestimmung, Vercingetorix aber wurde gefangen genommen und für den Triumphzug aufgehoben. Gallien wurde römisch; so römisch, dass mit dem Französischen dort heute eine Sprache gesprochen wird, die sich aus dem Lateinischen entwickelt hat. Und dieses Ergebnis trat deshalb ein, weil ein römischer Aristokrat für seine innenpolitischen Ziele eine große Klientel und großes Prestige brauchte.
 
Der römische Bürgerkrieg beginnt!
 
Roms Innenpolitik hatte sich inzwischen so weiterentwickelt, dass es Pompeius gelungen war, die äußere Ordnung wieder herzustellen und im August 52 v. Chr. einen zweiten Konsul hinzuwählen zu lassen. Man kann auch, als Ereignis am Rande, hinzufügen, dass Cicero 51/50 Provinzstatthalter war, in Kilikien, und dass er, wie seinerzeit als Quästor in Lilybaeum, die Provinz vorbildlich verwaltete. Im Übrigen war über zwei Jahre lang das wichtigste innenpolitische Thema die Frage, wie mit Caesar zu verfahren sei. Die Rechts- und Machtfragen, die große und die kleine Taktik sind so unüberschaubar, dass wir hier nur kurz zu summieren brauchen. Spätestens seit 52 v. Chr. nahm Pompeius eine undurchsichtige Haltung ein, die dann dergestalt immer durchsichtiger wurde, als er auf die Seite der Optimaten gegen Caesar trat. Zudem war 54 v. Chr. Iulia gestorben, sodass, nun auch losgelöst von allen familiären Bindungen, die Entfremdung von Caesar weiter fortschreiten konnte.
 
Es ging darum, wie und wann Caesars Kommando in Gallien enden sollte. Caesar hatte aus einem sehr praktischen, wenn auch vordergründigen Grund ein Interesse daran, nahtlos vom Prokonsul wieder zum Konsul zu werden, denn wenn es irgendwann einmal eine amtlose Zeit geben würde, würde ihm wegen des Jahres 59 v. Chr. sofort der Prozess gemacht werden. Weil er in Gallien noch unabkömmlich war, wollte er sich in absentia bewerben dürfen, und in diesem Punkt gab es ein unendliches Hin und Her, mit negativem Ergebnis. Die Machtfrage war weniger vordergründig. Es ging darum, dass er, gewissermaßen wie Pompeius 62 v. Chr., seine Truppen entlassen sollte; er erklärte, dazu nur dann bereit zu sein, wenn Pompeius mit seinen dasselbe täte; Pompeius hatte ja das imperium proconsulare in Spanien, ließ Spanien aber durch Legaten verwalten und war in Rom geblieben. Diese Entlassung der Truppen wurde von Pompeius und dem Senat abgelehnt. So lief es darauf hinaus, dass es zwei Machthaber gab, die nicht nachgeben wollten, dazwischen stand der hilflose Senat, der von Caesar mehr befürchtete als von Pompeius. Es gab nervöse Verhandlungen, die Mehrheit der Senatoren scharte sich um Pompeius als das kleinere Übel, zu Beginn des Jahres 49 v. Chr. wurde das senatus consultum ultimum erklärt und Pompeius mit dessen Durchführung beauftragt. Caesar erklärte sich als in seiner Ehre gekränkt und überschritt am 11. Januar 49 v. Chr. den Grenzfluss zwischen seiner Provinz und Italien, den Rubico (Rubikon). Er soll den griechischen Dramatiker Menander zitiert und auf griechisch gesagt haben: »Hoch fliege der Würfel!«, — uns geläufiger ist Suetons nicht ganz wörtliche Übersetzung »alea iacta est!« (der Würfel ist gefallen!). Der Bürgerkrieg war da.
 
 Die alte Republik wehrt sich
 
Auch den Bürgerkrieg hat Caesar beschrieben, und wenn etwas skandalös ist, dann ist es die Existenz dieses Buches »Bellum civile«. Natürlich wollte er durch dessen Inhalt politisch wirken, sich rechtfertigen oder einfach seine Überlegenheit demonstrieren. Aber die Tatsache selbst ist ungeheuerlich. Man muss sich einmal klarmachen, dass derjenige, der — unabhängig von Schuldfragen — einen Bürgerkrieg begonnen hat, über diesen Krieg in genau demselben Ton der ruhigen Objektivität berichtet wie über den Krieg gegen ein Barbarenvolk, das er gerade unterworfen hatte. Das ist mehr als eine Stilfrage, das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er aus dem gesellschaftlich-politischen Kontext der Adelsrepublik herausgewachsen war. Auf der anderen Seite bedeutet das Buch natürlich auch, dass er sich nicht als Monarch empfand, sondern als literarisch tätiger Angehöriger des Hochadels, der über seine politische Tätigkeit reflektierend und plädierend berichtet, also durchaus mit Gegenmeinungen rechnet, auf die er literarisch einwirken will.
 
Caesar auf dem Weg nach Rom
 
Caesar hatte mit Ausbruch des Bürgerkrieges neun Jahre hintereinander in einem Krieg gestanden, der an Härte, an Grausamkeiten und an existenziellen Gefahrensituationen seinesgleichen suchte. Das Überschreiten des Rubico schloss sich unmittelbar an diesen Eroberungskrieg im Barbarenland an, Caesar hatte die Stadt Rom seit März 58 v. Chr. nicht wieder betreten, und zwischen ihm und seinen Soldaten hatte sich ein Verhältnis der gegenseitigen Loyalität und inneren Verbundenheit herausgebildet, das es in dieser Intensität wohl kaum je gegeben hat. Neun Jahre unablässiger Krieg in einem unzivilisierten Land unter einem charismatischen Feldherrn, der alle physischen Anstrengungen mit den Soldaten teilte, das muss ganz exzeptionell geprägt haben. Auch den Feldherrn.
 
Caesar hatte zu Beginn des Bürgerkrieges nur eine Legion zur Verfügung, und vor diesen Soldaten rechtfertigte er seiner Darstellung nach sein Verhalten, und zwar damit, dass ihm deshalb nichts anderes übrig bleibe, als mit militärischer Gewalt vorzugehen, weil seine Gegner durch die Weigerung, ihn so zu behandeln, wie es ihm nach allen seinen Leistungen zukomme, ihn in seiner Ehre verletzt, also seine dignitas angetastet hätten; außerdem hätten sie die beiden Volkstribunen Marcus Antonius und Gaius Cassius Longinus, die sich für Caesar eingesetzt hatten, an der Ausübung ihres Amtes gehindert; damit hätten sie die Volksrechte verletzt, und sie seien ohnehin nur eine kleine Gruppe, die sich eine illegitime Herrschaft anmaße. Es waren also ausgesprochen populare Töne, die er anschlug. Der hocharistokratische Hinweis auf seine Ehre aber stand im Vordergrund, und das war es, was seine Soldaten mitriss. Einer allerdings, der bisher mit ihm durch dick und dünn gegangen war, sah in seinem Verhalten einen Verfassungsbruch, den er nicht mitmachen könne: Ausgerechnet Titus Labienus verließ ihn und wechselte auf die Seite des Senats und des Pompeius über.
 
Diese Gegenseite war unvorbereitet — trotz der jahrelangen politischen Intrigen gegen Caesar, oder sagen wir besser, obwohl sie ihn doch seit Jahren im Verdacht hatte, die alleinige Macht ergreifen zu wollen, und obwohl sie doch gesehen hatte, was für ungeheure Schwierigkeiten er in Gallien bewältigt hatte. Pompeius hatte grundlos geprahlt, er brauche nur auf den Boden zu stampfen, und es würden Soldaten heraufsteigen; eine Metapher, die Schule machen sollte. Aber als es so weit war, waren Senat und Pompeius nicht hinreichend gerüstet. Caesar ging dessen ungeachtet politisch höchst vorsichtig vor. Jeder dachte, er würde es so machen wie Sulla, und umso überraschter waren alle, dass er die Gegner, die ihm in die Hände fielen, äußerst gelinde behandelte und umgehend wieder freiließ; manche vergalten ihm das so, dass sie wieder zum Gegner gingen und weiter gegen ihn kämpften. Von Caesar aus war das ein Programm: Die clementia Caesaris (die Milde Caesars) war dabei, zum geflügelten Wort zu werden, und zwar zu einem sehr wirksamen. Ganz so harmlos war sie nämlich nicht. Zum einen war Caesar darauf angewiesen, möglichst viele Bedenken auszuräumen, da er als Angreifer in einem Bürgerkrieg psychologisch in einer schlechten Position war; der vorauseilende Ruf seiner clementia veranlasste viele, ihm wenig oder keinen Widerstand entgegenzusetzen, sparte also Energie. Zum anderen schwang in dieser Attribuierung ein Unterton mit, der auch nicht unbemerkt blieb: Wer Milde walten lässt, sagt dadurch implizit, dass er auch anders handeln könne, und wer seine Gegner daher prononciert-propagandistisch milde behandelt, handelt eben doch wie ein Tyrann, weil es in seiner Hand liegt, grausam zu sein oder auch nicht. Italien fiel ihm auf diese Weise zu, die Städte ergaben sich ihm reihenweise; das ist insbesondere im Picenum bemerkenswert, denn das war doch altes Klientelland des Pompeius, woher die Legionen kamen, die er als junger Mann Sulla zugeführt hatte.
 
Pompeius fühlte sich Caesar nicht gewachsen. Er verließ Rom und Italien und ging mit seinem Heer und einem Teil der optimatischen Senatorenschaft nach Griechenland. Er hatte die Absicht, nach Sammlung aller Kräfte Caesar großräumig zu überwältigen, denn in seiner Provinz Spanien stand ihm ein schlagkräftiges weiteres Heer zur Verfügung. Man kann dem wahrlich erfahrenen Feldherrn und Organisator glauben, dass hinter diesem Vorhaben, Italien den Rücken zu kehren, ein wohl durchdachter Plan stand. Trotzdem überrascht es nicht, dass viele sein Vorgehen als Flucht aufgefasst haben. Auch Cicero empfand das so, und erst nach langem Schwanken ging er zu Pompeius nach Griechenland und wurde dort wegen seines Zögerns nicht mit offenen Armen empfangen.
 
Caesars Kriege gegen die Pompejaner in Afrika und Spanien
 
Caesar kam Ende März 49 v. Chr. nach Rom, gab sich aber keinen sentimentalen Wiedersehensgefühlen hin. Er hielt am 1. April eine Senatssitzung ab, der der abwesende Cicero Glanz hätte verleihen sollen, aber auch die anwesenden Senatoren waren nicht geneigt, Caesars Wünsche zu erfüllen; in seinem Buch über den Bürgerkrieg entschlüpft ihm diesbezüglich die Bemerkung, er habe diesen Herren gesagt, wenn sie nicht wollten, könne er den Staat auch alleine regieren. Einen peinlichen Vorfall verschweigt er dann. Pompeius hatte vergessen, die Staatskasse mitzunehmen, als er Rom verließ, und als Caesar sie jetzt für sich einziehen wollte, verweigerte ihm das der Volkstribun Lucius Caecilius Metellus. Caesar marschierte darauf mit Soldaten zum Tempel des Saturn auf dem Forum Romanum, wo sich der Staatsschatz befand, wurde unbeherrscht wütend und bedrohte Metellus mit dem Tod, worauf dieser nachgab und Caesar mit dem Geld abziehen konnte. Auch beim Volk von Rom soll dieser Akt Unmut hervorgerufen haben.
 
Militärisch wandte sich Caesar noch nicht gegen Pompeius, sondern erst gegen die Pompejaner, die in Afrika und in Spanien standen. In der Provinz Africa übernahm diese Aufgabe für ihn Gaius Scribonius Curio, der von Sizilien aus dorthin übersetzte. Curio, ein hoch begabter jüngerer Mann, Volkstribun im Jahr 50 v. Chr., war ursprünglich ein glühender Optimat, Gesprächs- und Briefpartner Ciceros und ein scharfer Gegner Caesars. Jedoch war er hoch verschuldet, und aus dieser Situation befreite ihn der in Gallien reich gewordene Caesar; und dass Curio danach zu Caesar überging, wollen wir, um uns einen Rest des Vertrauens in die Menschen zu bewahren, nicht ausschließlich dieser massiven Finanzspritze zuschreiben. Jedenfalls kämpfte er nach Caesars Bericht unerschüttert loyal in Africa gegen die Pompejaner, die mit dem numidischen König Juba I. verbündet waren. Dort erlag er am 20. August 49 v. Chr. einer Kriegslist Jubas und ging tapfer kämpfend unter.
 
In Spanien gingen die Kämpfe anders aus, dort befehligte ja auch Caesar selbst. Massilia, die alte Griechenstadt, wollte sich herauswinden, Caesar ließ sie durch einen Unterfeldherrn belagern. In Spanien standen ihm in der diesseitigen Provinz, Hispania Citerior, pompejanische Truppen unter dem Befehl eines Petreius und des Afranius gegenüber; Letzterer war früher Unterfeldherr des Pompeius im Osten und im Jahre 60 v. Chr. Konsul gewesen. Nach nicht einfachen Kämpfen siegte Caesar und erreichte die Kapitulation der Gegner. Massilia hatte sich zwischendurch halten können, kapitulierte aber nach Caesars Ankunft wegen Hunger und Erschöpfung; die Stadt wurde bestraft, jedoch in ihrer Selbstständigkeit belassen. In Italien kam es dann zu einem berühmten Vorfall, den Caesar ebenfalls nicht berichtet. Ein Teil seiner Truppen meuterte, weil der Krieg unabsehbar zu sein schien und weil Caesar nicht plündern ließ. Caesar begann seine Ansprache mit der verächtlichen Anrede »Quirites« (Bürger) und nicht mehr mit »commilitones« (Kameraden), womit er sie auf der Stelle aus dem Heer entlassen hatte. Sofort flehten die Soldaten ihn um Wiederaufnahme an. Das wurde ihnen unter der Voraussetzung, dass sie ihre Anführer hinrichten ließen, auch gewährt.
 
Caesars Krieg gegen Pompeius
 
Inzwischen war Caesar gewiss nicht ohne eigenes Zutun durch einen Prätor zum Diktator ernannt worden, damit Konsulwahlen durchgeführt werden konnten. Als er im Dezember 49 v. Chr. wieder in Rom war, wurde gewählt, und siehe da, Caesar wurde neben Publius Servilius Isauricus zum Konsul für das Jahr 48 gewählt, sollen wir uns darüber wundern? Damit war das erreicht, dessen Verweigerung der Anlass des Bürgerkrieges gewesen war, aber eben nur der Anlass. Da die wirklichen Ursachen tiefer lagen, ging der Krieg weiter. Schon zur Jahreswende 49/48 setzte Caesar bei Brundisium nach Griechenland über; das war bereits nicht einfach, aber besonders ungünstig war dann, dass Caesar zur See von Nachschub abgeschnitten wurde. Flottenkommandant war Bibulus, sein Kollege in der Ämterlaufbahn, und man kann nicht recht erkennen, mit welchen Empfindungen Caesar berichtet, Bibulus sei an Krankheit, Strapazen und Hass auf Caesar gestorben.
 
Im April 48 gelang es M. Antonius, Verstärkung zu bringen, und alsbald gelang es Caesar, Pompeius bei Dyrrhachium, heute Durrës in Albanien, einzuschließen und einen langen Stellungskrieg gegen ihn zu führen. Im Juli aber konnte Pompeius sich befreien, was in besonders demütigender Weise für Caesar geschah. Seine Soldaten scheint Panik ergriffen zu haben, und Caesar schildert in seinem Werk, wie er sich ihnen vergeblich in ihrer panischen Flucht entgegenzustellen versuchte. Caesars Soldaten waren nahe daran, in ihrer Demoralisierung zu verharren, auf der gegnerischen Seite herrschte Hochstimmung. Pompeius und die Optimaten zogen nach Thessalien, und im August stand allmählich die reguläre Feldschlacht auf der Tagesordnung. Die Heere standen sich bei dem Ort Pharsalos gegenüber, dem heutigen Farsala in Griechenland. Caesar hatte es verstanden, seinen Soldaten wieder Selbstbewusstsein zu geben, ähnlich wie vor der Auseinandersetzung mit Ariovist zehn Jahre vorher. Arroganten Hochmut scheinen seine Gegner ausgestrahlt zu haben. Die Optimaten fingen in ihrer Siegesgewissheit an, Pompeius für überflüssig zu halten und ihm vorzuwerfen, er verzögere aus eigensüchtigen Gründen die Herbeiführung einer Entscheidung. Sie verteilten bereits die Posten und trafen ihre Vorbereitungen für die Bestrafung der Caesarianer. Umso vernichtender war dann der endgültige Sieg Caesars am 9. August 48 v. Chr.
 
Die Schlacht bei Pharsalos ist im Geschichtsbild der Folgezeit immer als das eigentliche Ereignis im Übergang von der Republik zur Monarchie angesehen worden. Caesar, dessen Name später sogar der Titel des Monarchen geworden ist, war der alleinige Sieger; sein Gegenspieler Pompeius und die Römische Republik waren geschlagen, endgültig, unerachtet der vielen Wege und Umwege, die die Geschichte noch bis zur unangefochtenen Errichtung des Kaisertums einschlug. Pharsalos war das eindrucksvollste Ereignis, natürlich auch deshalb, weil hier die beiden Giganten einander gegenüberstanden, von denen der Sieger der ehemalige Verbündete, ja sogar Schwiegervater des Besiegten, an Jahren und politisch-militärischer Erfahrung aber zudem noch der Jüngere war. Der Reichsfeldherr Pompeius, der keine Ahnenreihe aufzuweisen hatte, dessen großer Begabung bisher alles zugefallen zu sein schien, war nun von dem Popularen aus uralter Adelsfamilie, von dem revolutionären Politiker und Eroberer Galliens in den persönlichen und politischen Abgrund gestürzt worden. Die Weltliteratur von Lukans Epos »Pharsalia« oder dem »Bellum civile« an bis zu Goethes zweitem Teil des »Faust« war vom Dramatischen dieses geschichtlichen Augenblicks gepackt.
 
Beim Bericht Caesars über das weitere Schicksal des Pompeius scheint eher beklommenes Mitleid vorzuherrschen. Caesar trieb ihn regelrecht vor sich her, Antiochia, Syriens Hauptstadt, weigerte sich, ihn aufzunehmen; er floh weiter nach Ägypten und ließ den unmündigen König Ptolemaios XIII. bitten, ihn um der Freundschaft seines Vaters willen und trotz seines Unglücks aufzunehmen. Aber, wie Caesar selbst sagt, im Unglück werden aus Freunden Feinde. Die Ägypter kalkulieren die Machtverhältnisse, heucheln freundliche Aufnahme, kommen mit einem römischen Offizier zum Schiff des Pompeius, geben vor, ihn zum König führen zu wollen, und veranlassen ihn, in ein Boot zu steigen. Er erkennt in diesem Offizier einen Kriegskameraden aus dem Seeräuberkrieg und wird dann von ihm erstochen.
 
Caesar und Kleopatra und der Alexandrinische Krieg
 
Caesar verfolgte Pompeius und erreichte am 1. Oktober 48 v. Chr. Alexandria, und man hört mit Erleichterung — nicht durch ihn —, dass ihm doch die Tränen kamen, als ihm der Kopf des Pompeius gebracht wurde. Aber sofort wurde er in neue Probleme verwickelt, nämlich in einen komplizierten Thronstreit zwischen den Geschwistern Ptolemai- os XIII., Ptolemaios XIV., Kleopatra VII. und Arsinoe. Kleopatra, deren Heer noch außerhalb Alexandrias stand, ließ sich heimlich, in einen Sack eingewickelt, zu Caesar in den Palast bringen, und das Ergebnis war, dass Caesar für sie und gegen Ptolemaios XIII. eintrat. Es kam zu heftigen Kämpfen, in deren Verlauf ein Vorrat noch unbeschriebenen Papyrus' in Flammen aufging, was später als Brand der berühmten Bibliothek umgedeutet wurde; auch konnte sich Caesar einmal nur dadurch retten, dass er vom Heptastadiondamm ins Wasser sprang und, seinen purpurroten Imperatorenmantel zurücklassend, zu einem seiner Schiffe schwamm. Rettung kam für ihn dadurch, dass er den Galaterfürsten Mithridates von Pergamon um Entsatz ausgeschickt hatte und dieser mit vorderasiatischen Einheiten anrückte; unter diesen befanden sich auch 3000 kampftüchtige jüdische Soldaten. Ende März 47 v. Chr. ergab sich Alexandria, Kleopatra wurde nach dem Tod Ptolemaios' XIII. mit Ptolemaios XIV. verheiratet und als Königin eingesetzt. Alsbald zog Caesar weiter, denn in seinem Rücken hatte sich etwas zusammengebraut.
 
Und »Caesar und Kleopatra«? Caesar wurde doch immerhin über ein halbes Jahr in Alexandria festgehalten — hatte ihn Kleopatra etwa so sehr an sich gefesselt, dass er alles andere vergaß? Leider war es weniger romantisch. Vor allem war es die militärische Situation, die Caesar gefesselt hatte, und er rückte gleich aus Ägypten ab, nachdem diese geklärt war. Hat aber nicht doch noch, wie es eine nicht sichere Überlieferung will, nach Abschluss der Kämpfe eine romantische Nilfahrt stattgefunden? Wir wollen es Caesar gegönnt haben. Jedenfalls gebar Kleopatra etwa sechs Monate nach seinem Abzug einen Sohn, der Kaisar oder Kaisarion, kleiner Caesar, genannt wurde. Aber auch das hatte eine politische Dimension: Das Ptolemäerreich wurde jetzt von Caesars Geliebten und Mutter seines Sohnes regiert.
 
»Veni, vidi, vici!« — »Ich kam, ich sah, ich siegte!«
 
Allmählich war es für Caesar höchste Zeit, nach Rom zurückzukehren; auf dem Rückmarsch siegte er 47 v. Chr. noch schnell über den pontischen König Pharnakes II. Hier tat er den berühmten Ausspruch: »Veni, vidi, vici!« Zwar hatten die Truppen des alten Senats und des Pompeius sich in der Provinz Africa konzentriert und begannen, zur Gefahr für das caesarische Italien zu werden, aber in Rom hatten sich die Dinge so chaotisch entwickelt, dass Caesar nicht mehr wie bisher nur durch Mittelsmänner regieren konnte, sondern selber eingreifen musste.
 
Am 24. September landete Caesar in Tarent. Seine Person und Politik kommen in folgendem Vorfall ganz zur Geltung: Cicero, der sich ja Caesar nach einigem Zögern nicht nur nicht zur Verfügung gestellt hatte, sondern zu Pompeius übergewechselt war, hatte sich nach Pharsalos wieder auf die Rückreise nach Italien begeben. Er kam bis Brundisium, von wo aus er sich brieflich vor Caesar rechtfertigte und dessen Verzeihung abwartete. Als Caesar dann von Tarent nach Brundisium reiste, kam Cicero ihm entgegen, und als Caesar Ciceros ansichtig wurde, stieg er aus dem Wagen und ging voller Respekt vor dem berühmten Redner, Autor und Staatsmann eine Strecke zu Fuß mit ihm, als ob nie etwas gewesen wäre. Caesar aber widmete sich in Rom ernsthafteren Geschäften, mit seinem Eintreffen war das Machtvakuum sofort beendet. Er bändigte aufsässige Veteranen wieder durch die Anrede »Quirites«, er traf zahlreiche Regelungen, er ließ für den Rest des Jahres Konsuln wählen, er trat vom Amt des Diktators zurück, er ließ sich und Marcus Aemilius Lepidus zu Konsuln für 46 wählen — und er bereitete die Überfahrt nach Africa vor, wo die Truppen der Gegner auf ihn warteten. Am 17. Dezember 47 kam er in Lilybaeum an, am 28. landete er in Africa.
 
Es dauerte drei Monate, bis es zur Schlacht kam; vor der Stadt Thapsus siegte Caesar abermals. Numidien wurde eine neue römische Provinz, Africa Nova, und als Statthalter wurde einer der Prätoren des Jahres 46 eingesetzt, Gaius Sallustius Crispus, der spätere Historiker Sallust. Nach Spanien gelangten Gnaeus und Sextus Pompeius, die Söhne des Pompeius Magnus, und ebenfalls Titus Labienus. Faustus Sulla, den Cicero seinerzeit verteidigt hatte, und Afranius, Caesars anderer Gegner in Spanien, gerieten in Gefangenschaft und wurden auf Caesars Weisung hingerichtet. Seinen erbittertsten Gegner hätte Caesar gerne am Leben gelassen, M. Porcius Cato bzw. Cato den Jüngeren.
 
Cato befehligte Utica, die Hauptstadt der Provinz Africa, die von Caesar noch unerobert war. Es befiel jedoch so viele dort Mutlosigkeit, dass Cato nicht auf einer Verteidigung bestand, vielen zur Flucht verhalf und sich dann im April 46 v. Chr. selber tötete. Er sah in Caesar einen Tyrannen und wollte nicht durch dessen Gnade am Leben bleiben. Er wählte damit den Ausweg, den die stoische Philosophie als Tor zur Freiheit bereitstellte, wenn als Alternative nur noch die Zwänge der Gegenwart gegeben waren. Dieser Tod hat eine ungeheure Wirkung gehabt, viel von dem vergessen lassen, was Cato während seines Lebens an Befremdlichkeiten gezeigt hatte, und Caesar viel vom Glanz seines Sieges genommen. Cato war der Urenkel des M. Porcius Cato Censorius, der für die Zerstörung Karthagos eingetreten war, und lebte ganz in der altrömischen Tradition, die schon zur Zeit seines Urgroßvaters angefangen hatte, Legende zu werden, und sie war es erst recht in der Endphase der Republik. Cicero als homo novus sah sie gewissermaßen von außen, Cato lebte sie von innen heraus. Trotzdem hatte dieses altrömische Leben etwas Doktrinäres und Gewaltsames an sich, das gelegentlich das Lächerliche streifte; selber gelacht haben soll Cato, wenn beispielsweise später erzählt wurde, dass er beim Betreten von Antiochia von einem großartigen Empfangskomitee gefragt wurde, ob er wisse, wo Demetrios bleibe — Demetrios war ein Freigelassener des Pompeius, für den dieses Komitee bereitstand, und Cato, der zu Fuß ging, wurde für einen simplen Mann von der Straße gehalten.
 
Nur zu gerne hätte Caesar an ihm seine Milde bewiesen, und man kann sich gut vorstellen, wie sehr es ihm gegen den Strich ging, dass Cato ihm diesen Triumph durch den Freitod genommen hatte. Cato erhielt den Beinamen Uticensis, Cicero und der spätere Caesarmörder Marcus Iunius Brutus schrieben noch 46 v. Chr. verherrlichende Abhandlungen über ihn, und es zeigt, wie viel innere Liberalität auch unter Caesars Herrschaft doch noch gegeben war, dass Caesar selbst eine Gegenschrift schrieb und veröffentlichte, den »Anticato«. Catos Ruhm beeinträchtigte das nicht. Unter dem Caesarerben Augustus pries Horaz ihn in einer Ode (2, 1), und unter Nero dichtete Lukan die berühmten Verse, dass die siegreiche Sache offenbar den Göttern gefallen habe, aber die besiegte dem Cato.
 
Nach Rom zurückgekehrt, wurde endlich der Triumph gefeiert, über Gallien — hatten wir es etwa schon vergessen? —, Pontos, Ägypten und Africa, jetzt wurde Vercingetorix erdrosselt. Bald danach erschien Kleopatra mit Kaisarion, wohnte in Caesars Gärten jenseits des Tiber und hielt elegant und geistreich Hof. Sie muss die Sensation der römischen Gesellschaft gewesen sein. Wieder war sie nicht lange mit Caesar zusammen, wieder musste militärisch Widerstand gebrochen werden, zum letzten Mal. In Spanien sammelten sich unter den beiden Pompeiussöhnen nicht nur versprengte Senatoren aus den Resten des bei Thapsus geschlagenen Heeres, auch Soldaten kamen, die nach wie vor Loyalität zu Pompeius, ja sogar zu Afranius empfanden, und zusammen mit römischen und nichtrömischen Einheimischen kamen immerhin 13 Legionen zusammen. Wieder versagten Caesars Beauftragte, wieder musste er selber eingreifen. Anfang November 46 v. Chr. verließ er Rom, und wie ernsthaft er zu kämpfen hatte — auch sonst sind alle seine Schlachten keine Spaziergänge gewesen, vielleicht außer der gegen Pharnakes —, zeigt sich daran, dass es nach vielen Schwierigkeiten und Rückschlägen erst im März 45 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht bei Munda kam. Selbst jetzt noch stand der Ausgang anscheinend so auf Messers Schneide, dass Caesars Heer zu weichen begann und er es nur dadurch zum Stehen und dann zum Siegen brachte, dass er selbst in die vorderste Reihe eilte und sich dem feindlichen Geschosshagel aussetzte. Das war dann der Sieg. Labienus fiel, Caesar hat ihn bestattet. Der Bürgerkrieg war zu Ende.
 
Die Neuordnung des römischen Staates durch Caesar
 
Caesar hatte sich zwischen seinen Kriegen jeweils immer nur kurz in Rom aufgehalten. Im Frühjahr 49 v. Chr. waren es wenige Tage zwischen der Einnahme Italiens und dem Abmarsch nach Spanien gewesen, Ende 49 zwischen der Rückkehr aus Spanien und dem Abmarsch nach Brundisium ganze elf Tage, nach der Rückkehr von Pharsalos, Ägypten und Kleinasien im Oktober 47 immerhin einige Wochen bis zum Aufbruch nach Afrika am Jahresende, nach der Rückkehr im April 46 einige Monate bis zum November, als er nach Spanien zog, und dann von seiner Rückkehr im Frühjahr 45 bis zu den Iden des März 44 v. Chr., das ist der 15. März 44 v. Chr., ein knappes Jahr. Vergleichbar mit Sulla nach dessen erstem Marsch auf Rom hatte auch Caesar seine Zwischenstopps dazu benutzt, um notwendige, den Staat ordnende Regelungen zu treffen. Wichtig ist die Darstellung dieser Tätigkeit deshalb, weil sie es war, die außer seinem persönlichen Machtanspruch eine Art sachlicher Rechtfertigung seiner Herrschaft darstellte. In ihr sahen viele Zeitgenossen, aber auch die Nachwelt die gestalterische Kraft des großen Staatsmanns, der erstmals Konsequenzen aus der Reformbedürftigkeit des römischen Staates zog, Konsequenzen, die bisher wegen der Überholtheit der erstarrten Republik nicht hatten gezogen werden können und die nach der Ansicht vieler Caesars Alleinherrschaft vor der Geschichte rechtfertigten.
 
Die Änderungen im staatlichen Aufbau beziehungsweise bei den Institutionen betreffen zunächst den Senat; er wurde allmählich auf 900 Personen erweitert, wobei anscheinend das Volk, anders als bei Sulla, nicht mitzureden hatte. Die Zahl der Quästoren erhöhte Caesar auf 40, die der plebejischen Ädile auf vier, die der Prätoren auf 16. Die Ärartribune entfernte er wieder aus den Gerichten, diese wurden jetzt wieder nur noch von Senatoren und Rittern besetzt. Konsuln sollten in Zukunft zwei Jahre Statthalter sein, Prätoren weiterhin nur ein Jahr. Eine lex Iulia municipalis organisierte die italischen Städte einheitlich. Am berühmtesten ist vielleicht Caesars Kalenderreform, die das Jahr auf 365 und einen Vierteltag festlegte und damit unseren später nur noch geringfügig modifizierten Kalender schuf; seit dem 1. Januar 45 v. Chr. wurde so gerechnet.
 
Caesar verlieh das römische Bürgerrecht an alle Einwohner Italiens jenseits des Po, womit jetzt ganz Italien römisch war. Es gab eine umfangreiche Luxusgesetzgebung. Den Publikanen wurde die Steuereintreibung für die Provinz Asia genommen, wohl wegen früherer allzu großer Exzesse. Am wichtigsten sind seine Maßnahmen hinsichtlich der Unterschicht, zu der auch die Soldaten zu rechnen sind. Er reduzierte die Getreideempfänger von 320000 auf weniger als die Hälfte, sorgte aber zum Ausgleich dafür, dass etwa 80000 von ihnen angesiedelt wurden. Die Veteranen wurden natürlich ohnehin mit Land versorgt, und zwar in Italien, obwohl dieses Programm bei seinem Tod noch nicht zum Abschluss gekommen war. Im Übrigen erweiterte er kräftig die Zahl der überseeischen Kolonien, die es seit Marius gab. In der Provinz Africa waren es acht, darunter Karthago, in Griechenland drei, darunter Korinth, in Kleinasien fünf, eine in Südfrankreich (Arelate, heute Arles) und dreizehn in Spanien. Insbesondere sie trugen zur schnellen Romanisierung Spaniens bei.
 
Caesar erhält neue Befugnisse
 
Zu den institutionellen Regelungen gehören auch die Befugnisse seiner Person. Jahr um Jahr war Caesar Konsul, er war aber vor allem seit 46 v. Chr. Diktator auf zehn Jahre, was faktisch allerdings bedeutete, dass er immer wieder formell zurücktreten musste. Aus dieser Stellung oder durch besondere Verleihung durch Senat oder Volk ergaben sich weitere spezifische Rechte. So hatte Caesar das alleinige Recht, das Heer zu befehligen, natürlich mit der Möglichkeit zu delegieren; er durfte Krieg und Frieden erklären, ohne andere Institutionen fragen zu müssen; er durfte die Statthalter in den Provinzen ernennen; er hatte das Recht, die Hälfte der Magistrate zu bestimmen; er hatte die sacrosanctitas der Volkstribunen; er hatte die praefectura morum, also die Aufsicht über die Sitten, und daher, wie die Zensoren, das Recht, Senatoren zu ernennen oder aus dem Senat zu entfernen.
 
Ihm wurden Ehren über Ehren zuteil. Er wurde offiziell als parens oder pater patriae bezeichnet, Vater des Vaterlandes, ebenso als liberator, der Rom von den Gefahren befreit habe, in die es durch die Gegner Caesars im Bürgerkrieg geraten war. Der Imperatortitel wurde ihm als Eigenname zuerkannt, er durfte immer das Triumphalkleid und den Lorbeerkranz des Triumphators tragen, seinen Liktoren war es gestattet, lorbeerumwundene fasces zu führen; ein goldener Kranz stellte dann eine weitere Überhöhung dar. Unzählige Statuen wurden Caesar errichtet; außer generalisierenden Nachrichten wären einzeln zu erwähnen zwei Statuen auf der Rostra, von denen die eine die corona civica, die andere die corona obsidionalis trug — das waren Kränze, von denen Letzterer aus Gras bestand und dem Befreier eines ganzen Heeres verliehen wurde, während Ersterer aus Eichenlaub war und der Rettung römischer Bürger galt. Eine weitere Statue Caesars wurde im Quirinustempel aufgestellt mit der Aufschrift »deo invicto« (dem unbesiegten Gott), wiederum eine andere wurde als Götterbild bei feierlichem Einzug vom Kapitol zu den Spielen im Circus gefahren, eine elfenbeinerne Statue wurde im Jupitertempel aufgestellt, noch eine den Statuen der sieben Könige und des Brutus auf dem Kapitol zugesellt, wieder eine als Panzerstatue auf dem Forum Romanum errichtet. Überall im Reich wurden ihm weitere Statuen aufgestellt, und schließlich sieht es so aus, als sei ein religiöser Caesarkult zumindest im Entstehen gewesen, für den ein Tempel für ihn und seine clementia beschlossen worden war. Sein Bild kam außerdem noch auf eine besonders wirksame Weise in Umlauf, denn er bekam als erster lebender Römer das Recht, Münzen mit seinem Porträt schlagen zu lassen. Schließlich nennt man bis auf den heutigen Tag seinen Geburtsmonat, der bis dahin Quinctilis hieß, nach seinem Gentilnamen, nämlich Iulius, also Juli.
 
Vor seinem Tod verdichten sich die Nachrichten, die weitere Überhöhungen Caesars entweder andeuten oder konkret darstellen. Das hellenistische Königsdiadem soll einer der Rostrastatuen aufgesetzt und mit der Begründung wieder abgenommen worden sein, Caesar erstrebe es nicht; als rex, also König, wurde er angerufen, und er antwortete, er heiße nicht so, sondern Caesar (seine Mutter war eine Marcia, aus der Familie der Marcii Reges); Caesar legte die roten Stiefel an, die die Könige von Alba Longa (Castel Gandolfo) getragen hatten, rechtfertigte das aber mit seiner Zugehörigkeit zu dem Geschlecht der Julier. Alba Longa war der Sage nach von Ascanius — als Iulus Stammvater der Julier —, dem Sohn des trojanischen Helden Äneas, gegründet worden. Der bekannteste Vorfall ist aber der des 15. Februar 44 v. Chr., wo ihm M. Antonius beim Luperkalienfest vor aller Augen das Königsdiadem anbot, Caesar es aber zurückwies. Waren all das Versuche, offiziell zum König ernannt zu werden? Wohl kaum. Erstens war der baldige Kriegszug gegen die Parther beschlossene Sache, sodass hastige Rangerhöhungen dieser höchst delikaten Art unwahrscheinlich sind, und zweitens hatte es eine sehr reale, beschreibbare und eindeutige Änderung in Caesars Stellung ja gerade gegeben. Er war 45 zum Diktator auf Lebenszeit, dictator perpetuus, ernannt worden. Das sicherte ihm ohne die jährliche Rücktrittsverpflichtung seine Rechte auf Dauer, und das war etwas, was jeder verstehen und nachvollziehen konnte.
 
Das Ende der Römischen Republik
 
Für alle die, die schon bisher Caesars Verhalten immer weniger billigen konnten, war das lebenslange Diktatorenamt anscheinend der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Viele psychologische Missgriffe waren vorausgegangen. Kurz vor Caesars Tod wollte Cicero einmal ein Anliegen vorbringen, musste aber lange im Vorzimmer warten, bis er vorgelassen wurde; Caesar sagte danach einem seiner Vertrauten, dass ihm so etwas natürlich Hass einbringen müsse.
 
Aus Ciceros Korrespondenz sehen wir, wie demütigend es war, im Ausland oder sonstwo zu sitzen und darauf warten zu müssen, ob der Alleinherrscher nun geruhte, einen zu begnadigen oder nicht, und wenn ja, wann. Kaum zu zählen sind die Taktlosigkeiten und Provokationen gegenüber dem Senatorenstand, die bei einem so rationalen Mann wie Caesar nur schwer zu erklären, gleichwohl unübersehbar sind. Schon die Erweiterung des Senats auf 900 Senatoren bedeutete natürlich eine Senkung der Bedeutung des einzelnen Senators, also der bisherigen kleinen Schicht, und das war ja auch beabsichtigt; hinzu kam noch, dass zahlreiche neu ernannte Senatoren aus den unteren Schichten kamen, es waren Söhne von Freigelassenen, und auch Kelten waren dabei. Caesars Umgang mit dem Senat zeigte zudem in kalt provozierender Weise, wer Herr im Hause war. So erhielt Cicero einen Dankesbrief für einen Senatsbeschluss, für den er laut Ausweis des Beschlusses den Antrag gestellt hatte — aber Cicero wusste nichts davon, Caesar hatte das einfach fingiert und nicht einmal hinterher Cicero davon unterrichtet.
 
Schnippische Aussprüche Caesars waren in Umlauf. Dass er 49 den Senat angefaucht hatte, wenn die Senatoren nicht wollten, dann werde er eben alles allein machen, davon hatten wir schon aus seiner eigenen Darstellung erfahren. Jetzt hörte man, er habe gesagt, Sulla sei ein Analphabet gewesen, weil er abgedankt habe, und überhaupt sei der Staat bloß noch ein Name ohne Körper und Gestalt. Den Bürgerkrieg stellte Caesar in Parallele zum Gallischen Krieg, obwohl Letzterer ein auswärtiger Krieg gegen ein barbarisches Volk war, und während der Triumph nach Thapsus immerhin noch als ein solcher gegen auswärtige Mächte notdürftig dargestellt werden konnte, war der nach Munda nur noch einer über römische Bürger, von denen etwa Cato auch noch durch bildliche Darstellungen verspottet wurde. Der letzte Tag des Jahres 45 v. Chr. wurde von Caesar bewusst zur Verhöhnung der republikanischen Institutionen verwendet: Der Konsul Quintus Fabius Maximus war gestorben, und da gerade die Tribuskomitien zusammengetreten waren, um die Quästorenwahlen vorzunehmen, ließ Caesar sie sich in anderer Ordnung als Zenturiatkomitien aufstellen und ganz schnell Gaius Caninius Rebilus zu einem Konsul für ein paar Stunden wählen.
 
Bei all dem entsprach es nur der geschichtlichen und politischen Logik, dass Caesar mehr und mehr als das angesehen wurde, was er nach dem antiken Staatsverständnis auch war, als Tyrann. Der Tyrannenmord war nicht nur gerechtfertigt, sondern auch geboten. Das empfanden zahlreiche Senatoren, die sich zusammengetan hatten, um den Staat vom Tyrannen zu befreien. M. Iunius Brutus war dabei, der für dieses Jahr 44 zum Prätor gewählt worden war, obwohl er doch bei Pharsalos für Pompeius gekämpft hatte. Etwa sechzig Männer waren es, frühere Anhänger Caesars und frühere Gegner, die sich mit ihm wieder versöhnt hatten, jetzt aber sämtlich seine hochfahrende Herrschaft nicht mehr ertragen wollten. Cicero war nicht dabei, war auch gar nicht gefragt worden. Als Caesar im Sitzungssaal des Pompeiustheaters auf dem Marsfeld Platz genommen hatte, unter der Statue des Pompeius, drangen die sechzig auf ihn ein und durchbohrten ihn mit Dolchen. »Auch du, mein Sohn Brutus!«, hat Caesar gewiss nicht gesagt, wohl auch nicht: »Das ist ja Gewalt!«; lautlos ist er in sich zusammengesunken. Der Tyrann war tot, die Attentäter riefen: »Cicero!« Aber die alte Republik stand nicht wieder auf.
 
Warum Caesar scheiterte
 
Gaius Iulius Caesar wurde am 13. Quinctilis (Juli) des Jahres 100 v. Chr. geboren. Er entstammte einer Familie des patrizischen Uradels, die sich auf Äneas zurückführte, und da dessen Mutter die Liebesgöttin Aphrodite war, stammte Caesar demnach von Venus ab. Er heiratete früh, mit 16 Jahren, und zwar Cornelia, eine Tochter des rabiaten Popularen Cinna, von der er im Jahre 83 sein einziges legitimes Kind bekam, die Tochter Iulia. Auch sonst war er mit der popularen Seite familiär verbunden; eine Schwester seines Vaters war die Ehefrau des Marius. Wohl weniger aus popularen Sympathien, sondern aus empfindlichem Widerspruchsgeist und dem Bewusstsein, selber jemand zu sein, trotzte Caesar Sulla und der sullanischen Verfassung. Als Sulla von ihm verlangte, sich von Cornelia zu trennen, gehorchte er nicht, was durchaus riskant war; und als 69 v. Chr. seine Tante, die Witwe des Marius, starb, ließ er trotz des sullanischen Verbots in ihrem Leichenzug die Bilder von Marius und von dessen gleichnamigem Sohn mitführen.
 
Caesar konnte ein reizender, liebenswürdiger Mann sein und hatte eine große Gabe bei der Menschenbehandlung. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, weshalb viele Senatoren trotz ihrer politischen Gegnerschaft zu ihm überwechselten. Selbst Cicero erlag Caesars Charme gelegentlich; wenn man dessen sanguinische Beeinflussbarkeit abzieht, bleibt noch genug übrig, um zu sehen, wie dieser Charme sich politisch auswirkte. Cato hatte das republikanische Bewusstsein und die Sittlichkeit auf seiner Seite und ist mit Recht zum Helden und Märtyrer der Freiheit geworden, aber als Person war Caesar weit anziehender. Seine Bücher über den Gallischen Krieg und den Bürgerkrieg sind hinreißende Meisterwerke an Gedankenführung und Stil.
 
So ein Mann wurde dann Prokonsul in Gallien und befehligte neun Jahre lang ein Heer, das mit ihm so verwuchs wie kein römisches Heer vorher mit seinem Befehlshaber. Der extravagante Politiker, glänzende Stilist, tief verschuldete und hochelegante römische Lebemann kämpfte in Wäldern und Sümpfen mit seinen Soldaten gegen kaum zu zähmende Barbaren, geriet in Hinterhalte und stellte selber welche, verhandelte mit gallischen, britannischen und germanischen Stammeshäuptlingen und Königen, war generös und grausam und vernachlässigte dabei nie die Politik zu Hause. Und doch scheint es so, als habe ihn das Soldatenleben das Fingerspitzengefühl verlernen lassen, das man in dem Dschungel der stadtrömischen Politik brauchte. Die unablässigen existenziellen Anstrengungen, die er vom Betreten Galliens im Jahre 58 bis zur Schlacht von Munda 45 v. Chr. in nicht abreißender Folge auf sich genommen hatte, ließen ihn zum Schluss reizbar, ungeduldig und hochfahrend werden, und das hat sein gewaltsames Ende mitverschuldet.
 
Aber doch nur als zweitrangiger Faktor. Zu tief war der strukturelle Widerspruch zwischen dem Machtstreben eines Einzelnen, der ganz nach Adelsbrauch große militärische Leistungen erbracht und sich eine große Klientel geschaffen hatte, und dem Beharrungsvermögen einer Aristokratie, die über Jahrhunderte hinweg Großes und Größtes geleistet, dabei ein Weltreich begründet hatte und die nicht einsehen konnte, warum sie sich jetzt von jemandem ihresgleichen wie Knechte behandeln lassen sollte. Die Macht, die Caesar angehäuft hatte, war zu groß, als dass die Republik sie hätte integrieren können, und die Republik war zu selbstbewusst, als dass sie kampflos hätte weichen können.
 
Worin das Problem lag, sehen wir bei den immer behandelten Fragen, die um den Charakter von Caesars Herrschaft kreisen. Die Lösung praktischer Probleme war dabei eher harmlos und von unmittelbarer Einsichtigkeit. Von der jeweiligen Sache her war es praktisch und vernünftig, was Caesar erreicht hatte.
 
Im Zentrum aber stand nicht nur aus heutiger Sicht, sondern auch schon bei den Zeitgenossen und bei Caesar selbst die Frage, welche Form seiner Herrschaft gegeben werden sollte. Dass ein hellenistisches Königtum nicht infrage kam, wird schon dadurch deutlich, dass die Exempel hellenistischer Kleinkönige, die Caesar und seine Zeitgenossen vor Augen hatten, gewiss nicht dazu einluden, deren Existenz zum Muster für den Herrscher des Römischen Reiches zu machen, eines Reiches, das selbst den größten von ihnen, Antiochos den Großen, mit Leichtigkeit besiegt hatte. Dafür, dass Caesar mit dem Gedanken gespielt haben könnte, ein römisches Königtum zu errichten, gäbe es schon mehr Indizien, aber doch eben nur für eine tentative, unentschlossene, undeutliche Behandlung dieser Frage. Ein König altrömischen Stils wäre trotz einer historisierenden Verehrung, die man manchen der Könige auch entgegenbrachte, die plumpeste aller Provokationen gewesen. All das war aber unnötig, denn der Sache nach war eine eindeutige und als dauerhaft gedachte Entscheidung schon gefallen. Caesar brach als Diktator auf Lebenszeit zu einem Partherzug auf, seine organisatorische Tätigkeit in Rom und die politische Formung seiner Stellung sah er als abgeschlossen an, und sie war es ja auch.
 
Mehr war nicht zu tun. Oder doch, eines, aber das lag nicht im institutionellen Bereich. Es betraf das Verhältnis zur Aristokratie. Aristokratie und Alleinherrschaft vertrugen sich in der Antike nicht miteinander, alles andere wäre der Versuch der Quadratur des Zirkels gewesen. Bei dem starken, berechtigten Selbstbewusstsein des Senatorenstandes wäre äußerste Behutsamkeit in der Behandlung nötig gewesen und vor allem viel Zeit für eine langsame Gewöhnung. An Ersterer ließ Caesar es fehlen, dass Letztere nicht zur Verfügung stand, lag an Caesars Abreise in einen neuen Krieg, der nicht nötig war. Beides zeigt, dass er inzwischen so von Kampf und Krieg geprägt worden war, dass er die Politik verlernt hatte. Das hat ihn scheitern lassen.
 
 Der Aufstieg Octavians
 
Der große Mann war nun tot, und diejenigen, die in ihm einen Tyrannen gesehen hatten, jubelten. Dazu gehörte der größte Teil der Oberschicht, auch Cicero war dabei, und wie tief und unüberbrückbar der Hass auf den Alleinherrscher war, zeigen Ciceros Briefe, in denen er unverhüllt seine Begeisterung ausdrückt, obwohl sein persönliches Verhältnis zu Caesar zeitweise doch sogar herzlich gewesen war. Wäre die Tat ein einfacher Tyrannenmord gewesen, dann hätte nach Caesars Tod die alte Republik gewissermaßen von alleine wieder erstehen und funktionieren müssen. Das tat sie aber nicht, und darauf waren die Mörder nicht vorbereitet. Das hätten sie aber sein können. Sie hätten in einem ganz bestimmten Punkt wissen müssen, dass der bloße Wegfall des Tyrannen nicht reichte, und sie hätten Vorkehrungen treffen müssen. Dieser Punkt war die Tatsache, dass Caesar unter dem Volk, besonders aber unter den Soldaten, eine bedingungslos zum Folgen bereite Klientel hatte, und dass die Klientel sich vererbt, hatte man spätestens beim jungen Pompeius sehen können. Es gab auch einen Mann, der von sich sagen konnte, er sei jedenfalls der politische Erbe Caesars und könne in dieser Eigenschaft die Klientel aktivieren, und dieser Mann, Marcus Antonius, hatte neben Caesar das Konsulat inne. Die Attentäter wären gut beraten gewesen, wenn sie Vorkehrungen gegen eine caesarianische Usurpation getroffen hätten.
 
Diese Usurpation erfolgte, aber von einer gänzlich unerwarteten und unvorhersehbaren Seite. Es erschien nämlich plötzlich ein junger Mann von 18 Jahren (am 23. September 63 v. Chr. geboren) und erklärte, er sei der zivilrechtliche und politische Erbe Caesars. Tatsächlich war er, Caesars Großneffe Octavius, von ihm testamentarisch eingesetzt worden, aber dass er sich nun Gaius Iulius Caesar nannte und begann, Caesars Soldaten auf seine Seite zu ziehen, damit konnte niemand rechnen. Für Mark Anton muss das ein schwerer Schlag gewesen sein, Cicero jubelte, und in der Tat schien der junge Caesar — den wir der Unterscheidung wegen Octavianus nennen — zunächst mit dem Senat gegen Antonius zu stehen. Cicero hielt flammende Reden gegen diesen, die er in Analogie zu den Reden des Demosthenes gegen den Makedonenkönig Philipp II. »Orationes Philippicae« nannte. Aber dann kam ein neuer Umschwung. Im August 43 v. Chr. wurde Octavian neunzehnjährig gegen den Willen des Senats und unter dem Druck seiner Soldaten zum Konsul gewählt. Er verständigte sich mit Antonius.
 
Das Triumvirat des Octavian, des Antonius und des Lepidus
 
Zu Antonius hatten sich inzwischen die caesarianischen Statthalter im Westen Marcus Aemilius Lepidus, Lucius Munatius Plancus und Gaius Asinius Pollio begeben, Ende Oktober 43 v. Chr. kamen Antonius, Octavian und Lepidus auf einer Flussinsel nördlich von Bononia (Bologna) zusammen und regelten die politischen Verhältnisse Roms unter sich; ihre Absprachen wurden im November durch eine lex Titia legalisiert.
 
Dieses Gesetz setzte M. Antonius, C. Iulius Caesar Octavianus und M. Aemilius Lepidus auf fünf Jahre als triumviri (oder tresviri) rei publicae constituendae ein, schuf also für sie ein Dreimänneramt mit der Aufgabe, den Staat wiederherzustellen. Von den Diktaturen Caesars und Sullas unterschied sich dieses 2. Triumvirat vor allem dadurch, dass die Inhaber der Macht zu dritt waren, sonst hatten auch sie allumfassende Befugnisse; vom 1. Triumvirat zwischen Pompeius, Crassus und Caesar vom Jahr 60 v. Chr. unterschied es sich dadurch, dass es keine private Übereinkunft, sondern ein staatliches Amt war. Den Staat wiederherzustellen unternahmen die drei Mächtigen aber nicht, sondern sie teilten die Macht unter sich auf, in der Absicht, erst einmal gemeinsam die Gegner niederzuzwingen; dann wollte man weitersehen. Als Erstes griffen sie, ganz im Gegensatz zur clementia Caesaris, auf die sullanische Institution der Proskriptionen zurück. Schon am Tag nach der Verabschiedung der lex Titia veröffentlichten sie die erste Liste, auf der die für vogelfrei Erklärten genannt waren. Finanzielle und statusmäßige Belohnungen, wie zum Beispiel die Freiheit für Sklaven, erwarteten die Denunzianten und Mörder; das Vermögen der Ermordeten brauchten die Triumvirn für ihre Soldaten. 300 Senatoren und 2000 Ritter wurden in diesen Tagen umgebracht. Am 7. Dezember 43 v. Chr. traf es Cicero. Er war auf der Flucht, steckte, als das Mordkommando ihn fasste, seinen Kopf aus der Sänfte, der ihm sofort abgeschlagen wurde. Zusammen mit seinen ebenfalls abgehackten Händen wurde Ciceros Kopf zum Spott auf der Rostra zur Schau gestellt, also an dem Ort, wo er mit diesen Werkzeugen seines Genies politisch gewirkt hatte.
 
Ein Nachruf auf Cicero
 
Marcus Tullius Cicero wurde am 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum, einer kleinen latinischen, ehemals volskischen Stadt, geboren, die seit 188 v. Chr. das volle Stimmrecht in Rom hatte. Er entstammte dem Ritterstand, und seine Laufbahn wäre die eines wohlhabenden Herren der Oberschicht gewesen, wenn ihn seine grandiose Begabung nicht auf den Weg der Politik geführt hätte. Zunächst trat er als Prozessredner auf und trat dann die Ämterlaufbahn an, in der er jeweils suo anno in die staatlichen Ämter gewählt wurde, also jeweils zum frühestmöglichen Termin: 75 war er Quästor, 69 Ädil, 66 Prätor und 63 v. Chr. Konsul. Seine Herkunft aus dem Ritterstand zeigt, dass der Senatorenstand, in den er durch die Wahlen gelangte, durchaus offen war und sich von unten ergänzte. Trotzdem wusste jeder, dass Cicero ein homo novus war, und wenn sich Cicero selbst dessen nicht ohnehin bewusst gewesen wäre, dann hätte ihn die oft herablassende Art, mit der er vonseiten der Angehörigen der alten Familien behandelt wurde, ständig mit der Nase darauf gestoßen.
 
Wirklich populare Politik hat er nie betrieben, aber auch nicht von vornherein optimatische. Von seiner Herkunft her und durch seine Intelligenz ist ihm die Sterilität der Optimaten und ihrer Politik nicht verborgen geblieben, und obwohl er sich im Konfliktfall, wenn es nur auf ein »Ja« oder »Nein« ankam, letzten Endes immer auf die optimatische Seite geschlagen hat, sah er sein politisches Lebensziel doch darin, alle nicht revolutionären Kräfte der Republik unter der Devise concordia ordinum zu sammeln. Diese »Eintracht der Stände« sollte Senatoren und Ritter zusammenfassen und dafür sorgen, dass im Rahmen der überkommenen Republik die nötigen Reformen mit Augenmaß angepackt würden. Obwohl Cicero unter Caesars Diktatur auch Ansätze der Auffassung gezeigt hat, dass der Staat vielleicht doch auf eine informelle Führung durch einen Einzelnen angewiesen sei, ist sein Verständnis der römischen Politik und Verfassung doch ganz im Bisherigen verhaftet geblieben. Die Idealisierung der römischen Politik und der römischen Geschichte hängt gewiss mit seiner Herkunft zusammen, hat der Nachwelt aber in Ciceros staatsphilosophischen Schriften ungeheuer wirkungsreiche Texte zur Verfügung gestellt, die bis auf den heutigen Tag die politische Theorie befruchten.
 
Wenn ihm in der Neuzeit zum Vorwurf gemacht worden ist, dass er keine zukunftsträchtigen Ideen hervorgebracht hat, dann ist dieser Vorwurf allen seinen anderen Zeitgenossen auch zu machen. Wenn ihm darüber hinaus auch vorgeworfen wird, er habe keine gradlinige Politik betrieben und sei überhaupt zu sehr Opfer seines unsicheren und wankelmütigen Charakters gewesen, dann ist dazu einmal zu sagen, dass solche Vorwürfe etwas reichlich Selbstgefälliges haben und vernachlässigen, dass man heute kaum die Berechtigung hat, das Verhalten eines Einzelnen in dem ungeheuer komplizierten politischen Geflecht der späten Römischen Republik zu beurteilen. Vor allem aber resultieren diese Vorwürfe aus der ungewöhnlich guten Quellenlage. Wir haben so viele Texte von Cicero und auch von seinen Zeitgenossen, dass wir anders als sonst in der Antike zahlreiche Einzelheiten erfahren, wodurch die Illusion entsteht, überhaupt über alles informiert zu sein. Hinzu kommen Ciceros Briefe, insbesondere die an seinen Freund Atticus. In ihnen zeigt sich in der Tat ein Mann, der sich über vieles nicht klar ist, der sozusagen laut denkt, aber auf dieser Basis sollte man erst dann abfällige Urteile über Cicero treffen, wenn man für die anderen Politiker dasselbe Quellenmaterial hat, und das ist nicht der Fall. Gewiss war er ruhmredig und ist mit diesem Charakterzug auch Zeitgenossen auf die Nerven gefallen. Dass er aber in den Augen der Triumvirn eine solche Gefahr war, dass man ihn auf demütigende Weise umbrachte, geschah, wenn denn schon geurteilt werden soll, ihnen zur Schande und ihm zum Ruhm. Cicero wurde durch seinen Tod der letzte Märtyrer der römischen republikanischen Freiheit.
 
Antonius und Kleopatra
 
Die Proskriptionen beseitigten die inneren Feinde, deren man habhaft werden konnte, im Jahr 42 v. Chr. erledigte man die äußeren. In zwei Schlachten im Oktober und November schlug vor allem Antonius mit dem militärisch minder begabten Octavian bei Philippi östlich von Thessalonike die Heere der Caesarmörder. M. Iunius Brutus und C. Cassius Longinus begingen Selbstmord, die Asche des Brutus schickte Antonius dessen Frau Porcia, der Witwe des Bibulus. Antonius ging in den Osten und traf dort in der kleinasiatischen Stadt Tarsos — der späteren Heimatstadt des Apostels Paulus — die ägyptische Königin. Kleopatra hatte nach Caesars Ermordung Rom verlassen und kam auf Wunsch des Antonius nach Tarsos. Mit ihm gelang ihr das, was Caesar sorgfältig vermieden hatte, nämlich den mächtigsten Römer von sich abhängig zu machen. Auf ihren Wunsch ließ Antonius ihre Schwester Arsinoe töten, die ihrer eigenen Stellung gefährlich werden konnte, und zudem wurde sie seine faktische, später auch rechtliche Ehefrau; schon im nächsten Jahr gebar sie ihm die Zwillinge Alexandros Helios und Kleopatra Selene. Bis zu ihrer beider Selbstmord im Jahr 30 v. Chr. blieben sie zusammen.
 
Octavian spannt Tiberius Claudius Nero die Frau aus!
 
Octavian hatte zunächst einmal den politisch unangenehmsten Teil zugeschanzt bekommen. Zum einen sollte er Veteranen in Italien ansiedeln, eine Aufgabe, die in jedem Fall böses Blut machen musste; im Zuge dieser Veteranenansiedlung wurde im Jahre 41 v. Chr. die Familie des Dichters Vergil bei Mantua enteignet, allerdings auch entschädigt. Auch als Einzelner war der junge Mann von kalter Brutalität. Nach der Eroberung der alten Etruskerstadt Perusia, heute Perugia, ließ er an den Iden des März 40 v. Chr. 300 Senatoren und Ritter, die sich dorthin geflüchtet hatten, am Altar des Divus Iulius, des vergöttlichten Caesar, abschlachten. Auf Bitten um Gnade antwortete er, offensichtlich in der Absicht, altrömisch-monumental zu wirken: »Moriendum est« (es muss gestorben werden). Einigen gelang die Flucht, so einem Tiberius Claudius Nero, der 42 v. Chr. Prätor gewesen war.
 
Nach Auseinanderleben und Wiederversöhnung der Machthaber — Letztere führte zur 4. Ekloge Vergils, einem Gedicht, das durch die metaphorisch gemeinte Geburt eines Knaben den Beginn eines neuen Zeitalters ankündigt und das später christlich umgedeutet wurde — gab es im Jahr 38 v. Chr. in Rom einen gesellschaftlichen Skandalfall, der welthistorische Bedeutung bekommen sollte. Ti. Claudius Nero war mit seiner Frau Livia in der Verbannung bei Sextus Pompeius gewesen. Er hatte sie 43 als Fünfzehnjährige geheiratet. 42 v. Chr. hatte Livia ihm den ersten Sohn geboren, der nach seinem Vater ebenfalls Tiberius Claudius Nero hieß. Jetzt war sie mit einem weiteren Kind schwanger. Als beide nach Rom zurückkehren konnten und Octavian Livia Ende 39 v. Chr. sah, war es wohl wirklich das, was man Liebe auf den ersten Blick nennt. Anders als solche Lieben oft verlaufen, blieb diese Liebe stabil. Octavian schied sich sofort von seiner Frau Scribonia und zwang den Mann Livias ebenfalls zur Scheidung. Am 17. Januar 38 v. Chr. heiratete er die von ihrem ersten Mann Schwangere, die bald darauf ihren zweiten Sohn gebar, Nero Claudius Drusus. Livia stammte wie ihr erster Mann aus einer hoch vornehmen Familie, den Livii Drusi, und sie ist in die Geschichte als die Kaiserin Livia eingegangen.
 
Octavian geht gegen Antonius vor und putscht
 
Am 31. Dezember 38 v. Chr. lief das auf fünf Jahre befristete Triumvirat ab, und man wüsste gerne Näheres darüber, wie viele Römer offen oder insgeheim diesen Ablauf herbeisehnten oder wenigstens neugierig waren, was denn jetzt passieren würde. Würden jetzt wieder verfassungsmäßige Zustände einkehren? Auch jetzt muss zusammengefasst werden. Ende des Jahres einigten sich Octavian und Antonius aus eigener Machtvollkommenheit auf eine Verlängerung auf weitere fünf Jahre. Aber die Triumvirn entfernten sich mehr und mehr voneinander. Octavian siegte durch Agrippa über Sextus Pompeius, aber Antonius versagte im Krieg gegen die Parther; dafür heiratete er 36 v. Chr. Kleopatra.
 
Wieder ging die Fünfjahresfrist des Triumvirats zu Ende, und immer noch war die Machtfrage ungeklärt. Die Konsuln, die ab dem 1. Januar 32 v. Chr. amtierten, waren Anhänger des Antonius, es waren Gnaeus Domitius Ahenobarbus und Gaius Sosius. Bei Amtsantritt griff Sosius den jungen Caesar an und scheint im Namen des Antonius gefordert zu haben, dass beide Triumvirn zurückträten — Lepidus war uninteressant geworden, und Antonius hätte das in seiner Position als Herr des Ostens wenig ausgemacht. Octavian mahnte dies zur Vorsicht. Zur nächsten Senatssitzung erschien er mit einer Leibwache, und er und seine Anhänger waren unter ihrer Toga bewaffnet. Das war der Staatsstreich, und diese Sprache wurde verstanden. Octavian erklärte sich zum Rücktritt nur bereit, wenn Antonius mit ihm zusammen in Rom abdanke, aber bevor dieser unernste Vorschlag ernsthaft erwogen werden konnte, zogen die Konsuln und über 300 Senatoren die Konsequenz und begaben sich zu Antonius, der mit ihnen einen Gegensenat bildete. Antonius ging mit Kleopatra nach Athen, und das Vorzeigen dieser Verbindung veranlasste den Konsul von 42, Lucius Munatius Plancus, der bisher auf der Seite des Antonius war, zu Octavian nach Rom überzuwechseln.
 
Munatius Plancus — Gründer der Colonia Raurica, des heutigen Augst bei Basel — brachte Neuigkeiten mit, nämlich die Mitteilung, dass Antonius in seinem Testament in skandalöser Weise das Römische Reich zugunsten der »Orientalin« Kleopatra verschleudere. Das Testament war ordnungsgemäß bei den Vestalinnen in Rom niedergelegt, und Octavian sah hier die Gelegenheit, den Konflikt zuzuspitzen. Er beging den großenTabubruch, den Vestalinnen das Testament zu entreißen, und ließ verkünden, Antonius habe den Kindern Kleopatras riesige Territorien aus dem römischen Imperium vermacht und bestimmt, dass er nach seinem Tod in Alexandria bestattet sein wolle. Diese Bestimmungen riefen, durch die von Octavian monopolisierte Propaganda verstärkt, eine Art nationaler Empörung hervor, also etwas, was in der Antike eher selten war. Octavian ließ ganz Italien einen Treueid auf sich schwören — iuravit in mea verba tota Italia nannte er diesen Vorgang — und erklärte den Krieg. Wem? Nicht Antonius, sondern der Königin von Ägypten; und um der Sache noch eine besondere nationale Färbung zu verleihen, geschah die Kriegserklärung in archaischer Form, indem Octavian beim Tempel der Kriegsgöttin Bellona eine blutbefleckte Lanze auf fiktives feindliches Gebiet schleuderte.
 
Die Schlacht bei Actium und Kleopatras Tod
 
Am 2. September 31 v. Chr. fand bei Actium an der nordwestgriechischen Küste die Entscheidungsschlacht statt, zur See, und es war Octavians Freund Agrippa, der für ihn siegte. Antonius und die Königin flohen nach Ägypten, Octavian ließ sich Zeit. Er reiste auf dem Landwege zum Nil und traf am 1. August 30 v. Chr. in Alexandria ein. Antonius hatte sich schon bei Octavians Herannahen den Tod gegeben, Kleopatra soll noch einmal versucht haben, den mächtigsten Römer zu verführen, und wenn das zutreffen sollte und nicht nur eine allzu nahe liegende Erfindung ist, dann kam sie bei dem kühlen Octavian natürlich an den Unrechten. Durch einen Schlangenbiss tötete sie sich dann selbst und entging so dem Schicksal, im Triumphzug in Rom zur Schau gestellt und anschließend erdrosselt zu werden. Kleopatra ist eine historische Gestalt, in der Wirklichkeit und Legende ausnahmsweise wirklich großenteils deckungsgleich sind. Ihr Porträt macht einen eher ruhig-hausfraulichen Eindruck, was kein Widerspruch zu der Tatsache sein muss, dass sie eine ganz ungewöhnliche erotische Anziehungskraft hatte. Das kann an sich für uns gleichgültig sein, wenn Kleopatra diese Eigenschaft nicht politisch ausgemünzt hätte. Sie war eine tüchtige Königin, als erste Person auf dem Ptolemäerthron hat sie sogar die Sprache ihrer einheimischen Untertanen gelernt. Natürlich hat die Propaganda ihr Bild ins Negative verzerrt, sie als Musterbeispiel einer Orientalin im verweichlicht-dekadenten Sinn gezeichnet, aber das Bild von der eindrucksvollen Frau, die sie war, hat diese Propaganda nicht auslöschen können. Der Dichter Horaz beendet das Jubellied auf den Sieg über Kleopatra mit anerkennenden Strophen.
 
Octavian festigt seine Herrschaft
 
Ägypten war kein selbstständiges Reich mehr, es wurde eingezogen. Eine römische Provinz wurde es allerdings nicht, sondern ein privates Herrschaftsgebiet des Octavian. Am 1. Januar 30 v. Chr. schwor der Senat, alle Maßnahmen Octavians anzuerkennen, am 11. Januar wurde der Janustempel geschlossen zum Zeichen, dass jetzt Frieden herrsche, und am 15. August feierte Octavian — seit 38 nennt er sich »Imperator Caesar Divi filius« (Imperator Caesar, Sohn des Gottes [C. Iulius Caesar]) — einen dreifachen Triumph: über Illyrien, Ägypten und Kleopatra. Jetzt war er im Alleinbesitz der Macht. Und damit stand er vor demselben Problem, vor dem Pompeius und vor allem sein Adoptivvater gestanden hatten: Wie bringt man persönliche Machtfülle in eine dauerhafte politische und rechtliche Form?
 
Octavian ging mit äußerster Vorsicht ans Werk. Rekapitulieren wir: Ende 43 wurde er Triumvir auf fünf Jahre, diese Frist wurde einmal verlängert, und wenn wir sie großzügig berechnen, dann war sie spätestens zum 1. Januar 32 v. Chr. beendet. Wir hatten schon gesehen, dass Octavian diese Situation politisch durch einen Staatsstreich meisterte, aber rechtlich? Da war nichts, stattdessen gab es Ersatzpositionen. Darunter hat man den Schwur ganz Italiens auf den jungen Caesar zu rechnen und etwas, was er den consensus universorum genannt hat, durch den er die Staatsgewalt innegehabt habe. Das war also eine Art informeller Zustimmung aller und als staatsrechtliche Position reichlich schwach, sodass das Jahr 32 psychologisch dadurch überbrückt werden musste, dass der Krieg gegen Antonius und Kleopatra vorbereitet wurde. Am 1. Januar 31 hatte Octavian dann wieder festen rechtlichen Boden unter den Füßen, da er Konsul war und es hintereinander bis 23 v. Chr. blieb.
 
Trotz dieses Dauerkonsulats war die Stellung des Machthabers aber immer noch weit gewichtiger als die eines bloßen Konsuls, der ja immerhin immer noch einen Kollegen hatte, und das zeigte sich am 13. Januar 27. An diesem Tag, so sagt er in seinem Tatenbericht (»Res gestae«), habe er den Staat aus seiner Amtsgewalt (potestas) wieder in die Kompetenz des Senats übergeben; danach habe er zwar weiterhin eine überragende Autorität gehabt, aber nie mehr Amtsgewalt besessen als seine jeweiligen Kollegen im jeweiligen Amt. Er muss also eine potestas gehabt haben, durch die er den Staat innehatte und ihn wieder zurückgeben konnte, und welche das war, das sagt er nun nicht mehr, wohl wegen der Zweifelhaftigkeit der Rechtsposition, nicht, weil es sie nicht gegeben hätte. Man nimmt heute zu Recht an, dass es zwar nicht mehr das Triumvirat (ein einzelner Triumvir ist ja auch eine etwas abenteuerliche Vorstellung), wohl aber die triumvirale Amtsgewalt war, die er weiterführte; dass man Amtsgewalt vom Amt getrennt behandeln konnte, haben wir ja schon gesehen. Dass er immer noch aus dieser Gewalt heraus handelte, zeigt sich daran, dass er Ende 28 v. Chr. ein Edikt erließ, in dem er alle rechtswidrigen Maßnahmen, die er kraft seiner Triumviralgewalt vorgenommen hatte, aufhob — auch dieses Edikt floss also aus dieser Gewalt. Aber dann kam der große Staatsakt, mit dem der Staat auf eine neue Basis gestellt werden sollte.
 
Am 13. und am 16. Januar 27 spielte sich im Senat Folgendes ab: Der ehemalige Triumvir und fortdauernde Inhaber der Triumviralgewalt legte diese Gewalt nieder und gliederte sich wieder in das politische System der alten Republik ein. Einer von vielen Senatoren war er jetzt, ein Konsul neben einem anderen, und das Einzige, was ihn von den anderen unterschied, war sein ungeheures Prestige, seine auctoritas. Der Senat bat ihn jedoch eindringlich, den Staat weiterhin in Person zu lenken, und der bisherige Inhaber sämtlicher Staatsgewalten erklärte sich bereit, eine bestimmte Aufgabe weiterhin außerhalb der üblichen Ämterbekleidung zu erfüllen, nämlich eine begrenzte Zeit lang die noch nicht endgültig befriedeten Provinzen zu regieren. Das waren die spanischen und gallischen Provinzen, Kilikien und Syrien sowie das ohnehin besonders behandelte Ägypten; für diese Provinzen erhielt er ein imperium proconsulare. Über die bisherigen Ehrungen hinaus verlieh ihm der Senat weitere, die er als für seine Stellung konstitutiv bezeichnete. Sein Haus wurde offiziell mit Lorbeer geschmückt, ihm wurde die Bürgerkrone aus Eichenlaub verliehen, dazu ein goldener Schild, auf dem die Tugenden der virtus, der clementia, der iustitia und der pietas verzeichnet waren, also die Tugenden der Mannhaftigkeit, der Milde, der Gerechtigkeit und die der ehrfurchtsvollen Frömmigkeit. Hinzu kam noch etwas, der Empfänger nennt es als Erstes: Der Senat verlieh ihm den Ehrennamen Augustus, der Erhabene. Dieser Name rückte ihn in sakrale Sphären — und endlich können auch wir ihn so nennen, wie er in die Geschichte als der erste römische Kaiser eingegangen ist.
 
Gründe für das Ereignis des Jahres 27 v. Chr.
 
Wir Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts lächeln natürlich automatisch, wenn wir hören, dass Octavian aus freien Stücken auf alles verzichtet und nur auf Drängen der Senatoren widerstrebend einen kleinen Teil der Macht wieder übernommen habe. Mit diesem wissen- den Lächeln haben wir gewiss nicht Unrecht. Dieser Akt war sorgsam vorbereitet, die scheinbare Verzweiflung der sich nun angeblich allein gelassen fühlenden Senatoren war eingeplant, und es hätte böse Folgen gehabt, wenn jemand den Schein für Wahrheit genommen hätte und die Übertragung des imperium proconsulare sowie die Ehrungen etwa hätte diskutieren wollen. Es gibt aber auch einen anderen Gesichtspunkt, der berücksichtigt werden muss. Die Regelung wäre wertlos gewesen, wenn der Senat nur eine einfache Applausmaschine gewesen wäre; Octavians Rücktritt erhielt erst dadurch politisches Gewicht, dass hinter ihm ein gehöriges Quantum an Seriosität stand. Natürlich kann man nicht quantifizieren, was echt und was unecht gewesen ist. Es gibt aber ein nachweisbares Kriterium, das ursächlich für das Bedürfnis nach einem informellen, jedoch rechtlich abgesicherten Staatslenker, einem princeps civitatis, spricht. Das war die große Furcht, dass nach einem wirklichen Rücktritt des Augustus wieder ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Bei Sulla hatte man Entsprechendes sehen können, und die Bürgerkriege waren spätestens seit dem Jahre 49 v. Chr. so schrecklich gewesen, dass der Wunsch nach ruhigen und gesicherten Verhältnissen übermächtig und legitim war. Die Dichtung des Horaz zeigt, welche traumatischen Wirkungen die Bürgerkriege hatten und wie aus dieser Erfahrung die Sehnsucht nach Frieden erwuchs. Sie konnte, wie die Dinge lagen, nur durch den Sieger im Bürgerkrieg, durch Augustus gestillt werden.
 
 
Trotz dieser politischen Konstellation war höchste Vorsicht geboten, und alle institutionellen Schritte des princeps zeigen das. Zum Ersten war Augustus sehr vorsichtig mit der Handhabung des imperium proconsulare, das faktisch dem Oberbefehl über das römische Heer gleichkam. Dieses Heer umfasste nach umfangreichen Entlassungsaktionen immer noch 25 Legionen und war, erstmals in der römischen Geschichte, zum stehenden Heer von Berufssoldaten geworden. Augustus delegierte als der alleinige Befehlshaber des Heeres seine Kommandogewalt über die Truppen in den Provinzen an seine jeweiligen Legaten; diese, die legati Augusti pro praetore, waren gleichzeitig die Provinzstatthalter. Das imperium proconsulare wurde Augustus immer nur auf begrenzte Zeit verliehen, im Jahre 27 auf zehn, 18 auf fünf, 13 wieder auf fünf, 8 v. Chr., 3 und 13 n. Chr. jeweils wieder auf zehn Jahre.
 
Ebenso zurückhaltend und flexibel verhielt er sich in Bezug auf weitere politische Positionen. Neben dem imperium proconsulare bekleidete er weiterhin jährlich das Konsulat, denn die republikanische Verfassung bestand ja in vollem Umfang weiter. Es war sogar so, dass es regelrechte Wahlkämpfe gab und dass man als Kandidat für ein politisches Amt auch durchfallen konnte; in der Dichtung des Horaz wird das als selbstverständlich vorausgesetzt. Zwar liegt über der Überlieferung für das sozusagen normale politische Leben ein seltsamer Schleier, und die Tatsache, dass Augustus das Recht hatte, sich in präjudizierender Weise für bestimmte Kandidaten auszusprechen, die dann natürlich auch gewählt wurden, zeigt, dass von absoluter Freiheit der Wahl nicht mehr die Rede war. Aber auch das darf nicht verabsolutiert werden, und wie wenig wir von einer absoluten Macht des Kaisers sprechen können, zeigen die Vorgänge des Jahres 23 v. Chr. Der Mitkonsul des Augustus, Aulus Terentius Varro Murena, war offenbar kein Jasager, und die Differenzen mit dem princeps nahmen solche Formen an, dass der Konsul wegen einer Verschwörung in Abwesenheit verurteilt, dann ergriffen und getötet wurde. Womöglich hing der Konflikt auch damit zusammen, dass Augustus ständig das Konsulat bekleidete und dass das Anstoß erregte, denn im Juni 23 legte er es nieder, sodass auch in diesem Punkt fast lupenreine republikanische Zustände herrschten.
 
Freilich wurde ein Ausgleich geschaffen. Das imperium proconsulare wurde dadurch erweitert, dass es den Imperien der anderen Statthalter übergeordnet war, technisch gesprochen ein imperium maius wurde. Außerdem erhielt Augustus die gesamte Amtsgewalt eines Volkstribunen, die tribunicia potestas. Das Jahr 19 v. Chr. schließlich brachte die letzte institutionelle Verfestigung der Macht des Augustus. Er erhielt das imperium eines Konsuls, also das imperium consulare, das ihm wie jedem anderen Konsul zwölf Liktoren zubilligte und ihn berechtigte, zwischen den beiden regulären Konsuln auf einer sella curulis, dem römischen Amtsstuhl, Platz zu nehmen. Damit war die Verleihung staatlicher Rechte abgeschlossen; die Wahl zum pontifex maximus im Jahre 12 v. Chr. und die Verleihung des Titels pater patriae, Vater des Vaterlandes, im Jahre 2 v. Chr. gehören schon in das Gebiet der außerrechtlichen Ehrungen, zu denen wir jetzt übergehen.
 
Denn: Die Übertragung formaler staatsrechtlicher Befugnisse reicht natürlich nicht aus, um die oberste Gewalt in einem aristokratisch geprägten Staat dauerhaft und in politisch verträglicher Form auch wirklich innezuhaben. Dazu bedarf es noch weiterer Komponenten, und eine von ihnen ist die Autorität, die ein solcher Herrscher haben muss, eine andere das Mittel der Propaganda. Ehrungen, die in Auswahl ja schon genannt wurden, können in diesem Zusammenhang erwähnt werden, und diesen wäre noch hinzuzufügen, dass der Monat Sextilis seit dem Jahre 8 v. Chr. bis heute August(us) heißt. Die kultische Verehrung des Augustus, die bereits in der Umbenennung des Monatsnamens anklingt, machte freilich doch kurz vor seiner Verehrung als Gott Halt und fand zudem nur in den Provinzen und im Heer statt; dort wurden Augustus und seine Familie in religiösen Formen verehrt. Ein weiteres Mittel der Propaganda war das, was man Kulturpropaganda nennen könnte: Die Wirkung der Forumsbauten, der Ara Pacis Augustae (des vom Senat gestifteten Altars des Augustusfriedens), des Mausoleums und der Sonnenuhr auf dem Marsfeld und auch die seines Hauses auf dem Palatin und des dortigen Apollotempels ist natürlich politisch kalkuliert worden.
 
Die Errichtung von Bauten kann man befehlen, was man aber nicht befehlen kann, ist ihre künstlerische Qualität. Damit sie eintritt, muss ein gewisses Maß an schöpferischer Freiheit existieren, und das zu belassen, ist ein Zeichen höchster Staatskunst. Besonders und in letztlich unerklärlicher Weise deutlich wird das an der Dichtung, die von Augustus gefördert wurde, vor allem an den größten lateinischen Dichtern Vergil und Horaz. Beide gehörten zum Umkreis des Augustus, und beide haben durch ihre Dichtungen seine Herrschaft unterstützt — Vergil vor allem durch sein Epos »Aeneis«, das die römische Frühgeschichte zum Gegenstand hat, und Horaz durch große Teile seines lyrischen Werkes. Beide Dichter aber blieben unabhängige Männer, auch in ihren Dichtungen, und Horaz konnte sogar so weit gehen, Caesars konsequentesten Gegner Cato an herausragender Stelle zu preisen. Natürlich waren sie keine Oppositionellen, und auch Livius, der in der Zeit des Augustus die Geschichte der Republik in letztgültiger Weise in seinem Werk »Ab urbe condita libri« dargestellt hat, war das nicht; wohl aber hatten sie sich alle ein unabhängiges Urteil bewahrt, bewahren dürfen, und dass sie zur Herrschaft des Augustus ja sagten, lag daran, dass er Rom den Frieden gebracht hatte und seine Macht so schonend wie möglich ausübte.
 
Allerdings auch überaus wirkungsvoll, und als das frappierendste Zeichen dafür soll schließlich noch ein Phänomen der bildenden Kunst genannt werden. Sein Porträt auf Münzen und in Gestalt von Plastiken wurde im ganzen Reich gezeigt, und so, wie er dort dargestellt wird, stellen wir ihn uns auch heute noch vor. Die Archäologie hat zwar verschiedene Typen seiner Bildnisse erkennen und unterscheiden können, aber in einem sind sie sich alle gleich. Den Mann, der 76 Jahre alt wurde und dem man das nach dem Zeugnis Suetons auch deutlich ansah, kennen wir nur als strahlenden Jüngling, dem Gott Apollo gleich, dem er sich persönlich besonders verbunden fühlte. Dass es kein Altersbild von Augustus gibt, dahinter erkennt man eine lenkende und sehr starke Hand.
 
Die Parther, die Varusschlacht und die Reichsorganisation
 
Die Außenpolitik, das heißt die Militärpolitik, bestand im Wesentlichen nur aus Arrondierungsmaßnahmen. Die Beziehungen zum Partherreich gestalteten sich so, wie Augustus auch die Innenpolitik gestaltete, nämlich vorsichtig. Von einem Partherkrieg, wie ihn Caesar geplant und Antonius verloren hatte, war nicht mehr die Rede, oder, besser gesagt, nur die Rede und das auch nur in einem spezifischen Sinn. Im Jahre 20 v. Chr. gelang es Augustus, in Verhandlungen die Feldzeichen von den Parthern wiederzubekommen, die Crassus bei der Niederlage verloren hatte, die ihn 53 v. Chr. auch das Leben gekostet hatte. Um diese Rückgewinnung wurden große propagandistische Inszenierungen veranstaltet, als ob sie aufgrund eines großen Sieges erfolgt wäre. Die Bedeutung dieses Ereignisses zeigt die kurz nach 20 v. Chr. entstandene Augustusstatue von Prima Porta: Ihr Brustpanzer zeigt die friedlich erreichte Rückgabe der Feldzeichen.
 
In Richtung Germanien gab es zunächst ein weiteres Ausgreifen Roms. Im Jahre 15 v. Chr. führten Tiberius und Drusus, die Söhne der Livia, erfolgreiche Feldzüge in den Alpen und im Alpenvorland, die Tiberius über den Bodensee hinweg bis zur Donauquelle führten. Freilich hatte man schon vorher Vorbereitungen zum Vorstoß ins Innere Germaniens getroffen, und diese Expansionspolitik, die sogar bis zur Elbe führte, war sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass der Kommandeur des germanischen Heeres, Publius Quinctilius Varus, das Gebiet zwischen Rhein und Elbe bereits wie eine römische Provinz behandelte. Er, der vorher Statthalter in Syrien gewesen war, war seit 7 n. Chr. an den Rhein versetzt und durchzog das Land, indem er Abgaben erhob und Gerichtstage abhielt.
 
Was sich dann in Germanien abspielte, hat im deutschen öffentlichen Bewusstsein eine verwickelte Rolle gespielt. Die Schlacht im Teutoburger Wald vom Jahre 9 n. Chr. und ihr Sieger Arminius waren lange Zeit hindurch Gegenstand anachronistischer nationaler Hochgefühle — ähnlich wie, wenn auch mit der Trotzhaltung der Unterlegenen vermischt, die Gestalt des Vercingetorix in Frankreich —, was nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem scheuen Herunterspielen der Bedeutung dieses Ereignisses führte. Beides muss nicht sein. Weder waren es im Jahre 9 n. Chr. Deutsche, die über Welsche gesiegt und sich diesen damit zum ersten Mal überlegen gezeigt hätten, noch ist diese Schlacht das erste Zeichen eines scheußlichen deutschen Nationalismus gewesen, die es besser nicht gegeben hätte. Die Sachverhalte sprechen für sich. Das römische Verhalten in Germanien löste bei den Germanen ähnliche Empfindungen aus wie das entsprechende Verhalten einige Jahrzehnte früher in Gallien, und genauso, wie gallische Adlige schon geraume Zeit enge Beziehungen zu Rom gehabt hatten, die römischen Verhältnissen daher gut kannten und wussten, wie man sich zu wehren hatte, genauso konnte der Cheruskerfürst Arminius seinen Widerstand auf intime Kenntnisse Roms stützen.
 
Arminius war römischer Bürger — so römisch übrigens, dass wir nicht einmal seinen germanischen Namen kennen — und kannte als römischer Offizier und Chef einer Germaneneinheit im römischen Heer die römische Kampfesweise gut. Bei Kalkriese in Westfalen legte er sich mit seinen Germanen, die durch abtrünnige germanische Hilfstruppen der Römer verstärkt waren, an einer engen Stelle zwischen Wald und Moor in einen Hinterhalt und vernichtete drei römische Legionen. Das war ein Schlag, der die römische Politik letzten Endes dazu führte, auf die Eroberung Germaniens zu verzichten. Sonst wäre dieses Buch nicht auf deutsch, sondern in einer romanischen Sprache geschrieben, die sich parallel zum Französischen entwickelt hätte.
 
Es begann eine gewisse Vereinheitlichung der Organisation des Reichsgebietes. Zum einen durch die Kolonisationspolitik des Augustus; er selbst rühmt sich in seinem Tatenbericht (»Res gestae«), in den Provinzen Africa, Sicilia, Macedonia, in beiden Hispaniae, in Achaea, Asia, Syria, Gallia Narbonensis und in Galatia Veteranenkolonien angelegt und in Italien 28 blühende Kolonien eingerichtet zu haben; noch mehr kommen hinzu, wenn man die Kolonien hinzurechnet, die keine Veteranenkolonien waren. Sie waren Römerstädte im Ausland, sicherten das Gebiet militärisch und sorgten für die Linderung oder Beendigung sozialer Spannungen; sie sind es gewesen, die zusammen mit den Ansiedlungen aus der darauf folgenden Kaiserzeit entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur Romanisierung des Reiches beigetragen haben. Der andere Motor der globalen Reichsorganisierung war die Konzentrierung der Verwaltung der wichtigsten Provinzen in der Hand des Augustus sowie im imperium proconsulare maius, das ihn berechtigte, auch in den befriedeten Provinzen, die vom Senat verwaltet wurden, das letzte Wort zu haben.
 
Die Stellung des Senats und des Senatorenstandes im Prinzipat
 
Damit sind wir endlich beim politischen Kern der Herrschaft des Augustus angelangt, nämlich bei seinem Verhältnis zum Senat und zum Senatorenstand. Caesar hatte den Senat beiseite gedrückt und war daran gescheitert, Pompeius hatte sich letzten Endes dem Senat untergeordnet, Sulla hatte geglaubt, den reformierten Senat alleine regieren lassen zu können. Eine Teilantwort auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen princeps und Senat war schon gegeben worden, nämlich die, die mit dem Wort Vorsicht bezeichnet ist. Rechtlich vermied Augustus sorgfältigst, trotz seiner anfänglichen Legitimation durch seine Caesarsohnschaft, jeden Anklang an die direkte Herrschaftsstilisierung, die Caesar (und Sulla) mit der Diktatur ausgeübt hatten; es gab Phasen, in denen ihm die Diktatur dringlich angetragen wurde, und die Heftigkeit, mit der er dieses Ansinnen zurückgewiesen hat, zeigt, dass er darin eine Falle witterte. Der etappenweise erfolgenden Inanspruchnahme einzelner Rechte entsprach die ganz allmähliche Akkumulation von Ehrungen und psychologischen Faktoren, die Augustus in die Sphäre der selbstverständlichen übergeordneten Autorität rückten; ganz im Gegensatz zur sturzbachartigen Überhäufung mit Ehrungen, wie sie Caesar praktiziert hatte. Augustus unterließ im Umgang jegliche Provokation; es sind keine zynischen Äußerungen hinsichtlich des Senats von ihm überliefert, obwohl er sonst durchaus zu Zynismen neigte. Er legte großen Wert darauf, im alltäglichen Verhalten zu signalisieren, dass er ein Senator wie alle anderen auch sei, allerdings einer, der Großes geleistet hatte und dafür eine herausragende Stellung beanspruchen durfte, und das war etwas, was römischem Denken ja nicht fremd war.
 
Psychologische Meisterschaft genügte nun natürlich nicht, sie brauchte eine Entsprechung in der praktischen Politik. Daher war es nötig, dass der Senat wirklich eine sinnvolle Position im Staatsleben einnahm. Erreicht wurde diese dadurch, dass er über seine bisherigen Kompetenzen hinaus sogar noch eine weitere hinzu bekam, nämlich die der Gesetzgebung. Volksversammlungen existierten zwar weiterhin und waren insbesondere für die Wahlen nicht wegzudenken, aber ihre Bedeutung ging in nicht recht greifbarer Weise zurück, und vor allem traten sie nicht mehr als Organe der Gesetzgebung in Erscheinung. An die Stelle der Volksgesetze traten jetzt die Senatsbeschlüsse, die auch förmliche Gesetzeskraft hatten, und ein besonderes Privileg war es, dass Senatoren nicht mehr der normalen Strafjustiz unterworfen waren, sondern einer Spezialzuständigkeit des Senates selber. Auch hatten die Ehegesetze, die ab 18 v. Chr. in verschiedenen Regelungen vom Senat verabschiedet wurden, die Funktion, den Senatorenstand wieder zu einer lebenskräftigen Schicht werden zu lassen. Schließlich wurde der Senat wieder auf 600 Mitglieder beschränkt, die Aufblähung auf 900, die Caesar vorgenommen hatte, wurde also rückgängig gemacht, wodurch der Senat wieder ein überschaubares und arbeitendes Gremium werden konnte.
 
Freilich — Gesetzesanträge kamen meistens vom Kaiser, so die Anträge gerade für die Ehegesetze, und auch sonst muss der Befund mit der Frage relativiert werden, wer eigentlich den Senat stellte. Viele Senatoren waren in den Bürgerkriegen umgekommen — wir erinnern uns an das schreckliche Wort »moriendum est« —, der Senatorenstand musste also wieder durch Personen aus dem Ritterstand aufgefüllt werden, und Augustus war es, der die Personen bestimmte. Er hatte nicht nur das Recht bekommen, Patrizier zu ernennen, also den alten Uradel durch Neuernennungen fiktiv wieder zu erneuern. Er führte auch mehrere Senatssäuberungen durch, auf wechselnder und nicht immer deutlicher Rechtsgrundlage, faktisch aber als Inhaber der zensorischen Gewalt; er ging sogar so weit, dass er für den Fall der fehlenden finanziellen Voraussetzungen einzelnen Kandidaten selber Geld zur Verfügung stellte.
 
Das Verhältnis des Augustus zum Senatorenstand weist eine zweite Ambivalenz auf. Dass die Senatoren wirklich und praktisch gebraucht wurden und nicht nur ein hoch geehrter, aber nicht wirklich wichtiger Stand waren, zeigte sich nicht nur in ihrer Funktion als Gesetzgeber im Senat, sondern auch in der Übernahme von für den Bestand des Reiches existenziellen Funktionen im Heer und in den Provinzen. Senatoren waren die Heerführer, und die legati Augusti pro praetore in den Provinzen waren Senatoren; nur in Ägypten und in kleineren Gebieten wurden Ritter genommen. Demgemäß waren, wenn man die direkt dem Senat unterstellten senatorischen Provinzen noch hinzunimmt, sämtliche Provinzen von Senatoren verwaltet, und das waren wahrlich Aufgaben, an denen man sich bewähren, allerdings auch fulminant scheitern konnte. Varus ist das spektakulärste Beispiel. Die Relativierung folgt aber auch hier auf dem Fuße. Mit Ausnahme der Provinz Africa waren die senatorischen Provinzen ja diejenigen, in denen keine Truppen mehr standen, die also hinsichtlich der Machtfrage zweitrangig waren, und die mächtigen proprätorischen Legaten in den kaiserlichen Provinzen hatten, wenn man genau hinschaute, eigentlich eine Stellung, die eines freien Aristokraten unwürdig war. Sie waren Angestellte des Kaisers und bekamen sogar ein festes Gehalt, zwar als Aufwandsentschädigung kaschiert, aber der Tatbestand bleibt. Ein schlichtes Salzgeld — salarium, daher Salär — von einer Million Sesterzen ist nicht gerade wenig. Und hinzu kam obendrein noch: Die ganz großen, übergeordneten Kommandos führten Familienangehörige des Kaisers, etwa sein Freund und Schwiegersohn Agrippa oder seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius. Und damit sind wir bei dem letzten Komplex der Herrschaft des Augustus, bei der Familienpolitik und Nachfolgefrage.
 
Augustus und das Problem der Nachfolge
 
Die Familienpolitik des Augustus, die Frage seiner Nachfolge und sogar seine Herrschaftsform des Prinzipats als Ganze sind nur zu verstehen, wenn man sich klarmacht, dass er keinen leiblichen Sohn hatte. Aus dieser Grundtatsache folgen die zahlreichen unterschiedlichen Maßnahmen, mit denen er versuchte, die Herrschaft trotz aller republikanischen Einkleidung in der Familie zu halten. Die zentrale Figur dabei ist sein einziges Kind, die Tochter Iulia, die er von Scribonia hatte, wobei angemerkt werden kann, dass es gemeinsame Kinder des Kaiserpaares überhaupt nicht gab. Iulia wurde nacheinander mit den Männern verheiratet, in denen Augustus seine Nachfolger sah und die er auch adoptierte; er adoptierte auch Iulias Söhne Gaius und Lucius — aber alle starben sie: sein Neffe Marcellus, sein Freund Agrippa sowie seine Enkel, und übrig blieb zum Schluss nur Livias Sohn Tiberius.
 
Tiberius hatte sich als tüchtiger Feldherr vielfach bewährt. Er war es, der die Feldzeichen des Crassus von den Parthern erhalten hatte, und er hatte im Jahre 15 v. Chr. erfolgreich in Rätien gekämpft. Tiberius war eher ein verschlossener Mensch, und dieser Charakterzug wurde durch das, was er durch Augustus erfahren musste, weiter verstärkt. So war er eben jetzt nur Ersatz für Agrippa, der 12 v. Chr. gestorben war, und vielleicht auch für den beliebteren Drusus, der 9 v. Chr. in Germanien verstarb. Und als Ersatzmann wurde er auch in seiner persönlichen Lebensgestaltung eingesetzt: Mit Recht wird zwar oft das Schicksal der Iulia beklagt, die der Reihe nach mit den als Augustusnachfolger ins Auge gefassten Männern verheiratet wurde, aber auch die Männer mussten sich in ihren Ehen der Politik fügen. Tiberius war aus diesem Grunde schon als Kind mit Agrippas Tochter Vipsania Agrippina verlobt worden, die er 16 v. Chr. heiratete. Einige Jahre später, 11 v. Chr., musste er sich von ihr scheiden und Iulia heiraten.
 
Das alles ging nicht gut. Zwar erhielt Tiberius nach weiteren höchst erfolgreichen militärischen Kommandos im Jahre 6 v. Chr. die tribunicia potestas auf fünf Jahre, wurde also immer mehr als Nachfolger herausgestellt; aber Augustus hatte ja auch seine Enkel Gaius und Lucius Caesar adoptiert, das ereignete sich 17 v. Chr., und diese beiden wurden nun Tiberius vorgezogen. Tiberius zog sich gekränkt 6 v. Chr. nach Rhodos zurück. Während seines Exils ereilte Iulia die Katastrophe. Sie war in Rom geblieben und führte dort ein so ausschweifendes Leben, dass ihr Vater sie im Jahre 2 v. Chr. von Tiberius schied und sie auf die Italien vorgelagerte Insel Pandateria verbannte. Ihre Liebhaber, mit denen sie sich auch öffentlich zeigte, waren zum Teil politisch ehrgeizige Leute, die in Opposition zum princeps standen und gegen die ebenfalls vorgegangen wurde. Daher ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, dass der Schlag gegen Iulia auch politische Ursachen hatte; gleichwohl dürften öffentlich vorgezeigte ehebrecherische Verhältnisse der Tochter eines princeps, der der Urheber strenger Ehe- und Sittengesetze war, für die Reaktion des Augustus ausgereicht haben; im Jahre 8 n. Chr. traf ihre Tochter Iulia die Jüngere dasselbe Schicksal. Im Jahre 2 n. Chr. starb Lucius Caesar, Tiberius kehrte nach achtjährigem Exil nach Rom zurück, zwei Jahre später starb auch Gaius Caesar, und wieder fungierte Tiberius als Ersatzmann: Er wurde 4 n. Chr. von Augustus adoptiert, allerdings gleichzeitig mit Agrippa Postumus, einem weiteren Sohn von Agrippa und Iulia, und um die Zurücksetzung auf ihren Höhepunkt zu treiben, musste Tiberius seinen Neffen Germanicus, den Sohn seines Bruders Drusus, adoptieren, obwohl er doch von Vipsania Agrippina einen leiblichen Sohn hatte, der ebenfalls Drusus hieß. Aber dann kamen keine Querschläge mehr: Tiberius erhielt neben seiner tribunicia potestas im Jahre 13 n. Chr. das imperium proconsulare maius und war nun komplett mit allen Rechten eines princeps ausgestattet. 14 n. Chr. starb Augustus 76-jährig, und die große Frage war, ob und wie eine Nachfolge in dieser undefinierten und undefinierbaren Stellung eines princeps vonstatten gehen würde.
 
Die Ursachen, die zur Herausbildung des Kaisertums führten
 
Wenn ein konservativer römischer Senator des Jahres 133 v. Chr. hätte sehen können, wo die Entwicklung endete, die mit den gracchischen Unruhen begonnen hatte, er hätte sich nicht gewundert. Genau das, hätte er gesagt, haben wir vorausgesehen: die sich auf das Volkstribunat stützende Herrschaft eines Einzelnen mit einer riesigen Klientel sowie ein eingeschüchterter Senat, der nur noch akklamiert; wie bei einer klassischen Tyrannis geht es dem Alleinherrscher nur um die Machtsicherung, und das Einzige, was ungewiss ist, ist die Nachfolge in der Herrschaft. Einem solchen Senator könnte man konzedieren, dass er mit seiner erfahrungsgesättigten Skepsis die Dinge schon richtig sehe, man müsste jedoch hinzufügen, dass entscheidende Unterschiede zu dem bestanden, was damals befürchtet worden war. Zunächst einmal ist diese Entwicklung nicht aus sich heraus so eingetreten, sondern in einem aus Wechselwirkungen bestehenden Prozess, zu dem auch die konservative Senatsseite ihren Teil beigetragen hat. Das Problem, das Tiberius Gracchus lösen wollte, war ja wirklich gravierend, wie schon daraus hervorgeht, dass er ursprünglich aus Senatskreisen auf die Bahn gesetzt worden war, die er dann in revolutionärem Überschwang verließ, und es ist auch wahr, dass die Senatsseite eben nicht fähig war, die Verarmung der Bauern, die zudem das römische Heer ausmachten, aufzuhalten.
 
Der objektive Anstoß kam also von unten, von der zunehmenden Verarmung der Bauernschaft, und sie ist eine Folge der ständigen und immer ausgreifenderen Kriege der Expansion gewesen. Aber auch oben hatte die Expansion destabilisierende Folgen. Die Aristokratie wurde durch sie in doppelter Weise herausgefordert, und in beiden Fällen wirkte sich die Herausforderung dekompositorisch auf den Zusammenhalt des Adels aus. Zum einen boten die Kriege und die auswärtige Politik großartige Felder der Bewährung, und die ersten großen Individuen, die wir in der römischen Geschichte erkennen können, sind die, die sich auf diesen Gebieten hervorgetan hatten. Wer diese Leistungen hinter sich hat, der gliedert sich nur noch schwer in eine auf Gleichheit achtende Führungsschicht ein. Zum anderen bot die Weltherrschaft, sozusagen umgekehrt, ungeheuer große Versuchungen, denen große Teile der Senatsaristokratie erlagen. Draußen war man auf sich gestellt und außer Kontrolle der Standesgenossen, und so wie die positiven Leistungen auflösend wirkten, so erst recht die bis ins Verbrecherische gehende Selbstherrlichkeit der Feldherrn und Provinzstatthalter.
 
Diese Aristokratie war in der späten Republik nicht mehr in der Lage, die immer neuen Gefahren zu meistern, die das Reich von innen und von außen bedrohten. Wer das aber konnte, das waren einzelne besonders befähigte Aristokraten, die teils aus eigener Initiative, teils aber auch als vom Senat widerwillig Beauftragte Sondervollmachten bekamen, die jeweilige Krise erfolgreich meisterten und nun erst recht nicht mehr in die Adelsgesellschaft passten. In ihnen nahm die Entwicklung nun ganz spezifisch römische Züge an. Die Gefahr, die die konservativen Senatoren zu Beginn der Revolutionsepoche witterten, kam im Ergebnis nämlich aus einer anderen Richtung als sie befürchteten. Ihnen schwebte eine Demagogenherrschaft nach griechischem Muster vor, verstärkt durch die engen Bindungen, die das römische Klientelwesen ausmachten. Streckenweise bestand diese Gefahr für die Aristokratie in Gestalt der popularen Bewegung wirklich, und die tribunicia potestas des Kaisers ist sozusagen die staatsrechtliche Beurkundung dieser Entwicklung. Der Faktor aber, der schließlich die Senatsherrschaft aus den Angeln hob, drückt sich in der wichtigsten Kompetenz des Kaisers aus, im imperium proconsulare, also in der Kommandogewalt über das gesamte Heer, das seine riesige, bewaffnete Klientel darstellte. Die Herkunft dieser Kommandogewalt waren die Kriege, die die großen Einzelnen der späten Republik im Auftrag des Senats oder durch eigene Initiative führten, zunächst gegen äußere Feinde, dann als Bürgerkriege. Der römische Kaiser ist, wenn man die Entwicklung in einem einzigen Begriff fassen will, derjenige adlige Bürgerkriegskommandeur, der zum Schluss übrig geblieben ist und die soldatische und zivile römische Klientel bei sich monopolisiert hat. Und das haben die Gegner der Gracchen zu Beginn der Revolutionszeit nicht gesehen und nicht sehen können.
 
Prof. Dr. jur. Wolfgang Schuller
 
Weiterführende Erläuterungen finden Sie auch unter:
 
Römisches Kaiserreich
 
Grundlegende Informationen finden Sie unter:
 
Rom: Großmacht und Weltreich
 
 
Alföldy, Géza: Römische Sozialgeschichte. Wiesbaden 31984.
 
Das alte Rom. Geschichte und Kultur des Imperium Romanum, bearbeitet von Jochen Martin. Mit Beiträgen von Jochen Bleicken u. a. Gütersloh 1994.
 
Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. (ANRW ). Geschichte und Kultur Roms im Spiegel der neueren Forschung, herausgegeben von Hildegard Temporini u. a. Auf zahlreiche Bände berechnet. Berlin u. a. 1972 ff.
 
Augustus: Meine Taten. Nach dem Monumentum Ancyranum, Apolloniense und Antiochenum. Lateinisch-griechisch-deutsch. Herausgegeben von Ekkehard Weber. München u. a. 51989.
 Badian, Ernst: Römischer Imperialismus in der späten Republik. Aus dem Englischen. Stuttgart 1980.
 Bleicken, Jochen: Geschichte der römischen Republik. München 41992.
 Bleicken, Jochen: Die Verfassung der Römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung. Paderborn u. a. 71995.
 Caesar, C. Julius: Der Bürgerkrieg. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben von Otto Schönberger. München u. a. 21990.
 Caesar, C. Julius: Der gallische Krieg. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben von Georg Dorminger. München u. a. 81986.
 Christ, Karl: Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt 31996.
 Cicero, Marcus Tullius: Atticus-Briefe. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Helmut Kasten. München u. a. 41990.
 
Corpus inscriptionum Latinarum. Consilio et auctoritate Academiae Litterarum Regiae Borussicae editum, herausgegeben von der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 17 Bände in 66 Teilen mit Supplementbänden. Berlin 1869-1986. Teilweise Nachdruck Berlin 1939-86.
 Dahlheim, Werner: Julius Cäsar. Die Ehre des Kriegers und der Untergang der Römischen Republik. München u. a. 1987.
 Fuchs, Harald: Der geistige Widerstand gegen Rom in der antiken Welt. Berlin 21964.
 Fuhrmann, Manfred: Cicero und die römische Republik. Eine Biographie. München u. a. 21994.
 Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Wiesbaden 61960. Nachdruck Wiesbaden 1983.
 Heuss, Alfred: Römische Geschichte. Darmstadt 51983.
 Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch. Darmstadt 21992.
 Kloft, Hans: Die Wirtschaft der griechisch-römischen Welt. Eine Einführung. Darmstadt 1992.
 Kolb, Frank: Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike. München 1995.
 Livius, Titus: Ab urbe condita. Bearbeitet von Wilhelm Weissenborn und Hermann Johannes Müller. 10 Bände. Zürich u. a. 151965-79.
 Meier, Christian: Caesar. Taschenbuchausgabe München 31993.
 Meier, Christian: Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik. Frankfurt am Main 21988.
 Meyer, Ernst: Römischer Staat und Staatsgedanke. Zürich u. a. 41975.
 Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bände 1-3. Taschenbuchausgabe München 51993.
 Sallust: Die Verschwörung des Catilina. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay »Zum Verständnis des Werkes« sowie einer Bibliographie herausgegeben von Josef Lindauer. Reinbek 1964.
 Syme, Ronald: Die römische Revolution. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Werner Dahlheim. Aus dem Englischen. Taschenbuchausgabe München u. a. 1992.
 Tacitus: Agricola. Bearbeitet von Reinhard Häussler. Übersetzt und erläutert von Karl Büchner. Stuttgart 31985.
 Tacitus:Annalen. Deutsch von August Horneffer. Mit einer Einleitung von Joseph Vogt und Anmerkungen von Werner Schur. Stuttgart 1964.
 Tacitus: Historiae. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben von Joseph Borst. u. a. München 51984.

Universal-Lexikon. 2012.

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